Zeitzeugen-Ausstellung der Charité in Berlin

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 7. September 2010

Die Ausstellung "Die charité zwischen Ost und West (1945-1992) – Zeitzeugen erinnern sich" widmet sich der Geschichte des Berliner Universitätsklinikums in der DDR.
Mit Hilfe von Zeitzeugen-Berichten, persönlichen Fotos, Ton-Collagen und Dokumenten versucht die Ausstellung den Arbeitsalltag der ForscherInnen, sowie der ärztlichen, pflegerischen und technischen MitarbeiterInnen des Klinikums darzustellen. Auch ehemalige Studenten aus dieser Zeit berichten über Ihre Erlebnisse. Besonders interessant dürfte sein, wie die Politik der Partei die Forschung und die Arbeit in der Charité beeinflusste und zuweilen auch an der Entwicklung hinderte.

Weitere Themen sind die geografische Lage der Charité an der Berliner Mauer und das Überwachungsinteresse durch das Ministerium für Staatssicherheit. In Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin, dem Berliner Medizinhistorischen Museum, der Universität der Künste und dem Abgeordnetenhaus von Berlin konnte eine Ausstellung entstehen, die zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beiträgt. Medienvertreter sind herzlich zum Presserundgang am Dienstag, den 31. August um 11 Uhr im Abgeordnetenhaus von Berlin in der Wandelhalle, Niederkirchnerstraße 3-5, 10111 Berlin, eingeladen. Um Anmeldung unter der E-Mail info@achimklapp.de wird gebeten. Die Ausstellung läuft vom 2. September bis zum 31. Oktober 2010.

Quelle: Pressemitteilung der Charité

Lange Nacht der Museen

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 31. Juli 2009

 

Quelle:Bundesarchiv

Quelle: Bundesarchiv

Das Thema "20 Jahre Mauerfall" beherrscht die ehemalige "Stadt mit der Mauer" natürlich auf jeder Traditionsveranstaltung über das ganze Jahr. So auch die 25. "Lange Nacht der Museen".

Anlässlich des Mauerfall-Jubiläums wurden ehemals getrennte Sammlungen wieder zusammengeführt, Museumsstiftungen wurden neu gegründet und neue Museumsbauten errichtet. Die Kunst, die Jahrzehnte voneinander getrennt verbracht hatte, steht nun erstmals wieder gemeinsam in den Museumsräumen.

Museumslandschaft im Wandel

Zur 25. Langen Nacht der Museen zeigen rund 100 Häuser, was sich 20 Jahre nach dem Fall der Mauer verändert hat: Sammlungen wurden wieder zusammengeführt, neue Museumsbauten errichtet und etliche kleinere und größere Museen, ja ganze Museumsstiftungen neu gegründet. Das reichhaltige Programm spürt diesen Entwicklungen in den Museen besonders nach. Führungen, Performances sowie musikalisch-literarische Darbietungen ergänzen dabei die Dauerausstellungen. Sieben Museen und Ausstellungen sind erstmals dabei: das Deutsche Fußballmuseum Berlin, das Haus der Demokratie und Menschenrechte, die Temporäre Kunsthalle Berlin, die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße, das Haus der Demokratie und Menschenrechte, die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) sowie die Ausstellungen „Totgeschwiegen“ im Klinikum Krankenhaus Wittenau sowie die Open-Air-Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“ auf dem Alexanderplatz.  

 

Eröffnet wird die Lange Nacht der Museen am Sonnabend, dem 29. August um 18.00 Uhr auf den Stufen des Alten Museums am Lustgarten – hier ist auch der zentrale Umsteigeplatz für die Shuttle-Busse, hier können Spätentschlossene Tickets kaufen. Auf der zum Jubiläum neu gestalteten Webseite www.lange-nacht-der-museen.de finden sich das komplette Programm und alle Routen der Shuttle-Busse.

 

Quelle: Pressemitteilung "Kulturprojekte Berlin"

Im Vorverkauf kostet das Ticket, inklusive Shuttle-Service, nur 12 € (ermäßigt 10 €) und die Spontanbesucher zahlen am Veranstaltungstag 15 € (ermäßigt 12 €).

Für so wenig Geld so viel Kultur, das sollte man sich nicht entgehen lassen!

Die Nacht, in der die Mauer fiel

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 10. Juli 2009

 

In der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag fiel der sogenannte antifaschistische Schutzwall. 28 Jahre lang trennte dieser Betonklotz Berlin in Ost und West und wurde schließlich in jener Nacht eingerissen.

