Die Wiedervereinigung Deutschlands

Veröffentlicht von dominikus am 8. October 2011

Durch Veränderungen in der Sowjetunion seit Mitte der 80er Jahre vorangetrieben kam es zum Zusammenbruch der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands in den Jahren 1989/90.

Gorbatschow und die Wiedervereinigung

Mitte der 80er Jahre begann der neue sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow mit umfassenden Reformen, um die UdSSR vor dem Verfall zu retten. Er verzichtete auf die sowjetische Vormachtstellung in den Ostblockstaaten und suchte die Kooperation mit dem Westen. Die Deutsche Wiedervereinigung ist das Ergebnis einer allmählichen Demokratisierung der östlichen Staaten, Ungarn begann im Frühjahr 1989 mit dem schrittweisen Abbau der Grenzzäune zu Österreich und schließlich einer vollständigen Öffnung der Grenze zum Westen am 11. September 1989. Dem folgte eine Fluchtwelle aus der DDR über Ungarn in die Bundesrepublik. Ein kleiner Schritt in Richtung Wiedervereinigung.

Die Krise in der DDR und die Wiedervereinigung

Die Führung der DDR geriet immer mehr in einen Zustand der Stagnation und Krise, je mehr sie sich innerhalb der Ostblockstaaten isolierte. Man weigerte sich auf die Reformen Gorbatschows einzugehen und unterwarf nun sogar sowjetische Publikationen einer Zensur. Auch wirtschaftlich war die DDR am Boden. Eine Wiedervereinigung konnte sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch niemand vorstellen.

Eine friedliche Revolution auf dem Weg zur Wiedervereinigung

Nachdem die Massenflucht in Gang kam, wagte man sich auch auf die Straße und es formierte sich eine Oppositionsbewegung in der DDR. Unter dem Schutz der Kirche begannen die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Man wollte auf friedliche Weise eine Wiedervereinigung erzwingen. Schließlich gerieten die Feierlichkeiten zum 40sten Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 zum Fiasko. Während der offiziellen Feierlichkeiten fanden in vielen Städten Demonstrationen gegen die SED Führung und für eine Wiedervereinigung mit der BRD statt. Schließlich sah man sich dem zweifachen Druck aus Massenflucht und Massendemonstration nicht mehr gewachsen und der Rücktritt Erich Honeckers am 18. Oktober 1989 leitete den Zerfall der DDR ein.

Der Fall der Berliner Mauer und die Deutsche Wiedervereinigung

Nach der Öffnung der Berliner Mauer wird eine Wiedervereinigung der beiden Deutschen Staaten immer wahrscheinlicher. Der neue Ministerpräsident Lothar de Maiziere ebnete den Weg zur Wiedervereinigung und nach den sogenannten Zwei-plus-Vier-Gesprächen mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs kommt es zur Wiedervereinigung und Deutschland erhält seine volle Souveränität zurück.
Die Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung Deutschlands finden bis heute jährlich am 3. Oktober statt.

Fotos: flickr igorschwarzmann, PercyGermany

Der sozialistische Bruderkuss

Veröffentlicht von dominikus am 2. October 2011

Der Bruderkuss ist das berühmteste Gemälde auf der East Side Gallery

Das 1,3 Kilometer lange Stück Mauer an der Mühlenstraße in Berlin wurde nach der Wende zur East Side Gallery, auf der Künstler insgesamt 106 Gemälde gemalt haben. Der Bruderkuss von Honecker und Breschnew ist das bekannteste von ihnen. Der Künstler Dimitri Vrubel malte es nach der Vorlage eines Fotos, das der französische Pressefotograf Régis Bossu vom Bruderkuss im Jahr 1979 aufnahm.

