Der Mauerfall

Veröffentlicht von dominikus am 26. November 2011

Am 9. November jährte sich zum 22. mal der Mauerfall. Die Berliner Mauer wurde im Jahr 1961 errichtet und diente als Grenzbefestigungssystem, das alle drei Westsektoren Berlins umschloss und diese von Ostberlin und der gesamten DDR abriegelte.

MauerfallDer Mauerfall im Jahre 1989

In der Nacht vom Donnerstag den 9. November bis Freitag, den 10. November 1989 fand der Mauerfall statt. Bereits im Oktober fanden die Vorbereitungen zu einer Art kontrolliertem Mauerfall von Seiten der DDR Regierung statt. Es gab am 29. Oktober ein Gespräch zwischen dem damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Walter Momper, Ost-Berlins SED-Chef Günter Schabowski und dem Oberbürgermeister von Ost-Berlin, Erhard Krack. Es wurden Vorbereitungen für einen Mauerfall im Dezember 1989 getroffen. Massenkundgebungen in der Wendezeit und die Forderung nach Reisefreiheit in der DDR führten zum Mauerfall. Ein weiterer Grund war die anhaltende Republikflucht großer Bevölkerungsteile der DDR über das Ausland in die BRD. Dies geschah teils über die Botschaften verschiedener osteuropäischer Hauptstädte, wie Prag und Warschau und teilweise über Ungarn, das seit dem 11. September 1989 seine Grenzen zu Österreich geöffnet hatte.

Vor dem Mauerfall

Die Berliner Mauer ergänzte im Jahr 1961 die 1378 Kilometer lange innerdeutsche Grenze zwischen der DDR und BRD. Die innerdeutsche Grenze wurde bereits mehr als neun Jahre vorher befestigt, um den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Sie wurde als “antifaschistischer Schutzwalle” bezeichnet. Dieser Begriff wurde von Horst Sindermann geprägt. Bis zum Mauerfall sollte sie die Flucht aus der DDR, die als ungesetzlicher Grenzübertritt unter Strafe stand, verhindern. Die Berliner Mauer stellte außerdem ein Symbol des Kalten Kriegs zwischen den Westmächten unter der Leitung der USA und dem Ostblock unter der Leitung der Sowjetunion dar. Sie trennte vom 13. August 1961 bis zum Mauerfall 1989 das Stadtgebiet Groß-Berlin in die zwei Hälften West-Berlin und Ost-Berlin. Vor dem Mauerfall war Ost-Berlin die Hauptstadt der DDR.

Nach dem Mauerfall durften West-Berliner und Bundesbürger am 24.Dezember 1989 ab 0:00 Uhr zum ersten mal ohne Visa in die DDR reisen.

Foto: flickr, zumpe

Michail Gorbatschow

Veröffentlicht von dominikus am 2. November 2011

Michail GorbatschowMichail Gorbatschow ist ein russischer Politiker. Er leitete durch seine Politik der Persestroika (Umbau) und Glasnost (Offenheit) das Ende des kalten Kriegs ein. Im Jahr 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Die jungen Jahre des Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje in der russischen Region Stawropol geboren. Seine Eltern waren Bauern in einer Kolchose und sein erster Beruf war Mähdrescher-Mechaniker. Im Jahr 1952 trat Michail Gorbatschow im Alter von 21 Jahren in die Kommunistische Partei der Sowjetunion KpdSU ein und war dort Apparatschik im heimatlichen Stawropol. Nachdem er im mit 35 Jahren seinen Abschluss als Agrarbetriebswirt am Landwirtschaftlichen Institut machte, ging es mit seiner politischen Karriere steil bergauf. Im Jahr 1972 wurde Michail Gorbatschow Mitglied des Zentralkomitees und 1974 Repräsentant des Obersten Sowjets. Im Jahr 1980 wurde er Vollmitglied des Politbüros.

