einestages Mauerfall

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 20. Juli 2009


Anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Mauerfall" bietet die Zeitzeugenseite vom Spiegel "einestages" eine Rubrik zu Geschichten rund um die Zeit des Mauerfalls.

Übersichtlich in einer Europa-Karte dargestellt kann man sich durch die Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und Europas klicken.

Mit Videos(blaue Markierung) und Zeitzeugenberichten (rote Markierung) liefert die Seite einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse in ganz Europa.

Die orangen Markierungen weisen auf wichtige Ereignisse hin, für die noch Zeitzeugenberichte gesucht werden.

Ein gelungener Beitrag zum Jubiläumsjahr.

Thomas Brussig: Chronist der untergegangenen DDR

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 6. Mai 2009

 

„Die Erinnerung ist wie ein seelisches Organ, das die Vergangenheit verdaut und uns hilft, mit dem, was war, ganz gut leben zu können.“

 

Thomas Brussig

 

Thomas Brussig

(* 19. Dezember 1962)

 

Am 19.12.1965 kommt Thomas Brussig in Ost-Berlin zur Welt. 1971 wird er eingeschult, von 1981 bis 1984 macht er eine Beraufsausbildung zum Baufacharbeiter, die er mit Abitur abschließt. Er absolviert seinen Grundwehrdienst und geht wechselnden Tätigkeiten nach, u.a. als Tellerwäscher, Möbelträger, Fabrikarbeiter, Reiseleiter, Fremdenführer, Museumspförtner und Hotelportier. Nebenbei schreibt er an seinem ersten Roman Wasserfarben, der 1991 veröffentlicht wird. 1990 beginnt Brussig ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin, das er nicht abschließt, weil er 1993 an die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ nach Potsdam-Babelsberg wechselt. 1995 gelingt Thomas Brussig mit seinem Mauerfall-Roman Helden wie wir der Durchbruch als Schriftsteller. 1999 erscheint ein weiterer Bestseller, die Mauerkomödie Am kürzeren Ende der Sonnenallee, die auf dem Drehbuch des Kinoerfolgs Sonnenallee von Leander Haussmann basiert. 2000 macht Thomas Brussig  seinen Abschluss als Diplom-Film- und Fernsehdramaturg. Zwischen 1997 und 2001 arbeitet er mit dem Filmemacher Edgar Reitz an der Fortsetzung der „Heimat“-Saga, die 2004 bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt wird. Thomas Brussig lebt in Berlin-Schöneberg und in Mecklenburg.

 

Zum Werk:

Thomas Brussig beschäftigt sich in seinen Büchern auf kritisch-karikierende Weise vor allem mit den Auswirkungen der DDR und der Wende auf das Leben der Menschen. Er wird oft als „Chronist der untergegangenen DDR“ bezeichnet. Beispielsweise beschreibt er in seinem Wenderoman Wie es leuchtet, wie der Zeitenumbruch ‘89/’90 die unterschiedlichsten Menschen beeinflusst. Ein weiteres wichtiges Thema von Brussig ist Fußball (Leben bis Männer). Seine Bücher sind geprägt von Witz und Komik, die beschriebenen Begebenheiten oft absurd und bizarr, aber immer doch ein Stückchen wahr.
Thomas Brussig wurde u.a. mit dem Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster (1999) und mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

 

Weitere Links zu Thomas Brussig:

Foto: Thomas Brussig von der eigenen Homepage (s. Link)

Christoph Hein: Poetischer Chronist der DDR

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 28. April 2009

 

„Heute liest nur noch, wer es nicht lassen kann“

 

Christoph Hein Demonstration Berlin

 

Christoph Hein

(* 8. April 1944)

 

Christoph Hein kommt am 8. April 1944 als Sohn eines Pfarrers im schlesischen Heinzendorf zur Welt. Nach Kriegsende zieht die Familie nach Bad Düben bei Leipzig. Als Sohn eines Pfarrers wird ihm in der DDR der Zugang zum Gymnasium verwehrt, darum geht er 1958 nach Westberlin, wo er als Internatsschüler ein humanistisches Gymnasium besucht. Nach dem Bau der Mauer 1961 bleibt er in der DDR und arbeitet als Kellner, Journalist, Buchhändler, Montagearbeiter, Schauspieler und Regieassistent.
1964 macht Christoph Hein sein Abitur an einer Abendschule. Daraufhin beginnt er, an der Universität Leipzig Philosophie und Logik zu studieren und schließt das Studium 1971 an der Humboldt Universität in Berlin ab.
Christoph Hein wird unter der Leitung von Benno Besson Dramaturg an der
Volksbühne Berlin. 1974 wird er dort als Hausautor fest angestellt.