Zur Geschichte des Bruderkusses

BruderkussUnter Staatsmännern des sogenannten Ostblocks war der sozialistische Bruderkuss eine besondere Form der Ehrerbietung. Der Bruderkuss sollte eine besondere Verbundenheit zwischen den sozialistischen Staaten zum Ausdruck bringen. Dies geht auf ein bekanntes Ritual der russisch-orthodoxen Kirche zurück. Der Bruderkuss soll Gleichheit und Brüderlichkeit zum Ausdruck bringen und ein Ausdruck der Freude sein. Es ist eine Umarmung und ein gegenseitiger Kuss auf die Wangen oder seltener auf den Mund. Der Bruderkuss erlangte durch Erich Honecker und Leonid Breschnew besondere Berühmtheit. Seit 1989 wird der Begriff des Bruderkusses in vielfältigen Zusammenhängen verwendet, die nichts mit seiner historischen Entstehung oder mit der Begrüßung sozialistischer Staatsmänner zu tun hat. So wurden z. B. Begegnungen zwischen Arafat und dem hessischen Ministerpräsidenten Eichel oder zwischen dem Sportler Butch Reynolds und einem sportlichen Gegner als Bruderkuss bezeichnet.

Der Bruderkuss im Jahr 1979

Im Oktober 1979 kam Leonid Breschnew zu den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der DDR nach Ostberlin. Nach seiner Rede nahm er die Brille ab, umarmte Erich Honecker und küsste ihn auf den Mund. Dieser Bruderkuss wurde vom Régis Bossu festgehalten. Später wurde das Bild von der französischen Fotoagentur ‘Le Baiser’ genannt.

Mehr als 10 Jahre später hatte der russische Maler Dimitr Vrubel Liebeskummer und musste sich zwischen zwei Frauen entscheiden. Deshalb schrieb er unter sein Gemälde vom Bruderkuss: "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben".

 

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls kam Dimitri Vrubel wieder nach Berlin und malte einen neuen Bruderkuss an das berühmte Stück Mauer, wo das Gemälde weiterhin von Touristen aus aller Welt bewundert werden kann.

 

Bild: flickr, pareto8020
 

Die East Side Gallery

Veröffentlicht von dominikus am 28. September 2011

Der 21. Jahrestag der East Side Gallery

Die East Side Gallery entstand kurz nach der Öffnung der Berliner Mauer. Am 28. September 1990, also vor genau 21 Jahren wurde die Galerie eröffnet. Ein Jahr danach, 1991 wurde das Mauerstück als East Side Gallery benannt und unter Denkmalschutz gestellt.
Die damalige Hinterlandmauer, welche das Grenzgebiet nach Ost-Berlin abschloss, gilt heute als größter und bekanntester, erhaltener Rest der Berliner Mauer.

Die Mauer als Zeitzeugnis †“ East Side Gallery Berlin

East Side GalleryDer englische Begriff "East Side Gallery" beschreibt ein 1316 Meter langes Stück der Mauer, welches im Frühjahr 1990 von 118 Künstlern aus 21 verschiedenen Ländern bemalt wurde. Der Ministerrat der DDR selbst stellte die Bemalung und somit Gründung der East Side Gallery in Auftrag.
Zu finden ist die Galerie zwischen dem Berliner Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke. Dort steht die mit 102 Gemälden bunt bemalte Mauer entlang der Spree. Dank der Sanierungen, die 1996 und 2009 vorgenommen wurden, erinnert das Mauerstück bis heute in leuchtenden Farben an die Deutsche Teilung.

Die East Side Gallery als ein Stück Erinnerungskultur

Ein Grund für die Entstehung der Galerie ist die Erinnerung an die Berliner Mauer und das Gedenken an die Opfer dieser Zeit. Genauso wie der Checkpoint Charly und das Brandenburger Tor soll die East Side Gallery an damalige Zeiten erinnern und Vergangenheit lebendig halten.
Durch die imposante Länge und die vielen unterschiedlichen politischen und poetischen Gemälde wurde das bemalte Stück Mauer schnell zu einer Touristenattraktion. Inzwischen gibt es deshalb sogar die Möglichkeit, in einer Führung alle Bilder, die Entstehung und die Sanierung der East Side Gallery vorgestellt zu bekommen.

Die East Side Gallery ist mehr als eine Toursistenattraktion. Dank der vielen Künstler erzählt die Mauer eine Geschichte und wird so zu einem Zeitzeugnis aus Stein und Stahl.

