Zeitzeugen-Ausstellung der Charité in Berlin

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 7. September 2010

Die Ausstellung "Die charité zwischen Ost und West (1945-1992) – Zeitzeugen erinnern sich" widmet sich der Geschichte des Berliner Universitätsklinikums in der DDR.
Mit Hilfe von Zeitzeugen-Berichten, persönlichen Fotos, Ton-Collagen und Dokumenten versucht die Ausstellung den Arbeitsalltag der ForscherInnen, sowie der ärztlichen, pflegerischen und technischen MitarbeiterInnen des Klinikums darzustellen. Auch ehemalige Studenten aus dieser Zeit berichten über Ihre Erlebnisse. Besonders interessant dürfte sein, wie die Politik der Partei die Forschung und die Arbeit in der Charité beeinflusste und zuweilen auch an der Entwicklung hinderte.

Weitere Themen sind die geografische Lage der Charité an der Berliner Mauer und das Überwachungsinteresse durch das Ministerium für Staatssicherheit. In Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin, dem Berliner Medizinhistorischen Museum, der Universität der Künste und dem Abgeordnetenhaus von Berlin konnte eine Ausstellung entstehen, die zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beiträgt. Medienvertreter sind herzlich zum Presserundgang am Dienstag, den 31. August um 11 Uhr im Abgeordnetenhaus von Berlin in der Wandelhalle, Niederkirchnerstraße 3-5, 10111 Berlin, eingeladen. Um Anmeldung unter der E-Mail info@achimklapp.de wird gebeten. Die Ausstellung läuft vom 2. September bis zum 31. Oktober 2010.

Quelle: Pressemitteilung der Charité

einestages Mauerfall

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 20. Juli 2009


Anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Mauerfall" bietet die Zeitzeugenseite vom Spiegel "einestages" eine Rubrik zu Geschichten rund um die Zeit des Mauerfalls.

Übersichtlich in einer Europa-Karte dargestellt kann man sich durch die Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und Europas klicken.

Mit Videos(blaue Markierung) und Zeitzeugenberichten (rote Markierung) liefert die Seite einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse in ganz Europa.

Die orangen Markierungen weisen auf wichtige Ereignisse hin, für die noch Zeitzeugenberichte gesucht werden.

Ein gelungener Beitrag zum Jubiläumsjahr.

Uwe Johnson: Dichter beider Deutschland

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 12. Mai 2009

 

„ Kalt vor Heimweh nach dem Land aus dem sie weggehen wollte.“

Uwe Johnson

Uwe Johnson

(*20. 07. 1934; † 23. 02. 1984)

 

Uwe Johnson wird am 20. Juli 1934 als Sohn eines Landwirts und späteren Angestellten des Greifswalder Tierschutzamtes in Cammin (heute Kamien Pomorski, Polen) in Vorpommern geboren.
1945 fliehen er, seine Mutter und die Schwester vor der Roten Armee über Recknitz nach Güstrow in Mecklenburg. Der Vater stirbt im sowjetischen Internierungslager.

Studium und Umsiedelung nach West-Berlin

Nach dem Abitur beginnt Johnson 1952 ein Germanistikstudium in Rostock. Im Frühjahr 1953 soll er sich an einer Kampagne gegen die evangelische „Junge Gemeinde“ beteiligen, die staatlich organisiert und angeordnet wird. Er weigert sich und wird daraufhin exmatrikuliert. Demonstrativ tritt er daraufhin aus der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) aus.
Er geht nach Leipzig und nimmt dort das Germanistikstudium wieder auf.
1956 macht er sein Diplom bei Hans Mayer, dem prominentesten Literaturwissenschaftler in der DDR und vollendet im selben Jahr seinen ersten Roman Ingrid Babendererde. Vergeblich bietet er das Manuskript verschiedenen Verlagen an und auch in der BRD wird er abgelehnt. Der Roman erscheint erst nach seinem Tod.
1959 verlegt der Suhrkamp-Verlag seinen aufsehenerregenden Roman Mutmaßungen über Jakob. Johnson siedelt nach West-Berlin um und lebt fortan bis 1974 in Berlin-Friedenau. Im Jahr nach dem Erscheinen seines Buches erhält er den Theodor-Fontane-Preis der Stadt Berlin. 1961 folgt der Roman Das dritte Buch über Achim. Auch dieser hat wieder „die Teilung, die Grenze, der Unterschied“ als Generalthema.
1962 heiraten Uwe Johnson und Elisabeth Schmidt, im selben Jahr wird ihre Tochter Katharina geboren.