Die Auslandsreisen des Michail Gorbatschows

Michail Gorbatschows politische und soziale Ansichten wurden durch seine Reisen ins westliche Ausland stark beeinflusst. Die BRD besuchte er mit einer Delegation zum ersten Mal im Jahr 1975. 1983 traf er sich in Kanada mit Pierre Trudeau, dem damaligen Premierminister und Mitgliedern des kanadischen Parlaments. Margaret Thatcher, die Michail Gorbatschow im Jahr 1984 in Großbritannien traf, erkannte seinen neuen Politikstil und empfahl ihn dem misstrauischen US-Präsidenten Ronald Reagan mit den Worten: "Ich mag Herrn Gorbatschow. Wir können zusammen Geschäfte machen."

Michail Gorbatschow und die Öffnung zum Westen

1985 wurde Michail Gorbatschow mit 54 Jahren zum zweitjüngsten Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt. Er führte die Konzepte Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) in seiner politische Arbeit ein. Im Jahr 1988 ermöglichte er es den Ländern des Warschauer Pakts, ihre Staatsform selbst bestimmen zu können, indem er sich von der sogenannten Breschnew-Doktrin distanzierte. Dies beendete den Kalten Krieg, führte zu einer weitgehend friedlichen Revolution in Osteuropa und ermöglichte die Deutsche Wiedervereinigung. Michail Gorbatschow erhielt dafür den Friedensnobelpreis.

Michail Gorbatschows letzte Jahre in der Politik

Im Jahr 1990 wurde Michail Gorbatschow zum Sowjetischen Präsidenten gewählt. 1991 trat er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von diesem Amt zurück. Seit dem Tod seiner Frau Raissa lebt Michail Gorbatschow nahe seiner Tochter bei Moskau.

Foto: flickr, igorschwarzmann

Aufnahmen der Berliner Mauer

Veröffentlicht von dominikus am 24. August 2011

Die Berliner Mauer aus DDR-Sicht

Nach der Errichtung der Berliner Mauer machten DDR-Soldaten Bilder um ihren Bau und Verlauf festzuhalten und damit fotografische Zeitzeugnisse zu schaffen. Einziges Motiv dieser Fotos war die Berliner Mauer und die auseinandergerissene Stadt: Beton, zugemauerte Häuser, aufgeschichtete Steine und Stacheldraht.
Trotzdem war es die Aufgabe der Grenztruppen, den Zustand, in dem sich die Berliner Mauer Mitte der 1960er befand, aufzunehmen und für das Regime zu dokumentieren. Und so entstanden die faszinierenden Bilder, welche die gesamten 43,7 km des Mauerverlaufs auf Ost-Berliner Seite festhielten.

Wiederentdeckte Berliner MauerDie Berliner Mauer

Es entstanden ungefähr 1200 Einzelnegative, auf denen jeder Meter der Berliner Mauer zu sehen ist. Doch als wäre das nicht genug, handelt es sich dabei nicht nur um normale Fotoaufnahmen, sondern um Panoramen, die weite Landstriche einfangen. Noch nie gab es solche Mengen an Aufnahmen der Berliner Mauer von der Ost-Seite her.
Im Laufe der Jahre sind diese jedoch in Vergessenheit geraten. Nun, wo die Mauer schon in den Geschichtsbüchern steht, haben der Fotograph Arwed Messmer und die Autorin Annett Grönschner die vielen Aufnahmen und Zeitzeugnisse wiedergefunden, als sie auf Anfang der 90ger auf Recherche waren. In einem Pappkarton des militärischen Zwischenarchivs Potsdam waren die Berliner Mauer Bilder, welche bis zur Wende unter Geheimhaltung standen, nachlässig beiseite gestellt worden.