 

Bild: flickr, givingnot@rocketmail.com

Ein Zeitzeugeninterview führen

Veröffentlicht von dominikus am 24. September 2011

Unterscheidungen von Zeitzeugeninterviews

Man unterscheidet zunächst zwischen dem thematischen und biographischen Zeitzeugeninterview. Im letzteren berichtet der Zeitzeuge aus seinem Leben bzw. von einem Lebensabschnitt. Im thematischen Zeitzeugeninterview wird nach zeitlich begrenzten Sachverhalten gefragt.

Inhaltliche Vorbereitungen vor dem Zeitzeugeninterview

Zunächst müssen das Thema, die Zeit und der historische Kontext erarbeitet werden.
Es muss ein Fragen-Katalog oder ein Leitfaden für das Zeitzeugeninterview erstellt werden. Dies hilft, das Gespräch zu strukturieren und die  Ergebnisse mit anderen Zeitzeugeninterviews in der Auswertungsphase vergleichen zu können.

Organisatorische Vorbereitung vor dem Zeitzeugeninterview

Zeitzeugeninterviews werden in der Regel auf Video und/oder Tonträgern festgehalten. Die dafür benötigten Geräte müssen vor dem Gespräch auf ihre Funktion überprüft werden und es muss außerdem dafür gesorgt werden, dass genügend Aufnahmematerial zur Verfügung steht.
Es empfiehlt sich, das Zeitzeugeninterview in der Wohnung des Gesprächspartner durchzuführen, da sich letzterer in seiner gewohnten  Umgebung wohler fühlt. So kann die Qualität des Interviews gesichert oder sogar verbessert werden.

Ablauf und Dauer des Zeitzeugeninterviews

Bevor man mit dem Zeitzeugeninterview beginnt, sollte man sich vergewissern, ob der Zeitzeuge damit einverstanden ist, dass das Gespräch aufgezeichnet wird. Das Zeitzeugeninterview sollte nicht über einen zu langen Zeitraum geführt werden, da es insbesondere für ältere Menschen anstrengend und emotional belastend sein kann. Das Gespräch sollte maximal 90 Minuten dauern und gegebenenfalls kann ein weiterer Termin vereinbart werden. Letztendlich soll das Gespräch für alle angenehm und informativ sein.

Auswertung und Präsentation des Zeitzeugeninterviews

Nach dem Termin muss das Gespräch schriftlich übertragen werden und eventuell mit ähnlichen Zeitzeugeninterviews verglichen werden, um etwaige Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten zu können.
Des weiteren können die Aussagen kommentiert und zusammengefasst werden, um dann in den Kontext eines Gesamtthemas gestellt zu werden.
Zum Schluss können die aufbereiteten Zeitzeugeninterviews auf vielfältige Weise präsentiert werden. Hier bieten sich CD-ROM, DVD, Ausstellung oder Internetseiten an.

Mit Zeitzeugeninterviews erfahren wir mehr über unsere Geschichte. Sie gestatten uns einen Blick auf Ereignisse durch die Augen von Menschen, die wirklich dabei gewesen sind. Insbesondere die jüngere Generation, welche die damaligen Zeiten oft nur aus sachlichen Geschichtsbüchern kennt hat so eine Möglichkeit ihren Horizont zu erweitern.

Was ist ein Zeitzeuge?

Veröffentlicht von dominikus am 23. September 2011

Ein Zeitzeuge ist eine Person, die an einem bestimmten, meist historischen Ereignis persönlich teilgenommen hat.