New York und Umsiedelung nach England

Von 1966 bis 1968 lebt die Familie Johnson in New York. Er arbeitet dort als Schulbuchlektor. 1968 beginnt er mit der Arbeit an dem hochgerühmten Hauptwerk, dem vierbändigen Roman Jahrestage. Im Jahr danach wird er Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik und der Akademie der Künste in Berlin (West). Die ersten drei Bücher der Jahrestage-Reihe erscheinen 1970, 1971 und 1973. Er wird 1971 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und ein Jahr später Vizepräsident der Akademie der Künste zu West-Berlin.
1974 siedelt Johnson um nach Sheerness on Sea auf der Themse-Insel Sheppey in England um. Mitte der 70er Jahre ist sein Leben von einer "schweren persönlichen Krise" geprägt, die dadurch bedingt ist, dass Johnson überzeugt ist, dass seine Frau für Prager und Ost-Berliner Geheimdienste gegen ihn arbeitet. Es fällt ihm sehr schwer zu schreiben, weswegen der letzte Band der Jahrestage-Reihe auch erst 1983 erscheint.
Johnson ist ab 1977 für zwei Jahre Mitglied Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und arbeitet ab 1979 als Poetik-Dozent an der Universität in Frankfurt/Main. Die Vorlesungen veröffentlicht er ein Jahr später unter dem Titel Begleitumstände. 1983 vollendet er die Romanreihe Jahrestage und wird mit dem Literaturpreis der Stadt Köln geehrt.
Uwe Johnson stirbt in der Nacht vom 23. zum 24. Februar in seinem Haus an Sheerness an Herzversagen.

 

Zum Werk:

Uwe Johnson beschäftigt sich in seinem Werk hauptsächlich mit der Thematik des geteilten Deutschlands. Die Kritiker bezeichnen ihn als „Dichter beider Deutschland“.  Das Thema beherrscht nicht nur seinen letzten und größten Roman mit dem Titel Jahrestage. Die Geschichte der Gesine Cresspahl, in der ihr fiktives Leben verwoben wird mit Johnsons Erinnerungen an seine Zeit in Mecklenburg. Auch die Werke Mutmassungen über Jakob oder Das dritte Buch über Achim handeln vom Leben in und mit dem geteilten Deutschland und dem Kalten Krieg zwischen den beiden Staaten. Johnson verwendet in seinen Werken eine komplexe Erzählstruktur, die er in einer meisterhaften Stilistik umsetzt. Der 1985 posthum veröffentlichte Roman Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953 handelt von der gesellschaftlichen Realität in der DDR der 1950er Jahre. In der BRD werden seine Romane von den Kritikern geliebt und gelobt, in der DDR sorgen sie für Missfallen.

 

Weitere Links zu Uwe Johnson:

Marga Becker-Ambrock: Eine Zeitzeugin erzählt

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 8. Mai 2009

 

„Heilt also die Zeit alle Wunden? Alle wohl kaum; aber sie läßt gewiß die unheilbaren weniger schmerzen.“

Marga Becker-Ambrock

 

Marga Becker-Ambrock

(* 21. Januar 1930)

 

Marga Becker-Ambrock wird 1930 im brandenburgischen Eberswalde geboren. 1939 zieht sie mit ihrer Familie nach Berlin-Charlottenburg in die Sybeler Straße. Becker-Ambrock besucht die Fürstin-Bismarck-Schule, ein Oberlyzeum für Mädchen. Im Zuge der Evakuierung Berlins aufgrund von Luftangriffen zieht sie 1943 mit ihrer Mutter wieder nach Eberswalde. Im April 1945 versuchen die beiden Richtung Westen zu fliehen, kommen aber nur bis Wismar, wo sie auf die einrückenden russischen Truppen treffen. Im August 1945 kehren sie nach Berlin zurück.

