Geschichte einer DDR Flucht

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 23. November 2011

Peter Keup sprach im Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Herne vor 80 Schülern über sein Leben und seine DDR Flucht. Die Schüler hören gebannt dem Zeitzeugen zu, der Stasi-Gefangener war und dessen DDR Flucht scheiterte.

DDR Flucht1 300x225 Geschichte einer DDR FluchtDie DDR Flucht von Peter Keup

Das Interesse an der Teilnahme des Zeitzeugen-Gesprächs war enorm. Es mussten 80 Schüler ausgelost werden, weil das Interesse so gross war und der Unterrichtsraum zu klein. Peter Keup bereitete seine DDR Flucht vor, indem er sich 80 D-Mark in die Kleidung einnähte, um dann über die Tschechoslowakei und Ungarn nach Österreich zu reisen. Auf Fragen der Schüler, wie vielen Leuten er in seinem DDR Flucht Plan eingeweiht hätte, gab Herr Keup zurück, dass es nur seine Mutter und seine Freundin wussten. Er konnte es sonst niemanden sagen, weil sie alle wegen Mitwisserschaft an einer DDR Flucht dran gewesen wären.

Wie es zur DDR Flucht von Peter Keup kam

Heute ist Peter Keup 53 Jahre alt. Vom Mauerbau hatte er als Kind wenig wahrgenommen, aber er hat viel von seiner Jugend in der DDR in Radebeul bei Dresden zu berichten. Er sprach von seinem Schulalltag und dem Jeans-Verbot. Vor allem schilderte er, wie er das ganze System immer weniger aushalten konnte und von einer DDR Flucht träumte, zu der er sich letztendlich entschloss. Peter Keup war damals Profitänzer in der Nationalmannschaft der DDR. Der Staat ließ ihn nicht dort tanzen, wo er wollte. Als ihm eine Teilnahme an einem Turnier in Österreich untersagt wurde, war für ihn die DDR Flucht eine unumgängliche Sache.

Das Scheitern der DDR Flucht

Peter Keup wurde an der Grenze zur Tschechoslowakei festgenommen. Zwei Tage lang wurde er von der Stasi verhört. Die Vernehmung wurde so unerträglich, dass Keup schließlich die DDR Flucht gestand. Er saß neun Monate in Haft, teilweise auch isoliert. Letztlich kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland für 40 000 Mark frei. Peter Keup wurde 1982 aus dem Gefängnis entlassen und konnte in die BRD nach Essen ausreisen. Das Ende einer DDR Flucht, die eine interessante Geschichte für einen Film hätte sein können.

Foto: flickr, mueritz

Biografie-Wettbewerb mit Zeitzeugen

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 20. November 2011

Nicht nur die Lebensgeschichten von Berühmtheiten sind es wert, dokumentiert zu werden. Auch sogenannte Normalbürger sind Vorreiter oder Vorbilder. Sie sind Zeitzeugen und haben oft abenteuerliche und für die Geschichtsbücher wertvolle Ereignisse erlebt und es ist wichtig, dies festzuhalten.

biografiewettbewerb 300x200 Biografie Wettbewerb mit ZeitzeugenWas für ein Leben“ – Der Biografie-Wettbewerb mit Zeitzeugen

Der bundesweite Biografie-Wettbewerb will Aufmerksamkeit für Zeitzeugen schaffen. Deshalb wird er vom Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin unterstützt. Außerdem wird das Zeitzeugen Projekt von ad.eo filmbiografien, dem MDR und von Generali Zukunftsfonds gefördert. Es werden vor allem engagierte und starke Zeitzeugen-Persönlichkeiten mit bemerkenswerten Biografien gesucht.

Wie können Zeitzeugen am Wettbewerb teilnehmen?

Im Internet kann man unter was-fuer-ein-leben.de die Teilnehmerbedingungen lesen und einen Teilnahmeantrag herunterladen. Auf Anfrage kann man sich auch per Post einen Teilnahmeantrag zuschicken lassen. Es gibt außer der Zeitzeugen Kategorie auch die Themen ‘Persönlichkeit’ und ‘Engagement’. In der Kategorie ‘Zeitzeuge’ soll die Biografie mit Entwicklungen und Ereignissen der Deutschen Geschichte verknüpft sein. Es wir darauf wert gelegt, dass die Biografie differenziert und authentisch erzählt und reflektiert wird. Am Sonntag, den 23. Oktober 2011 wurden im DHM die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs vorgestellt.