Der Zeitzeuge aus der Sicht der Geschichtswissenschaft

Von der Geschichtswissenschaft wird der Zeitzeuge als wichtige historische Quelle angesehen.
Wie jede andere Quelle wird auch der Zeitzeuge kritisch nur im Zusammenhang mit anderen
Quellen ausgewertet.
Eine Methode, die auf dem Sprechen lassen von Zeitzeugen basiert, nennt sich Oral History.
Der Zeitzeuge soll hier möglichst wenig vom Historiker beeinflusst werden und Inhalte auf seine
Art und Weise wiedergeben. Gerade Personen aus unteren Gesellschaftsschichten, aber nicht nur diese
sollen so ihre Lebenswelt und Sichtweisen für die Nachwelt darstellen. Die Methode beinhaltet das freie Sprechen des Zeitzeugen und nicht, wie oft fälschlicherweise behauptet, das Gespräch mit ihm.

Die Glaubwürdigkeit des Zeitzeugen

Wie bei Zeugen allgemein, ist die Glaubwürdigkeit des Zeitzeugen von seiner zeitlichen und räumlichen Nähe zum Vorgang abhängig. Es stellt sich die Frage: War der Zeitzeuge unmittelbar am Tatort oder wurden ihm Kenntnisse nur vermittelt? Außerdem ist sein sachliches Verständnis und sein Interesse an einer bestimmten Interpretation des Ereignisses von Wichtigkeit.
Paradoxer Weise heißt es, Aussagen, die dem Interesse des Zeitzeugen widersprechen, sind eher glaubwürdig als solche, die das eigene Interesse legitimieren. So wären negative Aussagen des Zeitzeugen über einen Freund eher glaubwürdig, ebenso wie positive über einen Gegner.

Der Zeitzeuge in der Kritik

Es muss auch auf die Schwierigkeiten der Methode mündlicher autobiographischer Erzählungen von Zeitzeugen für die historische Rekonstruktion hingewiesen werden. Oft beeinflusst das Selbstbild älterer Zeitzeugen die Erinnerung so stark, dass sie objektiv Falsches selbst glauben. Die Historiker Lutz Niethammer und Harald Welzer sind der Meinung, dass sowohl ehemalige KZ-Häftlinge als auch Weltkriegsteilnehmer in dieser Hinsicht sehr kritisch wahrgenommen werden müssen.
Die Zeitzeugenschaft soll jedoch gar keine reine Faktenaufzählung sein, wie sie zum Beispiel in Geschichtsbüchern gewollt ist. Menschen sollen über Ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse berichten.

Es ist wichtig, Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, um ein Stück Erinnerungskultur zu schaffen. Nur so bekommt unsere Geschichte die Möglichkeit, außerhalb der sachlichen Geschichtsbücher, lebendig und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet zu werden.

Zeitzeugenbericht: 17. Juni 1953 (Teil 2/2)

Veröffentlicht von dominikus am 6. September 2011

17. Juni 1953 †“ Ein Ausnahmezustand

Der Ausruf des Ausnahmezustands in Ost-Berlin war nur eine Folge des Aufstands am 17. Juni 1953. Joachim Rudolph erlebte den Aufstand mit und berichtet als Zeitzeuge in "Meine Erinnerungen an den 17. Juni 1953" über Geschehnisse rund um den 17. Juni 1953.
Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, kann das hier nachholen.

"Meine Erinnerungen an den des 17. Juni 1953"

Am späten Vormittag erreichten wir den Marx-Engels-Platz (ehemaliger Schlossplatz) – ein großer Platz, auf dem an besonderen Feiertagen (1, Mai, 7. Oktober als Gründungstag der DDR etc.) die Bevölkerung an einer großen Holztribüne vorbeiziehen musste, auf der sich die Regierungs- und Politbüromitglieder der SED feiern ließen. Der Platz war gefüllt mit Tausenden von Menschen. Großer Jubel brach aus, als sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete, die Arbeiter des Stahlwerks Henningsdorf (DDR) würden über den kürzeren Weg durch West-Berlin bald durch das Brandenburger Tor kommen.

Plötzlich war ein lautes Brummen von Motoren zu hören, das immer stärker wurde. Und dann bog ein sowjetischer Panzer mit blauen Auspuffwolken um die Ecke, dem weitere folgten †“ eine gespenstische Szene. Die Arbeiter versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Meinem Freund und mir gelang es, die Holztribüne zu erreichen. Natürlich hatten wir große Angst und versuchten, schnellstmöglich nach Hause zu kommen.