Berliner Mauer Ausstellung

Der unglaubliche Fund des Fotographen und der Autorin werden nun in Berlin in der Ausstellung ”Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer” (zur Ausstellung: www.aus-anderer-sicht.de/) gezeigt. Noch bis zum 3. Oktober diesen Jahres können die eindrucksvollen Bilder betrachtet werden. Zusätzlich zur Ausstellung ist auch ein Buch entstanden.
Einige Panoramen der Berliner Mauer sind auch schon auf der Internetpräsenz der Ausstellung zu entdecken:
Bilder der Mauer auf http://www.aus-anderer-sicht.de/panoramen.html

Auch jetzt, 50 Jahre nach dem Mauerbau, tauchen noch immer neue, interessante Objekte aus den Zeiten der Berliner Mauer auf und präsentieren die Werke von Zeitzeugen, die anderes im Sinn hatten.

Bild: flickr, mr172

Zeitzeugen blicken zurück

Veröffentlicht von dominikus am 19. August 2011

Deutschlands Zeitzeugen

Viele Zeitzeugen haben anläßlich des 50. Jahrestages des Baus der Berliner Mauer in die damalige Zeit zurückgeblickt. Nicht nur in Berlin gab es Veranstaltungen, auf denen Zeitzeugen von ihren Erlebnissen im geteilten Deutschland berichtet haben. Überall in Deutschland wollten Zeitzeugen ihre Erfahrungen teilen.

Zeitzeugen im Haus auf der Grenze

Auch in Thüringen haben Zeitzeugen über ihr Leben berichtet. Direkt am Point Alpha, dem ehemaligen Standort der US-Armee, steht das "Haus auf der Grenze". Heute ist dort, inmitten der gut erhaltenen Grenzanlage, ein Museum, welches an die deutsch-deutsche Grenze erinnert. Und an diesem Ort haben sich Zeitzeugen zusammengefunden.

Zeitzeugen, die Haftstrafen riskierten

Die Direktorin der Point Alpha Stiftung, Uta Thofern, eröffnete die Gesprächsrunde der Zeitzeugen mit dem vielsagendem Satz "Wer Mauern baut, hat es nötig."
Danach folgte ein bewegender Rückblick der Zeitzeugen Rosie Skibka, Erhard Göhl, Michael Klug, Steffanie Barthel und Jutta Fleck auf ihre Flucht aus der ehemaligen DDR. Unter anderem berichtete Jutta Fleck von ihrer Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Republikflucht und Rosie Skibka erzählte davon, wie sie allein durch ihren Fluchtgedanken in eine neun monatige Untersuchungshaft geriet.

Egal wo Veranstaltungen zum Jahrestag der Mauer stattgefunden haben und egal ob von Mensch aus dem früheren Ost- oder Westteil berichtet wurde, überall in Deutschland erzählten unzählige Zeitzeugen von ihrer ganz persönlichen Geschichte.

Lange Nacht der Museen

Veröffentlicht von dominikus am 31. July 2009

 

Quelle:Bundesarchiv

Quelle: Bundesarchiv

Das Thema "20 Jahre Mauerfall" beherrscht die ehemalige "Stadt mit der Mauer" natürlich auf jeder Traditionsveranstaltung über das ganze Jahr. So auch die 25. "Lange Nacht der Museen".

Anlässlich des Mauerfall-Jubiläums wurden ehemals getrennte Sammlungen wieder zusammengeführt, Museumsstiftungen wurden neu gegründet und neue Museumsbauten errichtet. Die Kunst, die Jahrzehnte voneinander getrennt verbracht hatte, steht nun erstmals wieder gemeinsam in den Museumsräumen.