Ab sofort können sich Zeitzeugen aus ganz Deutschland bewerben!

Die Teilnehmer müssen ein Teilnahmeformular ausfüllen und eine maximal fünf-seitige Zusammenfassung ihrer Lebensgeschichte beilegen. Als Einsendeschluss ist der 29. Februar 2012 vorgesehen. Aus den Einsendungen wird ein Team aus Historikern und Biografie-Experten Lebensgeschichten auswählen, die dann dokumentarisch verfilmt werden. Die Filme werden dann im Oktober 2012 im Kino des DHM vorgestellt und anschließend an Zeitzeugenarchive weitergeleitet.

Zeitzeugen als Stars in ihrer verfilmten Biografie

Der Biografie-Wettbewerb fand auch in diesem Jahr statt und einige der spannenden Lebenswege, die verfilmt wurden sind die Biografien der Zeitzeugen Claus Fritzsche und Margot Kowaljowa. Ihr Leben war von einer lebenslangen Liebe zu russischen Menschen geprägt. In der DDR brachte ihnen das entgegen der offiziellen Propaganda viele Schikanen ein. Am Sonntag, den 23. Oktober 2011 wurden im DHM die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs vorgestellt.

Foto: flickr, wortmeer

Zeitzeugen befragen

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 16. November 2011

Zeitzeugen sehen ein Ereignis aus ihrem subjektiven Blickwinkel. Viele wichtige Einzelheiten werden vergessen Deshalb sollte man nach einem Interview mit einem Zeitzeugen das Material immer mit dem von anderen Befragten und Informationen aus Büchern und dem Internet vergleichen. Das Befragen von Zeitzeugen ist eine anspruchsvolle Aufgabe und hier sind einige Tipps, wie man am besten dabei vorgeht. Es gibt nichts interessanteres als lebendig erzählte Geschichte von Zeitzeugen. Ein Mensch, der bei einem bestimmten Ereignis dabei war kann viel spannender berichten als das beste Buch es vermag.

zeitzeugen befragen 300x199 Zeitzeugen befragenTipps zur Befragung von Zeitzeugen

Das Gespräch mit einem Zeitzeugen sollte nach Möglichkeit in dessen Wohnung stattfinden, da es Menschen in ihrer vertrauten Umgebung leichter fällt, sich zu äußern. Man sollte im Thema fit sein und sich vorher gut informiert haben. Am Anfang des Treffens mit dem Zeitzeugen steht eine freundliche Begrüßung und die Frage ob es erlaubt sei, ein Foto zu machen und ein Aufnahmegerät mitlaufen zu lassen.

Auswertung des Zeitzeugen Interviews

Zunächst sollte man die Ereignisse sortieren und alles zusammenschreiben, was der Zeitzeuge zu einem bestimmten Punkt gesagt hat. Nun empfiehlt es sich, die Antworten mit Informationen aus Büchern und dem Internet zu vergleichen und auch mit den Antworten anderer Zeitzeugen. Das Ergebnis kann dann zum Beispiel in Form einer PDF Datei mit einem Foto aufbereitet und in Umlauf gebracht werden.

Mögliche Themenbereiche und Fragen für Zeitzeugen

  • Das Ende des Zweiten Weltkriegs: Wie wurde die Vertreibung aus dem Osten erlebt?
  • Die 1950er Jahre in der Schule: Wurde man wirklich von Lehrern geschlagen?
  • Der Bau der Berliner Mauer: Konnten Sie danach noch Kontakt zu Ihren Verwandten in der DDR halten?
  • Die Deutsche Wiedervereinigung: An welchem Ort hielten Sie sich am 9. November 1989 auf?

Dies sind Beispiele zur interessanten Fragen, die man an einem Zeitzeugen stellen kann. Es empfiehlt sich einen detaillierten Fragebogen zu entwerfen.

Foto: flickr, Robert Agthe

DDR-Aufarbeitung mit Zeitzeugen

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 5. November 2011

Die Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen galt als eines der gefürchtetsten Gefängnisse in der DDR. Heute werden in der Gedenkstätte Führungen von Zeitzeugen angeboten. Dieses Zeitzeugen Projekt wird nicht überall wohlwollend aufgenommen.