Diese unbeschreibliche Nacht versucht Renatus Decker mit seiner Anthologie zu beschreiben. Genauer gesagt versuchen dies 25 Autoren aus Ost und West. Für dieses Buch schrieben sie ihre persönlichen Erlebnisse und Eindrücke dieser Nacht auf und schufen ein beeindruckendes Zeitzeugnis. Zu den Autoren gehören beispielsweise Durs Grünbein, Volker Braun, Katja Lange-Müller, Michael Lentz und Uwe Tellkamp.

Am. 14. Juli sprechen drei Autoren im Plenarsaal am Pariser Platz über ihre Erlebnisse.

Thomas Rosenlöcher, der in Dresden auf die Straße ging und die Vorgänge in einem Tagebuch protokollierte, Katja Lange-Müller, die 1984 aus der DDR ausgereist war und von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt wurde, und Marcel Beyer, der bis zur Wende nie in der DDR gewesen war und 1996 von Köln nach Dresden zog.

aus: Veranstaltungskalender der AdK

 

Historiale Berlin

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 3. Juli 2009

 

Ein kleiner Hinweis für alle Geschichtsinteressierten.

Zum vierten Mal findet in Berlin die Historiale statt. Zwar erst im August, aber man kann ja nicht früh genug planen:

Vom 24. bis 30. August 2009 widmet sich die Historiale dem umfangreichen Thema der Kaiserzeit. Anlass der Themenwahl ist der 150. Geburtstag Kaiser Wilhelms II., dem letzten deutschen Kaiser. Wie bereits in den Vorjahren wird Geschichte anschaulich und erlebbar gemacht. Vorträge, Stadtführungen, Diskussionen, Interviews, historische Talkshows und spektakuläre Inszenierungen werden die Festivalwoche schmücken, Abschluss bildet der Historiale-Markt im Nikolaiviertel.

aus: Veranstaltungshinweise auf berlin.de

Das komplette Programm mit allen Veranstaltungen wird demnächst noch veröffentlicht.

Berliner Zeitzeugen gesucht!

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 22. Mai 2009

 Bundesarchiv Bild 183 G0915 0024 001, Berlin, Panorama, Fernsehturm, Plattenbauten Berliner Zeitzeugen gesucht!

Jetzt sind Sie an der Reihe.

Warum sollten nur berühmte und bekannte Schriftsteller ihre Zeitzeugenschaft veröffentlichen und zur lebendigen Geschichtsschreibung beitragen?!
Gerade die weniger prominenten Zeugen ihrer Zeit, liefern ungeschönte Dokumente, die einen realistischen Einblick in die Vergangenheit liefern.

Dieser Blog soll nun eine Plattform für Sie, die unbekannten Zeitzeugen, werden.
Schreiben und veröffentlichen Sie auf dieser Seite Ihre eigene, ganz persönliche Geschichte und berichten Sie von Ihren Erlebnissen im Berlin der Vergangenheit.
Wie war es für Sie, als 1989 die Grenze geöffnet wurde? Wie war es, als die Mauer noch stand? Waren Sie Teil der 68er oder an den Aufständen des 17. Juni beteiligt? Oder erlebten Sie sogar die schreckliche Zeit des Zweiten Weltkriegs in Berlin mit?
Jeder Berliner hat in seinem Leben Geschichte gesehen und geschrieben.

Lassen Sie andere daran teilhaben.

Geschichte schreibenSie können mir Ihre Geschichte, vielleicht sogar mit Fotos, zur Veröffentlichung schicken oder sie selbst als Autor in diesem Blog einstellen.
Sie müssen keine Christa Wolf oder ein Christoph Hein sein und Bestseller auf hohem literarischen Niveau schreiben. Jeder, der etwas zu sagen hat, kann schreiben.
Falls Sie Hilfe beim Formulieren oder mit der Orthografie brauchen, helfe ich Ihnen gerne dabei.

Ich hoffe, dass der eine oder andere meine Idee teilt und dieses Blog zu einem Berliner Zeitzeugenportal wächst, in dem man sich mitteilen und untereinander austauschen kann.
Es muss nicht riesig werden und ich will mit dieser Seite keinen Cent verdienen, diese Seite bleibt werbefrei.
Ich bin nur ein Mensch, der von Berlin und seinen Menschen, mit ihrer bewegten und bewegenden Geschichte, fasziniert ist.