Arbeit als freier Schriftsteller

1979 verlässt Christoph Hein die Volksbühne, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. Er schreibt zunächst Theaterstücke und fertigt Features für den Rundfunk und Übersetzungen an.
Der Durchbruch gelingt Hein 1982 mit der Novelle Der Fremde Freund, sowohl in Ost-, als auch in Westdeutschland, wo das Werk unter dem Titel Drachenblut erscheint.
Christoph Hein ist ein kritischer Autor, der Position zum Staatssystem bezieht und sich mit den Problemen und Schwierigkeiten seines Landes auseinandersetzt. Bereits 1987 fordert er die Aufhebung der
Zensur in der DDR. In der Wendezeit engagiert sich Christoph Hein und äußert sich kritisch in der Öffentlichkeit, beispielsweise bei der Alexanderplatz-Demo am 4.November 1989.

Nach der Wende

Im gleichen Jahr erhält er eine Dozentur für den Poetik-Lehrstuhl an der Essener Folkwang-Schule.  1992 wird er Mitherausgeber der Wochenzeitung Freitag. Die Ost-West Wochenzeitung sowie Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1998 wird er zum Präsidenten des nun vereinigten P.E.N. gewählt, dieses Amt hat er bis 2000 inne.
2002 stirbt seine Frau, die Filmregisseurin  Christiane, mit der Hein zwei Söhne hat, von denen der jüngere,
Jakob, ebenfalls Schriftsteller ist. Den Verlust seiner Frau verarbeitet Christoph Hein in dem 2003 veröffentlichten Kinderbuch Mama ist gegangen.
2004 wird er designierter Intendant am Deutschen Theater in Berlin, tritt aber vor Amtsbeginn aufgrund von „vergiftetem feindseligen Klima, massiven Vorverurteilungen und der angespannten Haushaltslage Berlins“ zurück.
Heins aktuelles Werk, Frau Paula Trousseau, erscheint 2007.
Er lebt in Berlin.

 

Zum Werk:

Christoph Hein gilt als poetischer Chronist der DDR und früher Seismograph ihres Untergangs. Sein Durchbruch gelang ihm 1982 mit der Novelle Der fremde Freund.
Darin berichtet eine Ostberliner Ärztin schonungslos von Kälte und Entfremdung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Direkte Kritik am politischen System formulierte Hein in dem Roman
Horns Ende von 1985, der vom Stalinismus der frühen DDR handelt, und in Der Tangospieler, der den Stasi-Alptraum der späten DDR thematisiert.
Christoph Hein, der sich selbst als „Chronist ohne Botschaft“ bezeichnet, produziert in seinen Werken Gesellschaftsanalysen von großer Dichte. In eher sprödem Ton und mittels prägnanter Dialoge und virtuos eingesetzter Rollenprosa werden exemplarische Biographien erzählt. Die Figuren changieren dabei zwischen Alltagswirklichkeit und Determiniertheit durch die konkreten historischen Umstände. Christoph Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Literaturpreis Hamburg 1985, dem Erich Fried-Preis 1990, oder dem Schiller-Gedächtnis-Preis 2004. Er gehört zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. Seine Werke wurden in 35 Sprachen übersetzt.

 

Weitere Links zu Christoph Hein:

 

Foto: Christoph Heins Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)

Die weibliche Stimme der DDR: Christa Wolf

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 16. April 2009

 

„Was für eine vorzügliche Einrichtung, dass die Gedanken, nicht als sichtbare Schrift, über unsere Stirne laufen.“

 

Zur Eröffnung des Blogs möchte ich eine berühmte Berliner Zeitzeugin vorstellen. Und aus gegebenem Anlass (20 Jahre Mauerfall) fällt die Wahl nicht schwer und deshalb auf eine der wichtigsten Autorinnen deutscher Literatur:

 

Christa Wolf
(*18. 03. 1929)

 

Christa Wolf am Alex

Sie wird am 18. März 1929 als Tochter des Kaufmanns Otto Ihlenfeld und seiner Frau Herta in Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski, Polen) geboren. Sie hat einen drei Jahre jüngeren Bruder.
In Landsberg an der Warthe besucht sie bis kurz vor Kriegsende die Schule. Nach der Vertreibung durch die anrückende Rote Armee findet die Familie 1945 vorerst in Gammelin (Mecklenburg) eine neue Heimat. 1947 ziehen die Wolfs nach Bad Frankenhausen (Thüringen), wo Christa zwei Jahre später die Oberschule mit dem Abitur beendet. Im selben Jahr wird sie Mitglied in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), in der sie bis Juli 1989 Mitglied bleibt. Von 1949 bis 1953 studiert sie in Leipzig und Jena Germanistik. Ihre Diplomarbeit schreibt sie über Hans Fallada.
Im Jahr 1951 heiratet sie den Schriftsteller Gerhard Wolf. Ein Jahr später wird ihre erste Tochter (Annette) geboren, vier Jahre später ihre zweite Tochter Katrin (‘Katinka‘).