Gedenkst%C3%A4tte Hohensch%C3%B6nhausen 200x300 DDR Aufarbeitung mit ZeitzeugenReichen die Schilderungen von Zeitzeugen?

Ein wissenschaftlich fundiertes DDR-Bild kann man von den Schilderungen von Zeitzeugen nicht erwarten, meint der Potsdamer DDR-Historiker Jürgen Angelow. Dies ist ein Grundproblem der Oral-History. Der Leiter der Gedenkstätte Hubertus Knabe gibt zu Verstehen, dass die Schilderungen von Zeitzeugen nicht ausreichen. Deshalb gibt es in der Gedenkstätte eine ständige Dokumentation, die wissenschaftliche Basisinformationen liefert. Das Konzept des Einbeziehens von Zeitzeugen in die Gedenkstätte zahlt sich aus, was die jährlich wachsenden Besucherzahlen zeigen.

Zeitzeugen in der Aufarbeitung der DDR Geschichte

Der Stasi-Unterlagen-Beauftragte der Bundesregierung und Zeitzeuge Roland Jahn war in der DDR als Oppositioneller in Hohenschönhausen inhaftiert. Die Haftanstalt wurde in den 90er Jahren in eine Gedenkstätte umgewandelt. Das Besondere ist, dass ehemalige Häftlinge die Besucher durch die Räume führen. Sie erzählen den Besuchern ihre Geschichte der Inhaftierung. Roland Jahn findet das gut. Er hält die Verfolgung in der DDR für noch noch nicht aufgearbeitet. Wichtig ist außerdem, dass die Zeitzeugen, indem sie von Ihren Erlebnissen erzählen, ihre eigene Geschichte aufarbeiten und sie sich von der Seele reden können.

Der Zeitzeuge Jürgen Litfin

Der Zeitzeuge Jürgen Litfin ist der Bruder des ersten Maueropfers Günter Litfin an der deutsch-deutschen Grenze 1961. Er hat ein Buch über die Verfolgung durch die Kommunisten geschrieben und es wird ihm vorgeworfen, eine sehr subjektive und ungenaue Darstellung der Geschehnisse von sich zu geben. Die Geschichte seines Bruders kann man auch im Mauerparkmuseum in einer wissenschaftlich aufgearbeiteten Version nachlesen. Zeitzeugen, die Opfer der Verfolgung durch die Staatssicherheit in der DDR wurden, werden immer älter und immer weniger. Es stellt sich die Frage nach der Wichtigkeit von Zeitzeugen in der Aufarbeitung der DDR-Geschichte.

 
Foto: flickr, LucidLama

Michail Gorbatschow

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 2. November 2011

Michail Gorbatschow1 300x225 Michail GorbatschowMichail Gorbatschow ist ein russischer Politiker. Er leitete durch seine Politik der Persestroika (Umbau) und Glasnost (Offenheit) das Ende des kalten Kriegs ein. Im Jahr 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Die jungen Jahre des Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje in der russischen Region Stawropol geboren. Seine Eltern waren Bauern in einer Kolchose und sein erster Beruf war Mähdrescher-Mechaniker. Im Jahr 1952 trat Michail Gorbatschow im Alter von 21 Jahren in die Kommunistische Partei der Sowjetunion KpdSU ein und war dort Apparatschik im heimatlichen Stawropol. Nachdem er im mit 35 Jahren seinen Abschluss als Agrarbetriebswirt am Landwirtschaftlichen Institut machte, ging es mit seiner politischen Karriere steil bergauf. Im Jahr 1972 wurde Michail Gorbatschow Mitglied des Zentralkomitees und 1974 Repräsentant des Obersten Sowjets. Im Jahr 1980 wurde er Vollmitglied des Politbüros.