Lassen Sie uns Berliner Geschichte(n) schreiben!

 

Falls Sie Interesse haben, schreiben Sie mir einfach eine E-Mail, entweder mit ihrer Geschichte oder dem Wunsch hier als Autor angemeldet zu werden.

 

Foto: "Job" von Christian Seidel (Pixelio.de)

Uwe Johnson: Dichter beider Deutschland

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 12. Mai 2009

 

„ Kalt vor Heimweh nach dem Land aus dem sie weggehen wollte.“

Uwe Johnson

Uwe Johnson

(*20. 07. 1934; † 23. 02. 1984)

 

Uwe Johnson wird am 20. Juli 1934 als Sohn eines Landwirts und späteren Angestellten des Greifswalder Tierschutzamtes in Cammin (heute Kamien Pomorski, Polen) in Vorpommern geboren.
1945 fliehen er, seine Mutter und die Schwester vor der Roten Armee über Recknitz nach Güstrow in Mecklenburg. Der Vater stirbt im sowjetischen Internierungslager.

Studium und Umsiedelung nach West-Berlin

Nach dem Abitur beginnt Johnson 1952 ein Germanistikstudium in Rostock. Im Frühjahr 1953 soll er sich an einer Kampagne gegen die evangelische „Junge Gemeinde“ beteiligen, die staatlich organisiert und angeordnet wird. Er weigert sich und wird daraufhin exmatrikuliert. Demonstrativ tritt er daraufhin aus der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) aus.
Er geht nach Leipzig und nimmt dort das Germanistikstudium wieder auf.
1956 macht er sein Diplom bei Hans Mayer, dem prominentesten Literaturwissenschaftler in der DDR und vollendet im selben Jahr seinen ersten Roman Ingrid Babendererde. Vergeblich bietet er das Manuskript verschiedenen Verlagen an und auch in der BRD wird er abgelehnt. Der Roman erscheint erst nach seinem Tod.
1959 verlegt der Suhrkamp-Verlag seinen aufsehenerregenden Roman Mutmaßungen über Jakob. Johnson siedelt nach West-Berlin um und lebt fortan bis 1974 in Berlin-Friedenau. Im Jahr nach dem Erscheinen seines Buches erhält er den Theodor-Fontane-Preis der Stadt Berlin. 1961 folgt der Roman Das dritte Buch über Achim. Auch dieser hat wieder „die Teilung, die Grenze, der Unterschied“ als Generalthema.
1962 heiraten Uwe Johnson und Elisabeth Schmidt, im selben Jahr wird ihre Tochter Katharina geboren.

New York und Umsiedelung nach England

Von 1966 bis 1968 lebt die Familie Johnson in New York. Er arbeitet dort als Schulbuchlektor. 1968 beginnt er mit der Arbeit an dem hochgerühmten Hauptwerk, dem vierbändigen Roman Jahrestage. Im Jahr danach wird er Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik und der Akademie der Künste in Berlin (West). Die ersten drei Bücher der Jahrestage-Reihe erscheinen 1970, 1971 und 1973. Er wird 1971 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und ein Jahr später Vizepräsident der Akademie der Künste zu West-Berlin.
1974 siedelt Johnson um nach Sheerness on Sea auf der Themse-Insel Sheppey in England um. Mitte der 70er Jahre ist sein Leben von einer "schweren persönlichen Krise" geprägt, die dadurch bedingt ist, dass Johnson überzeugt ist, dass seine Frau für Prager und Ost-Berliner Geheimdienste gegen ihn arbeitet. Es fällt ihm sehr schwer zu schreiben, weswegen der letzte Band der Jahrestage-Reihe auch erst 1983 erscheint.
Johnson ist ab 1977 für zwei Jahre Mitglied Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und arbeitet ab 1979 als Poetik-Dozent an der Universität in Frankfurt/Main. Die Vorlesungen veröffentlicht er ein Jahr später unter dem Titel Begleitumstände. 1983 vollendet er die Romanreihe Jahrestage und wird mit dem Literaturpreis der Stadt Köln geehrt.
Uwe Johnson stirbt in der Nacht vom 23. zum 24. Februar in seinem Haus an Sheerness an Herzversagen.