Der Heimweg führte uns am Polizeipräsidium in der Königsstraße vorbei. Viele aufgebrachte Menschen standen vor dem Präsidium, die ihrem Unmut in Sprechchören Ausdruck gaben. Es war kein Durchkommen möglich. Plötzlich hörten wir laute Knallgeräusche. Waren es Schüsse aus Feuerwaffen? Wir flüchteten mit anderen zusammen in einen Hausflur. Nachdem sich die Situation beruhigt hatte und wir wieder auf die Strasse traten, sahen wir brennende Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium. Wahrscheinlich war die Ursache der Geräusche die explodierenden Autoreifen.
Ausnahmerklärung am 17. Juni 1953
Auf dem Heimweg, es war gegen 14 Uhr, sahen wir dann an allen Litfaßsäulen frisch geklebte Plakate: Der Ausnahmezustand war in Ost-Berlin verhängt worden! Damit war ab sofort verboten, dass sich Gruppen von mehr als 3 Personen auf öffentlichen Strassen zusammenfinden. Weiterhin war jeglicher Fußgänger- und Kraftfahrzeugverkehr von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens auf Straßen und Plätzen verboten. Und weiter hieß es: "Diejenigen, die gegen den Befehl verstoßen, werden nach den Kriegsgesetzen bestraft." Unterzeichnet war dieser Befehl vom "Militärkommandant des Sowjetischen Sektors von Berlin, Generalmajor Dibrowa".

Zu Hause angekommen warteten alle auf den Abend. Was wird passieren? Kurz nach 21 Uhr kamen weitere sowjetische Panzer und viele Mannschaftswagen mit sowjetischen Soldaten und Kriegsgerät in Richtung Innenstadt.

Am folgenden Tag waren alle großen Strassenkreuzungen und Plätze mit Panzern und/oder Mannschaftswagen besetzt. Sowjetische Soldaten saßen auf oder vor ihren Fahrzeugen. Sie hatten dort die Nacht zugebracht und wurden von ihren Kameraden verpflegt. Rauch stieg aus den Schornsteinrohren der Feldküchen. Der öffentliche Verkehr war zum Erliegen gekommen, und die Grenzen nach West-Berlin waren geschlossen. Nach ca. 10 Tagen wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, und die sowjetischen Soldaten wurden abgezogen. Die DDR- Regierung übernahm wieder die Staatsgewalt.

In den DDR-Medien wurde der Volksaufstand des 17. Juni 1953 als "konterrevolutionärer Putschversuch" deklariert. Die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen hätten durch ihr "entschlossenes Eingreifen" die "Absichten des Imperialismus" durchkreuzt. Die Mehrheit der "irregeleiteten" Werktätigen habe sich bald von den Putschisten abgewandt und begann zu erkennen, dass sie gegen ihre eigenen Interessen gehandelt habe.

Im Zusammenhang mit den Ereignissen des 17. Juni wurden in den folgenden Wochen mehrere tausend DDR-Bürger verhaftet und zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt. 22 Todesurteile wurden vollstreckt. Die "öffentliche Ordnung" war wieder hergestellt.
Damit endet "Meine Erinnerungen an den des 17. Juni 1953" von Joachim Rudolph.
An dieser Stelle noch einmal großen Dank an ihn und seinen Bericht über den Aufstand des 17. Juni 1953.

Wer gerne noch mehr Zeitzeugenberichte lesen möchte, der kann andere Geschichten unter dem Reiter Zeitzeugenberichte  finden. Dort werden regelmäßig verschiedene Berichte über die Zeit vor, nach und während der Berliner Mauer veröffentlicht.
Auch wer über seine eigene Geschichte schreibt, kann diese gern an ZeitzeugenBerlin.de senden und vielen anderen die eigenen Erlebnisse näher bringen.