Die Auslandsreisen des Michail Gorbatschows

Michail Gorbatschows politische und soziale Ansichten wurden durch seine Reisen ins westliche Ausland stark beeinflusst. Die BRD besuchte er mit einer Delegation zum ersten Mal im Jahr 1975. 1983 traf er sich in Kanada mit Pierre Trudeau, dem damaligen Premierminister und Mitgliedern des kanadischen Parlaments. Margaret Thatcher, die Michail Gorbatschow im Jahr 1984 in Großbritannien traf, erkannte seinen neuen Politikstil und empfahl ihn dem misstrauischen US-Präsidenten Ronald Reagan mit den Worten: „Ich mag Herrn Gorbatschow. Wir können zusammen Geschäfte machen.“

Michail Gorbatschow und die Öffnung zum Westen

1985 wurde Michail Gorbatschow mit 54 Jahren zum zweitjüngsten Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt. Er führte die Konzepte Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) in seiner politische Arbeit ein. Im Jahr 1988 ermöglichte er es den Ländern des Warschauer Pakts, ihre Staatsform selbst bestimmen zu können, indem er sich von der sogenannten Breschnew-Doktrin distanzierte. Dies beendete den Kalten Krieg, führte zu einer weitgehend friedlichen Revolution in Osteuropa und ermöglichte die Deutsche Wiedervereinigung. Michail Gorbatschow erhielt dafür den Friedensnobelpreis.

Michail Gorbatschows letzte Jahre in der Politik

Im Jahr 1990 wurde Michail Gorbatschow zum Sowjetischen Präsidenten gewählt. 1991 trat er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von diesem Amt zurück. Seit dem Tod seiner Frau Raissa lebt Michail Gorbatschow nahe seiner Tochter bei Moskau.

Foto: flickr, igorschwarzmann

Neues Zeitzeugen-Projekt geht online

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 1. November 2011

„Das Gedächtnis der Nation“ ist ein neues Zeitzeugen-Projekt. Darin werden Erzählungen von Zeitzeugen zur wichtigen Momenten der deutschen Geschichte und Alltagserfahrungen aufgezeichnet. Junge und alte Zeitzeugen berichten vor der Kamera über ihre individuellen Erfahrungen und Erinnerungen an historische Ereignisse und Entwicklungen.

Ein Jahrhundert-Projekt, bei dem Zeitzeugen erzählen

Im Jahr 1942 flatterten die Flugblätter der „Weißen Rose“ in den Hof der Münchener Universität. Wie war das? In Zukunft kann man viele solcher Geschichten frei zugänglich im Internet sehen. Das neue Zeitzeugen-Portal widmet sich der Aufgabe Interviews mit Zeitzeugen zu sammeln und zu ordnen. 1800 Archiv-Videos wurden bereits vom ZDF zur Verfügung gestellt. Es kommen prominente und weniger prominente Bürger zu Wort. Das Projekt „Gedächtnis der Nation“ wurde vom ZDF-Journalist Guido Knopp und Stern-Chef Hans-Ulrich Jörges initiiert. Es wird ein mit Videotechnik ausgestatteter Interview-Bus in Berlin beginnend quer durchs Land geschickt. Zeitzeugen werden darin ihre Anekdoten aus der wechselvollen jüngeren Vergangenheit Deutschlands erzählen.

Zeitzeugen Youtube-Kanal für die Jüngeren

Schirmherr des Vereins ist Christian Wulff, der in einer Videobotschaft auf der Website gedaechtnis-der-nation.de zum Ausdruck bringt, dass nichts Geschichte für nachfolgende Generationen so lebendig macht, wie die Erinnerungen von Zeitzeugen. Das Projekt will diese Erinnerungen für alle Zeit konservieren. Zunächst sollen die thematischen Schwerpunkte auf dem Holocaust und der Teilung Deutschlands liegen. Später sollen auch aktuellere Themen wie die Finanzkrise hinzukommen. Im Mittelpunkt des Internetauftritts steht eine interaktive Zeitleiste, die verschiedene Kurzfilme zu den einzelnen Geschehnissen anbietet. Wer aber etwas interessantes zur deutschen Geschichte zu berichten hat, muss nicht auf den Interview-Bus warten. Es gibt einen Youtube-Mitmachkanal auf dem vor allem jüngere Zuschauer Zeitzeugen-Videos hochladen können. Die Filme werden nach einer Prüfung durch die Redaktion auf der Website youtube.com/unseregeschichte online gestellt.

Zeitzeugen-Projekt nach Spielberg Vorbild

Das Projekt ist von der „Shoah Foundation“ des US-Regisseurs Steven Spielberg inspiriert. Spielberg zeichnete die Erinnerungen von Holocaust Zeitzeugen auf. Das Projekt „Das Gedächtnis der Nation“ soll zunächst mit einem Etat von zwei Millionen Euro für vier Jahre laufen.