Museumslandschaft im Wandel

Zur 25. Langen Nacht der Museen zeigen rund 100 Häuser, was sich 20 Jahre nach dem Fall der Mauer verändert hat: Sammlungen wurden wieder zusammengeführt, neue Museumsbauten errichtet und etliche kleinere und größere Museen, ja ganze Museumsstiftungen neu gegründet. Das reichhaltige Programm spürt diesen Entwicklungen in den Museen besonders nach. Führungen, Performances sowie musikalisch-literarische Darbietungen ergänzen dabei die Dauerausstellungen. Sieben Museen und Ausstellungen sind erstmals dabei: das Deutsche Fußballmuseum Berlin, das Haus der Demokratie und Menschenrechte, die Temporäre Kunsthalle Berlin, die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße, das Haus der Demokratie und Menschenrechte, die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) sowie die Ausstellungen „Totgeschwiegen“ im Klinikum Krankenhaus Wittenau sowie die Open-Air-Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“ auf dem Alexanderplatz.  

 

Eröffnet wird die Lange Nacht der Museen am Sonnabend, dem 29. August um 18.00 Uhr auf den Stufen des Alten Museums am Lustgarten – hier ist auch der zentrale Umsteigeplatz für die Shuttle-Busse, hier können Spätentschlossene Tickets kaufen. Auf der zum Jubiläum neu gestalteten Webseite www.lange-nacht-der-museen.de finden sich das komplette Programm und alle Routen der Shuttle-Busse.

 

Quelle: Pressemitteilung "Kulturprojekte Berlin"

Im Vorverkauf kostet das Ticket, inklusive Shuttle-Service, nur 12 € (ermäßigt 10 €) und die Spontanbesucher zahlen am Veranstaltungstag 15 € (ermäßigt 12 €).

Für so wenig Geld so viel Kultur, das sollte man sich nicht entgehen lassen!

einestages Mauerfall

Veröffentlicht von dominikus am 20. July 2009


Anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Mauerfall" bietet die Zeitzeugenseite vom Spiegel "einestages" eine Rubrik zu Geschichten rund um die Zeit des Mauerfalls.

Übersichtlich in einer Europa-Karte dargestellt kann man sich durch die Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und Europas klicken.

Mit Videos(blaue Markierung) und Zeitzeugenberichten (rote Markierung) liefert die Seite einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse in ganz Europa.

Die orangen Markierungen weisen auf wichtige Ereignisse hin, für die noch Zeitzeugenberichte gesucht werden.

Ein gelungener Beitrag zum Jubiläumsjahr.

Die Nacht, in der die Mauer fiel

Veröffentlicht von dominikus am 10. July 2009

 

In der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag fiel der sogenannte antifaschistische Schutzwall. 28 Jahre lang trennte dieser Betonklotz Berlin in Ost und West und wurde schließlich in jener Nacht eingerissen.

Diese unbeschreibliche Nacht versucht Renatus Decker mit seiner Anthologie zu beschreiben. Genauer gesagt versuchen dies 25 Autoren aus Ost und West. Für dieses Buch schrieben sie ihre persönlichen Erlebnisse und Eindrücke dieser Nacht auf und schufen ein beeindruckendes Zeitzeugnis. Zu den Autoren gehören beispielsweise Durs Grünbein, Volker Braun, Katja Lange-Müller, Michael Lentz und Uwe Tellkamp.

Am. 14. Juli sprechen drei Autoren im Plenarsaal am Pariser Platz über ihre Erlebnisse.

Thomas Rosenlöcher, der in Dresden auf die Straße ging und die Vorgänge in einem Tagebuch protokollierte, Katja Lange-Müller, die 1984 aus der DDR ausgereist war und von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt wurde, und Marcel Beyer, der bis zur Wende nie in der DDR gewesen war und 1996 von Köln nach Dresden zog.

aus: Veranstaltungskalender der AdK

 

Thomas Brussig: Chronist der untergegangenen DDR

Veröffentlicht von dominikus am 6. May 2009

 

„Die Erinnerung ist wie ein seelisches Organ, das die Vergangenheit verdaut und uns hilft, mit dem, was war, ganz gut leben zu können.“

 

Thomas Brussig

 

Thomas Brussig

(* 19. Dezember 1962)

 