Zeitzeugenbericht: 17. Juni 1953 (Teil 1/2)

Veröffentlicht von dominikus am 6. September 2011

Joachim Rudolphs Erlebnisse am 17. Juni 1953

Der Zeitzeuge Joachim Rudolph berichtet über den Aufstand des 17. Juni 1953. Er war damals erst 14 Jahre alt und beschreibt in "Meine Erinnerungen an den 17. Juni 1953" wie es ihm ergangen ist.
ZeitzeugenBerlin.de hat die Möglichkeit seinen Erlebnisbericht zu veröffentlichen und so die Geschehnisse des 17. Juni 1953 nicht nur mit statischen Informationen, sondern mit lebendiger Geschichte wiederzugeben.
"Meine Erinnerungen an den 17. Juni 1953" ist ein bewegender Bericht, welcher damit beginnt, wie sich der junge Joachim Rudolph den ersten Anhängern des immer größer werden Demonstrationszuges anschließt. Er erlebte den Arbeiteraufstand in der ehemaligen DDR mit und gibt nun allen die Möglichkeit an seinen Erfahrungen teil zu haben.

"Meine Erinnerungen an den des 17. Juni 1953"

Im Dezember 1953 wurde ich in der Grenzmark Posen-Westpreußen (ehemalige deutsche Ostgebiete, heute Polen) geboren. Mein Vater wurde bei unserem Fluchtversuch mit einem Pferdewagen im April 1945 gefangen genommen und verstarb wenige Wochen später in einem sowjetischen Internierungslager. Im Juli 1945 mussten wir endgültig unsere Heimat verlassen (Vertreibung). Zu Fuß, mit einem Handwagen, auf dem meine an beiden Beinen verwundete Großmutter und meine zweijährige Schwester saßen, erreichten wir nach ca. 120 km Fußweg im November 1945 Ost-Berlin. Und hier erlebte ich am 17. Juni 1953 den Volksaufstand in der DDR.

Am Nachmittag des 16. Juni 1953 kam es zu einer spontanen Arbeitsniederlegung der Bauarbeiter in der Stalinallee. Unmittelbarer Anlass war neben der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Unzufriedenheit die Erhöhung der Arbeitsnormen zum 20. Juni 1953, dem sechzigsten Geburtstag von Walter Ulbricht. In Diskussionen wurde von den Arbeitern der Beschluss gefasst, für den 17. Juni 1953 zum Generalstreik in der gesamten DDR aufzurufen.

In den DDR-Medien hieß es am Abend des 16. Juni, westdeutsche "Agenten und Saboteure" wollten Unruhe in der DDR-Bevölkerung provozieren. In den westlichen Medien wurde von einem Volksaufstand berichtet, zu dem die Bauarbeiter für den folgenden Tag in der gesamten DDR aufgerufen hätten. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Bevölkerung der DDR.

Den 17. Juni 1953 erlebte ich als Vierzehnjähriger. Ich hatte mich mit einem Schulfreund verabredet. Gegen 8 Uhr trafen wir uns vor unserer Haustür in der Greifswalder Straße. Wir schlossen uns einem Demonstrationszug an, der sich, aus Weißensee kommend, in Richtung Innenstadt bewegte.

Aus den Fenstern einer Schuhfabrik wurde der Demonstrationszug von vielen Frauen beobachtet. Sie riefen, ihre Betriebsleitung hätte die Eingangstüren und †“tore verschlossen. Demonstranten brachen daraufhin die Türen auf, und viele der Arbeiterinnen schlossen sich dem Demonstrationszug an. Der Zug wurde immer größer, je näher wir der Innenstadt kamen.

An der Ecke Dimitroffstraße kreuzte eine Straßenbahn. Arbeiter aus dem Demonstrationszug entwendeten dem Fahrer die damals noch für das manuelle Umstellen der Weichen erforderliche Stahlstange und forderten das Fahrpersonal und die Fahrgäste auf, sich dem Zug anzuschließen.