 

Zeitzeugen des Widerstands

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 25. Oktober 2011

Der Deutsch-Französische Kulturkanal Arte startete am 12. Oktober die Zeitzeugen-Dokumentationsreihe “Schattenkamp”‘. Wie vielseitig die Ausdrucksformen des Widerstands waren zeigt der Autor Bernard George in dieser Reihe, in welcher letzte Zeitzeugen zu Wort kommen.

widerstand 300x225 Zeitzeugen des WiderstandsVon Zeitzeugen erzählte Ausdrucksformen des Widerstands

Ein polnischer Zeitzeuge erinnert sich an seine Mutter, die sich weigert kurz nach der Besetzung durch die Deutschen, öffentlich verteiltes Brot anzunehmen, weil sie entdeckt, dass ein Wochenschaukamera auf sie gerichtet ist, die eine scheinbare Wohltat der Deutschen Besatzer festhalten soll. Widerstand ist hier eine Sensibilität für Symbolik und nicht eine Frage der Waffen. Ein Zeitzeuge berichtete: „Wir hatten keine Waffen.“ Hatten die Menschen überhaupt eine Chance zu schnellem Widerstand?

In Dänemark war das ganz anders, weiß der Zeitzeuge Jorgen Kieler. Die Deutschen marschierten ein und das schwache Militär der Dänen kapitulierte innerhalb von vier Stunden. Für diesen Zeitzeugen ist es unverständlich, dass man die Kapitulation einfach so ohne Widerstand hingenommen hat. Zeitzeugen berichten vom Beginn des Widerstands in Frankreich und Belgien als ein Eindruck öffentlicher Verunsicherung und privater Entschlossenheit. Ein französischer Zeitzeuge empfindet das nach der unter General Petain eingerichtete Vichy Regime als eine Schande. Eine ganz andere Form des Widerstand schildern zwei griechische Zeitzeugen, die nachts die Hakenkreuzfahne auf der Akropolis nieder rissen und statt gefürchteter Schelte von ihrer Mutter dafür umarmt wurden. Widerstand entsteht durch eine spontane und nicht durch eine philosophisch-politische Haltung. Dies ist die durchgängige Botschaft des Films.

Für den Zeitzeugen Wladyslaw Bartoszewski beginnt der Zweite Weltkrieg wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Seine Stimme zittert heute noch, wenn er beschreibt, wie ihn seine Mutter weckte und er bei einem Blick aus dem Fenster Zeuge wird, wie der Warschauer Flughafen samt Umgebung von deutschen Sturzkampfbombern zerstört wird. Diese Szene eröffnete den ersten Teil der Zeitzeugen-Dokureihe ‘Schattenkampf’, die an drei Abenden in Doppelfolgen von je 52 Minuten ausgestrahlt wird. Zu finden ist diese Dokumentation in der Mediathek von arte.

Man darf auf die weiteren Folgen dieser Zeitzeugen-Dokumentation gespannt sein, wenn erörtert wird, wie der Widerstand aus spontanen Anfängen zu einer Macht heranwächst.

Foto: flickr, RAFIK BERLIN

 

Besuch bei Zeitzeuge Dr. Brigitte Marquardt

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 21. Oktober 2011

In der Sendung Heimatjournal vom rrb werden regelmäßig Kieze in Berlin, Landschaften in Brandenburg und deren Bewohner und Zeitzeugen vorgestellt. In nächsten Sendung besuchen die rbb-Journalisten die Frieling-Autorin und Zeitzeugin Brigitte Marquardt.

Zeitzeugen-Spurensuche in der Meisenstraße in Berlin-Dahlem

„Berlin-Dahlem, Meisenstraße, Leute hier und nebenan“ wird die Sendung am 22. Oktober 2011 heißen und diesen Berliner Bezirk in Augenschein nehmen. Es werden in der Sendung besondere Orte und interessante Persönlichkeiten vorgestellt. Die Jounalistin Carla Kniestedt wird mit der Kunsthistorikerin, Zeitzeugin und Autorin Dr. Brigitte Marquardt sprechen. Der Zeitzeugenbericht von Frau Marquardt, welcher im Frieling-Verlag Berlin erschien, heißt „Berlin-Dahlem Meisenstraße“. Er gab der Sendung ihren Namen.