Am 19.12.1965 kommt Thomas Brussig in Ost-Berlin zur Welt. 1971 wird er eingeschult, von 1981 bis 1984 macht er eine Beraufsausbildung zum Baufacharbeiter, die er mit Abitur abschließt. Er absolviert seinen Grundwehrdienst und geht wechselnden Tätigkeiten nach, u.a. als Tellerwäscher, Möbelträger, Fabrikarbeiter, Reiseleiter, Fremdenführer, Museumspförtner und Hotelportier. Nebenbei schreibt er an seinem ersten Roman Wasserfarben, der 1991 veröffentlicht wird. 1990 beginnt Brussig ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin, das er nicht abschließt, weil er 1993 an die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ nach Potsdam-Babelsberg wechselt. 1995 gelingt Thomas Brussig mit seinem Mauerfall-Roman Helden wie wir der Durchbruch als Schriftsteller. 1999 erscheint ein weiterer Bestseller, die Mauerkomödie Am kürzeren Ende der Sonnenallee, die auf dem Drehbuch des Kinoerfolgs Sonnenallee von Leander Haussmann basiert. 2000 macht Thomas Brussig  seinen Abschluss als Diplom-Film- und Fernsehdramaturg. Zwischen 1997 und 2001 arbeitet er mit dem Filmemacher Edgar Reitz an der Fortsetzung der „Heimat“-Saga, die 2004 bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt wird. Thomas Brussig lebt in Berlin-Schöneberg und in Mecklenburg.

 

Zum Werk:

Thomas Brussig beschäftigt sich in seinen Büchern auf kritisch-karikierende Weise vor allem mit den Auswirkungen der DDR und der Wende auf das Leben der Menschen. Er wird oft als „Chronist der untergegangenen DDR“ bezeichnet. Beispielsweise beschreibt er in seinem Wenderoman Wie es leuchtet, wie der Zeitenumbruch ’89/’90 die unterschiedlichsten Menschen beeinflusst. Ein weiteres wichtiges Thema von Brussig ist Fußball (Leben bis Männer). Seine Bücher sind geprägt von Witz und Komik, die beschriebenen Begebenheiten oft absurd und bizarr, aber immer doch ein Stückchen wahr.
Thomas Brussig wurde u.a. mit dem Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster (1999) und mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

 

Weitere Links zu Thomas Brussig:

Foto: Thomas Brussig von der eigenen Homepage (s. Link)

Christoph Hein: Poetischer Chronist der DDR

Veröffentlicht von dominikus am 28. April 2009

 

„Heute liest nur noch, wer es nicht lassen kann“

 

Christoph Hein Demonstration Berlin

 

Christoph Hein

(* 8. April 1944)

 

Christoph Hein kommt am 8. April 1944 als Sohn eines Pfarrers im schlesischen Heinzendorf zur Welt. Nach Kriegsende zieht die Familie nach Bad Düben bei Leipzig. Als Sohn eines Pfarrers wird ihm in der DDR der Zugang zum Gymnasium verwehrt, darum geht er 1958 nach Westberlin, wo er als Internatsschüler ein humanistisches Gymnasium besucht. Nach dem Bau der Mauer 1961 bleibt er in der DDR und arbeitet als Kellner, Journalist, Buchhändler, Montagearbeiter, Schauspieler und Regieassistent.
1964 macht Christoph Hein sein Abitur an einer Abendschule. Daraufhin beginnt er, an der Universität Leipzig Philosophie und Logik zu studieren und schließt das Studium 1971 an der Humboldt Universität in Berlin ab.
Christoph Hein wird unter der Leitung von Benno Besson Dramaturg an der
Volksbühne Berlin. 1974 wird er dort als Hausautor fest angestellt.