Der Demonstrationszug passierte den Rosentaler Platz. Dort befand sich das Parteigebäude der SED. Die gläserne Front der Eingangstüren war durch herabgelassene Stahlgitter versperrt. Hinter den Gardinen der Fenster sah man vereinzelt verängstigte Gesichter auf die Straße blicken. Auf der Straße herrschte eine emotional aufgeladene Stimmung. Ein Mann, der im Krieg ein Bein verloren hatte, machte seiner Wut Luft, stieß mit seinen Krücken durch die Stahlgitter und zerstörte die Glastüren. Andere rüttelten an den Stahlgittern.

Das Ende der Geschichte können Sie gleich im zweiten Teil nachlesen!
Zeitzeugenbericht: 17. Juni 1953 (Teil 2/2)

Ein Zeitzeuge erzählt †“ Rezension zu "Der Sandkasten"

Veröffentlicht von dominikus am 1. September 2011

"Der Sandkasten" – ein etwas anderer ZeitzeugenberichtDer Sandkasten Cover

Inzwischen gibt es recht viele Zeitzeugen, die über ihre Erlebnisse vor, nach und während der Deutschen Teilung berichten. Doch nur wenige haben versucht ihre Erfahrungen auch kindgerecht auf Papier zu bringen.
Genau das tat der Zeitzeuge und Autor Manfred Kriegel in seinem Buch "Der Sandkasten †“ Opa wie war die DDR?".
"Der Sandkasten" ist ein Zeitzeugenbericht anderer Art. Mit der Intention auch seinen Enkeln Wissen über die DDR zu vermitteln hat Manfred Kriegel mit leicht verständlichen Worten und einigen Bildern die DDR-Zeit auch für die jüngere Generation greifbar gemacht.
Der Versuch den Mauerbau und die Geschehnisse nach dem 13. August 1961 nicht in Vergessenheit geraten zu lassen ist dem Zeitzeugen geglückt.

Ein Zeitzeugenbericht als Abenteuergeschichte

"Nun stellt euch einmal vor, ihr spielt in einem großen Sandkasten…" ist nur eine der vielen Geschichten, die das Buch aufgreift.
Da der Zeitzeuge nicht nur für junge Menschen schreibt, sondern schlichtweg seine Erlebnisse aus dem Blickwinkel eines Kindes mit nicht allzu komplizierter Wortwahl beschreibt, ist das Buch für jeden lesenswert.Manfred Kriegel
Umso abenteuerlicher sind die Geschichten, wenn man sich beim Lesen immer wieder daran erinnert, dass es sich keineswegs nur um Erdachtes, sondern um ein echtes Zeitzeugnis handelt.

Für jeden, der auch gern seinen eigenen Enkeln die Zeit der Berliner Mauer näher bringen möchte, oder selbst interessiert daran ist, wie die DDR aus den Augen eines Kindes aussah, dem kann man "Der Sandkasten" als einen besonderen Zeitzeugenbericht nur nahe legen.

Zeitzeugen der Berliner Mauer

Veröffentlicht von dominikus am 28. July 2011

Zeitzeugen dokumentierten die Geschichte der Berliner Mauer

Berliner Mauer - Brandenburger TorZeitzeugen liefern mit Fotographien zur Berliner Mauer wichtige

Zeitzeugnisse der Geschichte und können damit Menschen motivieren,

selbst Zeitzeuge zu anderen Ereignissen zu werden.

 

Ob in persönlichen Zeitzeugen-Gesprächen, mittels Tonband-Aufnahmen

von Zeitzeugen oder , wie hier dargestellt, vermittels Fotographien von

Zeitzeugen zur Berliner Mauer, werden wichtige Zeitzeugnisse geschaffen,

welche die Geschichte anschaulich machen können.

 

Berliner Mauer – Brandenburger Tor = Lehnartz, Klaus (dt. Bundesarchiv, dieses Zeitzeugnis entstand am 14.Oktober 1967)

Berliner Mauer - Grenzsoldat

Fotos von Zeitzeugen oder solche, die Zeitzeugen ablichten sind wichtige Geschichtsquellen. Diese Bilder zur Berliner

Mauer geben davon einen Eindruck.

Berliner Mauer – Grenzsoldat = Hirschberger, Ralph (dt. Bundesarchiv, 17.01.1990)

Fotographierende Zeitzeugen werden immer auch eine eigene Sicht der Dinge

miteinfließen lassen.