 

Zum Werk:

Uwe Johnson beschäftigt sich in seinem Werk hauptsächlich mit der Thematik des geteilten Deutschlands. Die Kritiker bezeichnen ihn als „Dichter beider Deutschland“.  Das Thema beherrscht nicht nur seinen letzten und größten Roman mit dem Titel Jahrestage. Die Geschichte der Gesine Cresspahl, in der ihr fiktives Leben verwoben wird mit Johnsons Erinnerungen an seine Zeit in Mecklenburg. Auch die Werke Mutmassungen über Jakob oder Das dritte Buch über Achim handeln vom Leben in und mit dem geteilten Deutschland und dem Kalten Krieg zwischen den beiden Staaten. Johnson verwendet in seinen Werken eine komplexe Erzählstruktur, die er in einer meisterhaften Stilistik umsetzt. Der 1985 posthum veröffentlichte Roman Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953 handelt von der gesellschaftlichen Realität in der DDR der 1950er Jahre. In der BRD werden seine Romane von den Kritikern geliebt und gelobt, in der DDR sorgen sie für Missfallen.

 

Weitere Links zu Uwe Johnson:

Marga Becker-Ambrock: Eine Zeitzeugin erzählt

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 8. Mai 2009

 

„Heilt also die Zeit alle Wunden? Alle wohl kaum; aber sie läßt gewiß die unheilbaren weniger schmerzen.“

Marga Becker-Ambrock

 

Marga Becker-Ambrock

(* 21. Januar 1930)

 

Marga Becker-Ambrock wird 1930 im brandenburgischen Eberswalde geboren. 1939 zieht sie mit ihrer Familie nach Berlin-Charlottenburg in die Sybeler Straße. Becker-Ambrock besucht die Fürstin-Bismarck-Schule, ein Oberlyzeum für Mädchen. Im Zuge der Evakuierung Berlins aufgrund von Luftangriffen zieht sie 1943 mit ihrer Mutter wieder nach Eberswalde. Im April 1945 versuchen die beiden Richtung Westen zu fliehen, kommen aber nur bis Wismar, wo sie auf die einrückenden russischen Truppen treffen. Im August 1945 kehren sie nach Berlin zurück.

Berufsorientierung im Berlin der Nachkriegszeit

Becker-Ambrock beginnt eine Schneiderlehre, die sie 1947 zugunsten einer Anstellung bei einem Berliner Kunstverlag aufgibt. 1948 wird sie von der Schauspielschule des Deutschen Theaters angenommen, nebenbei synchronisiert Marga Becker-Ambrock bei der DEFA (Deutsche Film AG, volkseigenes Filmstudio der DDR) und hat mehrere kleine Auftritte in diversen Spielfilmen. Des Weiteren erhält sie ein Engagement als Schauspielerin am Stadttheater Gera, das sie aber aufgibt, um ihre an Krebs erkrankte Mutter in Berlin pflegen zu können. Von 1950 bis 1995 arbeitet Marga Becker-Ambrock als Rundfunksprecherin beim RIAS Berlin, als Fernseh-Ansagerin und synchronisiert Werbefilme.

Niederschrift der Erinnerungen

Ausgelöst durch die Lektüre von Walter Kempowskis Tadellöser & Wolf beginnt Marga Becker-Ambrock in den Siebziger Jahren, ihre eigenen Erinnerungen niederzuschreiben. Als ihr das Manuskript nach über 20 Jahren danach durch Zufall wieder in die Hände fällt, beschließt sie, ihre Erinnerungsarbeit als Buch zu veröffentlichen. 2004 erscheinen die Erinnerungen an ihre Jugendjahre unter dem Titel Der liebe halbe Mond. 2005 unterstützt Becker-Ambrock als Zeitzeugin das Projekt „Gedächtnis für den Frieden – Frieden für das Gedächtnis“.  2006 nimmt sie erfolgreich am Schreibwettbewerb des „Zeitzeugenpreises“ teil.
Marga Becker-Ambrock lebt in Berlin-Zehlendorf.

 

Zum Werk:

Marga Becker-Ambrock hat mit ihrem Werk Der liebe halbe Mond – Jugendjahre einer Berliner Rundfunksprecherin ein wertvolles zeitgeschichtliches Zeugnis geschaffen, das sie überregional bekannt macht. Es finden Lesungen u. a. im Literaturhaus Berlin, im Ephraim-Palais und im Grünen Salon der Berliner Volksbühne statt. Ihr erzählerisches Talent wird erneut bei ihrer erfolgreichen Teilnahme am „Zeitzeugenwettbewerb“ 2006 deutlich: Becker-Ambrock veröffentlicht ihr Erinnerungszeugnis Der Sendeleiter in der Anthologie Zeitzeugen schreiben Geschichte(n).