Die ersten Veröffentlichungen

Nach dem Studium zieht sie nach Berlin und arbeitet von 1953 bis 1959 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband. Außerdem arbeitet sie als Lektorin für verschiedene Verlage (vor allem Cheflektorin beim Verlag Neues Leben) und als Redakteurin der Zeitschrift Neue Deutsche Literatur.
1959 zieht sie für drei Jahre mit ihrem Mann nach Halle/Saale, wo sie als  freie Mitarbeiterin des Mitteldeutschen Verlages tätig ist. 1961 folgt die Veröffentlichung ihres ersten Prosawerks Moskauer Novellen, das in der DDR große Beachtung findet, in der BRD jedoch nicht verlegt wird.
1962 zieht die Familie nach Kleinmachnow bei Potsdam und sie arbeitet fortan als freie Schriftstellerin. Ihren ersten großen Erfolg feiert sie mit dem Roman Der geteilte Himmel, für den sie 1963 mit dem Heinrich-Mann-Preis geehrt wird. Im Folgejahr wird das Buch verfilmt.
Ab 1963 ist sie vier Jahre lang Kandidatin des Zentralkomitees der SED. Ihr Folgeroman Nachdenken über Christa T. etabliert ihre Stellung als bedeutende Autorin, auch wenn die Partei das Fehlen eines regierungskonformen Endes kritisiert. Im Jahr 1974 wird die Schriftstellerin in die Akademie der Künste der DDR aufgenommen und ab 1981 ebenfalls in die Akademie in West-Berlin.

Leben und Schreiben in Berlin

1976 zieht sie zurück nach Berlin. Im selben Jahr ist sie Mit-Initiatorin des Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, was zum Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR führt. Trotz allem genießt sie Reisefreiheit und kann von 1978 an Gastvorträge in der Bundesrepublik, Italien, Schottland, der Schweiz und den USA halten.
1983 veröffentlicht sie die Erzählung Kassandra, ihr größter internationaler Erfolg, der sie zur gesamtdeutschen Autorin macht.

Der Mauerfall und Rückzug aus der Politik

Fünf Monate vor dem Mauerfall tritt sie im Juni 1989 aus der SED aus und hält am 4. November ihre berühmte Rede „Sprache der Wende“ auf dem Berliner Alexanderplatz.
Sie und andere Intellektuelle wie Volker Braun und Stefan Heym argumentierten gegen eine Vereinnahmung der DDR durch die Bundesrepublik und für das Weiterbestehen einer unabhängigen Republik.
Nach der Wende greift man Wolf von westdeutscher Seite her als „Staatsdichterin“ und „Heuchlerin“ an.
Sie zieht sich aus der politischen Öffentlichkeit zurück und bekennt sich 1993 zu ihrer Tätigkeit als informelle Mitarbeiterin der Staatssicherheit von 1959 bis 1962. Sie schrieb insgesamt 3 Berichte, welche die behandelten Personen jedoch nur positiv darstellten.
Die vielen öffentlichen Diskussionen und die Anschuldigungen setzten ihr vor allem gesundheitlich zu. Sie versucht den Medien mit Aufenthalten in den USA zu entkommen und verarbeitet diese Zeit in ihrem Roman Leibhaftig.
2002 erhält Christa Wolf den Deutschen Bücherpreis für ihr Lebenswerk.
Heute lebt sie mit ihrem Mann in Berlin-Pankow und im Sommer in ihrem Landhaus in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Zum Werk:

Christa Wolf ist eine der wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart.
Schon früh entwickelt sie ihren eigenen Ausdrucksstil, der sich vom Sozialistischen Realismus abgrenzt. Ihre subjektive Erzählweise spiegelt auch immer die Auseinandersetzung mit sich selbst wider. In fast allen Werken dreht es sich um Frauen, die sich gegen die männlich dominierte Gesellschaft auflehnen und sie durchbrechen.
Zu den Hauptthemen ihres vielschichtigen Werks gehören Emanzipation, Moral, Identität und Gesellschaftskritik.
Für ihre Veröffentlichungen wird sie mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht (u.a. Georg-Büchner-Preis, 1980; Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur, 1985; Deutscher Bücherpreis, 2002).

Günter Grass sagt über sie:
„Sie ist eine von den vielen Autoren, die dazu beigetragen haben, dass bei allem, was geteilt wurde -wirtschaftlich, politisch, ideologisch- die Teilung im Bereich Kultur nicht so absolut vollzogen werden konnte.“

 

Weitere Links zu Christa Wolf:

 

 

Foto: Christa Wolfs Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)


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