Arbeit als freier Schriftsteller

1979 verlässt Christoph Hein die Volksbühne, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. Er schreibt zunächst Theaterstücke und fertigt Features für den Rundfunk und Übersetzungen an.
Der Durchbruch gelingt Hein 1982 mit der Novelle Der Fremde Freund, sowohl in Ost-, als auch in Westdeutschland, wo das Werk unter dem Titel Drachenblut erscheint.
Christoph Hein ist ein kritischer Autor, der Position zum Staatssystem bezieht und sich mit den Problemen und Schwierigkeiten seines Landes auseinandersetzt. Bereits 1987 fordert er die Aufhebung der
Zensur in der DDR. In der Wendezeit engagiert sich Christoph Hein und äußert sich kritisch in der Öffentlichkeit, beispielsweise bei der Alexanderplatz-Demo am 4.November 1989.

Nach der Wende

Im gleichen Jahr erhält er eine Dozentur für den Poetik-Lehrstuhl an der Essener Folkwang-Schule.  1992 wird er Mitherausgeber der Wochenzeitung Freitag. Die Ost-West Wochenzeitung sowie Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1998 wird er zum Präsidenten des nun vereinigten P.E.N. gewählt, dieses Amt hat er bis 2000 inne.
2002 stirbt seine Frau, die Filmregisseurin  Christiane, mit der Hein zwei Söhne hat, von denen der jüngere,
Jakob, ebenfalls Schriftsteller ist. Den Verlust seiner Frau verarbeitet Christoph Hein in dem 2003 veröffentlichten Kinderbuch Mama ist gegangen.
2004 wird er designierter Intendant am Deutschen Theater in Berlin, tritt aber vor Amtsbeginn aufgrund von „vergiftetem feindseligen Klima, massiven Vorverurteilungen und der angespannten Haushaltslage Berlins“ zurück.
Heins aktuelles Werk, Frau Paula Trousseau, erscheint 2007.
Er lebt in Berlin.

 

Zum Werk:

Christoph Hein gilt als poetischer Chronist der DDR und früher Seismograph ihres Untergangs. Sein Durchbruch gelang ihm 1982 mit der Novelle Der fremde Freund.
Darin berichtet eine Ostberliner Ärztin schonungslos von Kälte und Entfremdung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Direkte Kritik am politischen System formulierte Hein in dem Roman
Horns Ende von 1985, der vom Stalinismus der frühen DDR handelt, und in Der Tangospieler, der den Stasi-Alptraum der späten DDR thematisiert.
Christoph Hein, der sich selbst als „Chronist ohne Botschaft“ bezeichnet, produziert in seinen Werken Gesellschaftsanalysen von großer Dichte. In eher sprödem Ton und mittels prägnanter Dialoge und virtuos eingesetzter Rollenprosa werden exemplarische Biographien erzählt. Die Figuren changieren dabei zwischen Alltagswirklichkeit und Determiniertheit durch die konkreten historischen Umstände. Christoph Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Literaturpreis Hamburg 1985, dem Erich Fried-Preis 1990, oder dem Schiller-Gedächtnis-Preis 2004. Er gehört zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. Seine Werke wurden in 35 Sprachen übersetzt.

 

Weitere Links zu Christoph Hein:

 

Foto: Christoph Heins Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)

Dieter Rendschmidt: Zeitzeuge des geteilten Berlins

Veröffentlicht von dominikus am 20. April 2009

 

"Mit den Lebensjahren beginnen die frühen Erinnerungen langsam zu verblassen, wenn es keine Gespräche im Familienkreise mehr gibt und keine gemütliche Beschaulichkeit in der warmen, dämmrigen Stube, wo die Alten den Jungen und den Allerjüngsten in der Blauen Stunde aus ihrem Leben erzählen."