 

Weitere Links zu Marga Becker-Ambrock:

Thomas Brussig: Chronist der untergegangenen DDR

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 6. Mai 2009

 

„Die Erinnerung ist wie ein seelisches Organ, das die Vergangenheit verdaut und uns hilft, mit dem, was war, ganz gut leben zu können.“

 

Thomas Brussig

 

Thomas Brussig

(* 19. Dezember 1962)

 

Am 19.12.1965 kommt Thomas Brussig in Ost-Berlin zur Welt. 1971 wird er eingeschult, von 1981 bis 1984 macht er eine Beraufsausbildung zum Baufacharbeiter, die er mit Abitur abschließt. Er absolviert seinen Grundwehrdienst und geht wechselnden Tätigkeiten nach, u.a. als Tellerwäscher, Möbelträger, Fabrikarbeiter, Reiseleiter, Fremdenführer, Museumspförtner und Hotelportier. Nebenbei schreibt er an seinem ersten Roman Wasserfarben, der 1991 veröffentlicht wird. 1990 beginnt Brussig ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin, das er nicht abschließt, weil er 1993 an die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ nach Potsdam-Babelsberg wechselt. 1995 gelingt Thomas Brussig mit seinem Mauerfall-Roman Helden wie wir der Durchbruch als Schriftsteller. 1999 erscheint ein weiterer Bestseller, die Mauerkomödie Am kürzeren Ende der Sonnenallee, die auf dem Drehbuch des Kinoerfolgs Sonnenallee von Leander Haussmann basiert. 2000 macht Thomas Brussig  seinen Abschluss als Diplom-Film- und Fernsehdramaturg. Zwischen 1997 und 2001 arbeitet er mit dem Filmemacher Edgar Reitz an der Fortsetzung der „Heimat“-Saga, die 2004 bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt wird. Thomas Brussig lebt in Berlin-Schöneberg und in Mecklenburg.

 

Zum Werk:

Thomas Brussig beschäftigt sich in seinen Büchern auf kritisch-karikierende Weise vor allem mit den Auswirkungen der DDR und der Wende auf das Leben der Menschen. Er wird oft als „Chronist der untergegangenen DDR“ bezeichnet. Beispielsweise beschreibt er in seinem Wenderoman Wie es leuchtet, wie der Zeitenumbruch ‘89/’90 die unterschiedlichsten Menschen beeinflusst. Ein weiteres wichtiges Thema von Brussig ist Fußball (Leben bis Männer). Seine Bücher sind geprägt von Witz und Komik, die beschriebenen Begebenheiten oft absurd und bizarr, aber immer doch ein Stückchen wahr.
Thomas Brussig wurde u.a. mit dem Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster (1999) und mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

 

Weitere Links zu Thomas Brussig:

Foto: Thomas Brussig von der eigenen Homepage (s. Link)

Christoph Hein: Poetischer Chronist der DDR

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 28. April 2009

 

„Heute liest nur noch, wer es nicht lassen kann“

 

Christoph Hein Demonstration Berlin

 

Christoph Hein

(* 8. April 1944)

 

Christoph Hein kommt am 8. April 1944 als Sohn eines Pfarrers im schlesischen Heinzendorf zur Welt. Nach Kriegsende zieht die Familie nach Bad Düben bei Leipzig. Als Sohn eines Pfarrers wird ihm in der DDR der Zugang zum Gymnasium verwehrt, darum geht er 1958 nach Westberlin, wo er als Internatsschüler ein humanistisches Gymnasium besucht. Nach dem Bau der Mauer 1961 bleibt er in der DDR und arbeitet als Kellner, Journalist, Buchhändler, Montagearbeiter, Schauspieler und Regieassistent.
1964 macht Christoph Hein sein Abitur an einer Abendschule. Daraufhin beginnt er, an der Universität Leipzig Philosophie und Logik zu studieren und schließt das Studium 1971 an der Humboldt Universität in Berlin ab.
Christoph Hein wird unter der Leitung von Benno Besson Dramaturg an der
Volksbühne Berlin. 1974 wird er dort als Hausautor fest angestellt.