Welches Motiv ein Zeitzeuge wählt, welche Perspektive er

einnimmt. Fotos, auch von Zeitzeugen, sind nicht so objektiv, wie man anfangs meinen

könnte.

Berliner Mauer

Neben der Berliner Mauer, selbst ein Zeitzeugnis, sind auch

die Graffitis Zeitzeugnisse auf der Berliner Mauer

Zeitzeugnisse. Sie sind Artefakte der Menschen jener Zeit

und geben Auskunft über die Mentalitäten jener Zeit.

Solange sie bestehen bleiben, sind sie Teil der Berliner

Erinnerungskultur.

Berliner Mauer - Zeitzeugen

Die Urheber/Rechteinhaber der Fotos, welche hier von Zeitzeugenberlin als Zeitzeugnisse präsentiert werden:

Berliner Mauer – Brandenburger Tor = Lehnartz, Klaus

Berliner Mauer – Zeitzeugen = Urheber unbekannt

Berliner Mauer – Grenzsoldat = Hirschberger, Ralph (dt. Bundesarchiv, 17.01.1990)

Berliner Mauer = KarleHorn

Bitte beachten Sie die  Lizenzbedingungen

Zeitzeugen bei Zeitzeugenbörse.de

Veröffentlicht von dominikus am 22. July 2011

Zeitzeugen im persönlichen Gespräch zu erleben ermöglicht die Zeitzeugenbörse

"Die Zeitzeugenbörse e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, den reichhaltigen Erinnerungs- und Erfahrungsschatz älterer Menschen an jüngere Menschen weiterzugeben und so den generationenübergreifenden Dialog zu fördern".

1993 in Berlin gegründet, wurde die Zeitzeugenbörse von 1994-1997 von der Bundesregierung als Modellprojekt für Vorruheständler gefördert. Seit 1998 arbeitet die Zeitzeugenbörse als unabhängiger gemeinnütziger Verein mit rund 50 Mitgliedern.

Projekte der Zeitzeugenbörse sind der monatlich erscheinende Zeitzeugenbrief, in welchem über aktuelle Veranstaltungen informiert wird, Zeitzeugen über ihre Erfahrungen bei ihren Begegnungen berichten und Themen und Ereignisse der Zeitgeschichte diskutiert und für Zeitzeugen interessante Publikationen der Zeitzeugenbörse und anderer Organisationen veröffentlicht werden, wobei auch Theorie und Praxis von Zeitzeugenarbeit behandelt werden. Sammelbände mit autobiografisch fundierten Geschichten von Zeitzeugen werden ebenfalls veröffentlicht.
Desweiteren werden von der Zeitzeugenbörse Bücher, Broschüren und DVD†˜s produziert , wie z.B. die Video-DVD "Mein Mauerfall" (von Gertrud Achinger, 45 min, Schutzgebühr 5 EUR) oder ein Film zum Mauerbau, der am Mittwoch, den 14. September, ab 15 Uhr bei der Landeszentrale für politische Bildung, 10787 Berlin, An der Urania 4-10/Ecke Kurfürstenstraße ausschnittweise vorgestellt wird.

Der nächste "Halbkreis" der Zeitzeugenbörse, ein weiteres Projekt, findet am Mittwoch, den 17. August von 15-17 Uhr statt. Bei der im August sattfindenden Veranstaltung steht das Buch von Ingrid Taegner "Leben mit der Mauer. Erinnerung einer Berlinerin", erschienen im Frieling Verlag 2009, im Vordergrund, die in Ihrem Buch als Zeitzeugin berichtet, sowie das Gespräch um die Vermittlung von Zeitzeugen mit Schülern, Journalisten und "anderen Nachfragenden".
Die Zeitzeugen der Zeitzeugenbörse wollen zu kulturellen und politischen Ereignissen von der Weimarer Republik bis heute, zum Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit, zum geteilten Berlin bis zum Fall der Mauer Rede und Antwort stehen.


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