Ein Zeitzeugen-Bericht aus dem vornehmen Bezirk Dahlem

Berlin Dahlem 300x188 Besuch bei Zeitzeuge Dr. Brigitte MarquardtAls Zeitzeuge verbrachte Brigitte Marquardt eine glückliche Kindheit im großbürgerlichen Elternhaus in der Meisenstraße in Dahlem. In der Nazizeit wird diese Idylle abrupt beendet. Wegen ihrer Äußerungen zum versuchten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird ihr ein Hochverratsverfahren gemacht. Nach der entscheidenden Schlacht um Berlin wurde das elterliche Haus erst von russischen und danach von der amerikanischen Militärverwaltung in Beschlag genommen. In dem spannenden Zeitzeugenbericht beschreibt sie das Zusammenleben mit der Familie und amerikanischen Besatzungsoffizieren. Brigitte Maquardt gründete selbst eine Familie. Ihr Mann arbeitete sich zu einer bedeutenden Position in einem deutschen Unternehmen empor. Die Memoiren Brigitte Marquardts sind eine bewegendes Zeitzeugen-Dokument einer starken jungen Berlinerin.

Prof. Ingo von Münch über den interessanten Zeitzeugen-Bericht

Was das Buch zu etwas Besonderem macht, ist – abgesehen von dem originalen Tagebuch vom Frühjahr 1945, das die Besetzung Dahlems durch die Russen schildert – der Bericht von dem Hochverratsverfahren, das sich das junge Mädchen durch unbedachte Äußerungen nach dem Attentat auf Hitler zuzieht. Durch Bestechung gelingt es den Eltern, den zuständigen Gestapo-Beamten zur Niederschlagung des Verfahrens zu veranlassen. Auch die Requirierung des elterlichen Hauses durch die Amerikaner sowie das jahrelange Zusammenleben mit fünf amerikanischen Offizieren sind farbig und interessant dargestellt.“

Zeitzeugen im rrb-Heimatjournal

Die Sendung ‘Berlin-Dahlem, Meisenstraße, Leute hier und nebenan’ wird wird am Samstag, den 22. Oktober 2011 um 19:00 Uhr ausgestrahlt.

 

Bild: flickr, Thomas Lautenschlag

Walter Ulbricht

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 19. Oktober 2011

Zum Leben Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht 220x300 Walter UlbrichtWalter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war von Beruf Tischler und trat schon im Jahr 1908 dem Arbeiterjugendbildungsverein Alt-Leipzig bei. 1912 wurde er Mitglied der SPD. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und diente an der Ost- und Westfront. Nach dem Ende des Krieges kehrte Walter Ulbricht nach Leipzig zurück und nahm 1919 an der Gründung der KPD teil. Für diese Partei saß er in den Jahren 1926 bis 1929 im sächsischen Landtag. Ab 1929 war er politischer Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark. Während des Dritten Reichs führte Walter Ulbricht die Arbeit in der KPD in der Illegalität weiter, weswegen er nach Paris flüchten musste, da er steckbrieflich gesucht wurde. Er unterstützte jedoch nicht den Widerstand. Statt dem ‘englischen Imperialismus’, wie er es nannte, zum Sieg zu verhelfen, verteidigte er den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Nach einer Station in Paris zog Walter Ulbricht 1938 nach Moskau, wo er ab 1941 für das deutschsprachige Programm bei Radio Moskau arbeitete. Bei seiner Betreuung im Kriegsgefangenenlager versuchte er Deutsche Soldaten für den Aufbau eines Deutschen Staates im Sinne der KPD zu gewinnen. In Stalingrad forderte Walter Ulbricht deutsche Soldaten über ein Megaphon zur Kapitulation auf.

Walter Ulbricht und der Aufbau der DDR

Walter Ulbricht kehrte Ende April 1945 ins zerstörte Deutschland zurück. Er war nun Chef der Gruppe ‘Ulbricht’ und organisierte die Gründung der KPD neu. Außerdem organisierte er den
‘Vereinigungsparteitag’ von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone. Im Jahr 1950 wurde Walter Ulbricht zum Generalsekretär des ZK der SED ernannt und wurde in dieser Position 1953 als Erster Sekretär des ZK der SED umbenannt. Walter Ulbricht galt als der Prototyp des Stalinisten. Nach dem Tode Stalins war seine Position jedoch zeitweise stark gefährdet. Nichtsdestotrotz festigte sich seine Position und er wurde im Jahr 1960 nach dem Tode Wilhelm Piecks Präsident der DDR. Dem Historiker Stefan Alisch zufolge besaß Walter Ulbricht die Machtfülle eines Diktators.