Arbeit als freier Schriftsteller

1979 verlässt Christoph Hein die Volksbühne, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. Er schreibt zunächst Theaterstücke und fertigt Features für den Rundfunk und Übersetzungen an.
Der Durchbruch gelingt Hein 1982 mit der Novelle Der Fremde Freund, sowohl in Ost-, als auch in Westdeutschland, wo das Werk unter dem Titel Drachenblut erscheint.
Christoph Hein ist ein kritischer Autor, der Position zum Staatssystem bezieht und sich mit den Problemen und Schwierigkeiten seines Landes auseinandersetzt. Bereits 1987 fordert er die Aufhebung der
Zensur in der DDR. In der Wendezeit engagiert sich Christoph Hein und äußert sich kritisch in der Öffentlichkeit, beispielsweise bei der Alexanderplatz-Demo am 4.November 1989.

Nach der Wende

Im gleichen Jahr erhält er eine Dozentur für den Poetik-Lehrstuhl an der Essener Folkwang-Schule.  1992 wird er Mitherausgeber der Wochenzeitung Freitag. Die Ost-West Wochenzeitung sowie Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1998 wird er zum Präsidenten des nun vereinigten P.E.N. gewählt, dieses Amt hat er bis 2000 inne.
2002 stirbt seine Frau, die Filmregisseurin  Christiane, mit der Hein zwei Söhne hat, von denen der jüngere,
Jakob, ebenfalls Schriftsteller ist. Den Verlust seiner Frau verarbeitet Christoph Hein in dem 2003 veröffentlichten Kinderbuch Mama ist gegangen.
2004 wird er designierter Intendant am Deutschen Theater in Berlin, tritt aber vor Amtsbeginn aufgrund von „vergiftetem feindseligen Klima, massiven Vorverurteilungen und der angespannten Haushaltslage Berlins“ zurück.
Heins aktuelles Werk, Frau Paula Trousseau, erscheint 2007.
Er lebt in Berlin.

 

Zum Werk:

Christoph Hein gilt als poetischer Chronist der DDR und früher Seismograph ihres Untergangs. Sein Durchbruch gelang ihm 1982 mit der Novelle Der fremde Freund.
Darin berichtet eine Ostberliner Ärztin schonungslos von Kälte und Entfremdung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Direkte Kritik am politischen System formulierte Hein in dem Roman
Horns Ende von 1985, der vom Stalinismus der frühen DDR handelt, und in Der Tangospieler, der den Stasi-Alptraum der späten DDR thematisiert.
Christoph Hein, der sich selbst als „Chronist ohne Botschaft“ bezeichnet, produziert in seinen Werken Gesellschaftsanalysen von großer Dichte. In eher sprödem Ton und mittels prägnanter Dialoge und virtuos eingesetzter Rollenprosa werden exemplarische Biographien erzählt. Die Figuren changieren dabei zwischen Alltagswirklichkeit und Determiniertheit durch die konkreten historischen Umstände. Christoph Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Literaturpreis Hamburg 1985, dem Erich Fried-Preis 1990, oder dem Schiller-Gedächtnis-Preis 2004. Er gehört zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. Seine Werke wurden in 35 Sprachen übersetzt.

 

Weitere Links zu Christoph Hein:

 

Foto: Christoph Heins Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)

Über dieses Blog

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 15. April 2009

 

Zeitzeugen aus Berlin

 

Berliner Skyline

 

Dieses Blog widmet sich den Berliner Zeitzeugen.
Den Menschen, die Berlin erlebt haben.

Sie erzählen uns ihre eigene und die Geschichte(n) dieser Stadt.

 

Zeitzeugen sind die lebendigen Geschichtsbücher, die nicht objektiv steril berichten, sondern ihre Sicht, ihre Empfindungen, ihr Leben auf historische Ereignisse schildern.

Sie lassen uns teilhaben an der Zeit des Nationalsozialismus, dem Krieg, dem Aufbau, den gesellschaftlichen Umwälzungen, dem Leben mit und dem Leben nach der Mauer, die Rückkehr des Bundestages…

In der Hauptstadt Berlin erlebt man viel, denn schon immer war sie eine der wichtigsten Metropolen dieser Welt, ständig im Wandel, ständig im Fokus und niemals ruhig…

 

Ich wünsche allen Berlinern und Nicht-Berlinern Gute Unterhaltung und hoffe auf rege Beteiligung.
(Gerne stelle ich auch ihre eigenen Geschichten hier ein.)

 


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