 

Berliner Mauer

Dieter Rendschmidt

(*22. Mai 1938)

Dieter Rendschmidt wird 1938 in Berlin geboren.
Bis 1942 lebt er in Müggelheim, dann zieht seine Familie angesichts des immer bedrohlicher werdenden Bombenkrieges zu den Großeltern nach Ostpreußen in das Dorf Gumbinnen. 1944 flieht die Familie vor der nahenden Ostfront weiter ins Sudetenland nach Ritschka. Im gleichen Jahr wird Rendschmidt eingeschult. Nach Ende des Krieges kehrt Familie Rendschmidt zu Fuß nach Berlin zurück. Dort ziehen sie zunächst bei den Eltern seines Vaters in der Müggelheimer Straße in Köpenick ein, bis sie sich wieder in Müggelheim niederlassen.
Dieter besucht die Müggelheimer Grundschule. 1946 kehrt sein Vater aus britischer Kriegsgefangenschaft heim. Während der Berlin-Blockade 1948 schmuggelt Dieter Lebensmittel aus der sowjetischen Besatzungszone zu Verwandten. 1949 stirbt sein jüngerer Bruder Günter an Scharlach. 1953 wechselt Dieter Rendschmidt an die Eichendorff-Oberschule.
1957 wird sein Vater wegen Verdacht auf Spionagetätigkeiten von der Stasi verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, was die Familie in finanzielle Nöte bringt. Im gleichen Jahr besteht Rendschmidt sein Abitur und bewirbt sich für ein Studium, wird aber aufgrund der Haft seines Vaters abgelehnt.

Flucht nach West-Berlin

Dieter Rendschmidt flieht mit Mutter und Bruder nach West-Berlin. Zunächst kommt die Familie im Flüchtlingslager Marienfelde unter.
Dieter muss am Goethe-Gymnasium Wilmersdorf ein dreizehntes Schuljahr absolvieren, damit sein Ost-Abitur anerkannt wird.
Er zieht in eine Gemeinschaftswohnung in die Holsteinische Straße in Berlin-Friedenau. 1958 wird Rendschmidts Ost-Abitur anerkannt und er nimmt das Studium der Betriebswirtschaft an der Freien Universität Berlin auf.
Nebenbei absolviert er ein Praktikum bei Siemens, trägt Zeitungen aus, arbeitet als Aushilfe in einer Cafeteria und in einem Feinkostladen, außerdem jobbt er als Lieferant.
1960 verlobt er sich mit seiner langjährigen Freundin Charly, der er am Tag des Mauerbaus 1961 gerade noch zur Flucht nach West-Berlin verhelfen kann. 1962 ziehen die beiden nach Berlin-Charlottenburg in die Uhlandstraße 51.
Zwei Jahre später schließt Rendschmidt sein Studium als Diplom-Betriebswirt ab. 1965 tritt er eine Stelle bei der Berliner Gemeinnützigen Wohnungswirtschaft an.
1967 heiratet Dieter Rendschmidt seine Verlobte. Von 1971 bis 1986 sitzt er im Vorstand des Beamten-Wohnungs-Verein Berlin.
2001 geht er in den Ruhestand.
Er schreibt seine Kindheits- und Jugenderinnerungen auf, die 2003 unter dem Titel Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf erscheinen. 2008 erscheint ein weiterer Erinnerungsbericht mit dem Titel Fluchtpunkt Wilmersdorf.
Dieter Renschmidt lebt in Berlin-Kladow.

 

Zum Werk:

Dieter Rendschmidt hat zwei autobiographische Erfahrungsberichte geschrieben. In dem Buch Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf  erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in Berlin von 1941 bis 1961. Zeitgeschichtliche Ereignisse wie Flucht, Nachkriegsnot, Alltag in der Nachkriegszeit und beginnende Einschränkungen der DDR werden anhand der Schilderung des eigenen Lebens greifbar. Der zweite Band Fluchtpunkt Wilmersdorf  knüpft 1961 mit dem Bau der Mauer an. Hier wird anhand der persönlichen Schilderungen deutlich, wie sich die deutsche Teilung auf eine ganz normale Familie auswirkte.
Rendscheidt hat mit seinen Werken wichtige historische Zeugnisse des geteilten Berlins geschaffen.

 

Weitere Links zu Dieter Rendschmidt:


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