Die Entmachtung Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht erhoffte sich von einer Entspannungspolitik mit der BRD wirtschaftliche Vorteile für die DDR. Die Mehrheit der Mitglieder des Politbüros teilte diese Meinung nicht und daher wurde Ulbrichts Position geschwächt. Da er die DDR als ein Vorbild für die Verwirklichung des Sozialismus für andere Ostblockstaaten sah, wurde er von der Sowjetführung stark kritisiert. Bei einem letzten Besuch in Moskau zum 24. Parteitag der KpdSU machte ihm Brechnew klar, dass er mit keiner Unterstützung von Sowjetischer Seite mehr rechnen könne. Er legte einen Rücktritt nahe. Die tat Walter Ulbricht dann auch am 3. Mai 1971 aus ‘gesundheitlichen Gründen’. Sein Nachfolger wurde Erich Honecker. Walter Ulbricht starb 1973 während der 10. Weltfestspiele der Jugend im Gästehaus der Regierung der DDR am Döllnsee.

Bild: Wikimedia Commons

Zeitzeugen als das Gedächtnis der Nation

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 18. Oktober 2011

Zeitzeugen berichten von der Deutschen Teilung

Im August jährte sich der Mauerbau bereits zum 50. Mal. Um die Geschehnisse zwischen den Jahren 1945 und 1989 nicht zu vergessen und die Stimmen der Zeitzeugen nicht verstummen zu lassen, initiierten der ZDF-Historiker Prof. Guido Knopp sowie der Stern-Journalist Hans Ulrich Jörges das Projekt „Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation“. Darin werden Zeitzeugen von ihrem damaligen Alltag in Ost und West berichten. Idee des Projektes ist die Dokumentation von Zeitzeugenberichten in einem Online-Archiv. Die Berichte von Zeitzeugen zu großen historischen Ereignissen sind unverzichtbar. Nur durch eine detaillierte Dokumentation können auch nachfolgende Generationen von den Geschehnissen erfahren. Denn schließlich dürfen die Autobiographien unserer Zeitzeugen nie in Vergessenheit geraten.

Der „Jahrhundertbus“ auf dem Weg zu Zeitzeugen

Auf dem Weg zu ausgewählten Zeitzeugen und deren Autobiographien ist der „Jahrhundertbus“ in den nächsten Wochen entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze unterwegs. Ebenfalls mit an Bord sind zwei Redakteure sowie ein mobiles Fernsehstudio. In jeweils halbstündigen Interviews berichten Zeitzeugen von ihrem Leben auf der jeweils anderen Seite. Die eingefangenen Zeitzeugenberichte werden anschließend für jedermann auf der Online-Plattform des Projektes veröffentlicht. Ziel ist, bald schon mehrere Interview-Busse durch Deutschland fahren zu lassen. Interessierte Zeitzeugen können zudem auch eigene Berichte online einstellen lassen. Im bildungspolitischen Kontext, soll sich das Online-Archiv vor allem seinen Weg in die Schulen und Universitäten ebnen und dabei Schüler und Studenten bei der Nachbereitung Deutscher Geschichte unterstützen.

Zeitzeugen und ihre Unterstützer

Die Mauer als Zeitzeuge 150x150 Zeitzeugen als das Gedächtnis der NationMit insgesamt vier Redakteuren ist das Team zur Auswertung der Zeitzeugeninterviews noch ein recht überschaubares. Noch ungewiss ist dabei, nach welchem Schema und Objektivitätsgrad die Inhalte der Zeitzeugenberichte veröffentlicht werden und wie die Bürger dieses Angebot wahr- bzw. aufnehmen werden. Auch wenn der finanzielle Rahmen des Projektes mit zunächst zwei Millionen Euro eher gering scheint, kann bereits vor dem Startschuss auf eine beachtliche Sponsorenliste verwiesen werden. So stellt der Internetriese Google Deutschland die Technologie der Internetplattform. Zahlreiche weitere Sponsoren unterstützen das Projekt. Schirmherr des Zeitzeugen-Projekts „Gedächtnisses der Nation“ ist kein Geringerer als Bundespräsident Christian Wulff.

Bild: flickr, m.joedicke

NewGrunge |
bottom