Berufsorientierung im Berlin der Nachkriegszeit

Becker-Ambrock beginnt eine Schneiderlehre, die sie 1947 zugunsten einer Anstellung bei einem Berliner Kunstverlag aufgibt. 1948 wird sie von der Schauspielschule des Deutschen Theaters angenommen, nebenbei synchronisiert Marga Becker-Ambrock bei der DEFA (Deutsche Film AG, volkseigenes Filmstudio der DDR) und hat mehrere kleine Auftritte in diversen Spielfilmen. Des Weiteren erhält sie ein Engagement als Schauspielerin am Stadttheater Gera, das sie aber aufgibt, um ihre an Krebs erkrankte Mutter in Berlin pflegen zu können. Von 1950 bis 1995 arbeitet Marga Becker-Ambrock als Rundfunksprecherin beim RIAS Berlin, als Fernseh-Ansagerin und synchronisiert Werbefilme.

Niederschrift der Erinnerungen

Ausgelöst durch die Lektüre von Walter Kempowskis Tadellöser & Wolf beginnt Marga Becker-Ambrock in den Siebziger Jahren, ihre eigenen Erinnerungen niederzuschreiben. Als ihr das Manuskript nach über 20 Jahren danach durch Zufall wieder in die Hände fällt, beschließt sie, ihre Erinnerungsarbeit als Buch zu veröffentlichen. 2004 erscheinen die Erinnerungen an ihre Jugendjahre unter dem Titel Der liebe halbe Mond. 2005 unterstützt Becker-Ambrock als Zeitzeugin das Projekt „Gedächtnis für den Frieden – Frieden für das Gedächtnis“.  2006 nimmt sie erfolgreich am Schreibwettbewerb des „Zeitzeugenpreises“ teil.
Marga Becker-Ambrock lebt in Berlin-Zehlendorf.

 

Zum Werk:

Marga Becker-Ambrock hat mit ihrem Werk Der liebe halbe Mond – Jugendjahre einer Berliner Rundfunksprecherin ein wertvolles zeitgeschichtliches Zeugnis geschaffen, das sie überregional bekannt macht. Es finden Lesungen u. a. im Literaturhaus Berlin, im Ephraim-Palais und im Grünen Salon der Berliner Volksbühne statt. Ihr erzählerisches Talent wird erneut bei ihrer erfolgreichen Teilnahme am „Zeitzeugenwettbewerb“ 2006 deutlich: Becker-Ambrock veröffentlicht ihr Erinnerungszeugnis Der Sendeleiter in der Anthologie Zeitzeugen schreiben Geschichte(n).

 

Weitere Links zu Marga Becker-Ambrock:

Thomas Brussig: Chronist der untergegangenen DDR

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 6. Mai 2009

 

„Die Erinnerung ist wie ein seelisches Organ, das die Vergangenheit verdaut und uns hilft, mit dem, was war, ganz gut leben zu können.“

 

Thomas Brussig

 

Thomas Brussig

(* 19. Dezember 1962)

 

Am 19.12.1965 kommt Thomas Brussig in Ost-Berlin zur Welt. 1971 wird er eingeschult, von 1981 bis 1984 macht er eine Beraufsausbildung zum Baufacharbeiter, die er mit Abitur abschließt. Er absolviert seinen Grundwehrdienst und geht wechselnden Tätigkeiten nach, u.a. als Tellerwäscher, Möbelträger, Fabrikarbeiter, Reiseleiter, Fremdenführer, Museumspförtner und Hotelportier. Nebenbei schreibt er an seinem ersten Roman Wasserfarben, der 1991 veröffentlicht wird. 1990 beginnt Brussig ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin, das er nicht abschließt, weil er 1993 an die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ nach Potsdam-Babelsberg wechselt. 1995 gelingt Thomas Brussig mit seinem Mauerfall-Roman Helden wie wir der Durchbruch als Schriftsteller. 1999 erscheint ein weiterer Bestseller, die Mauerkomödie Am kürzeren Ende der Sonnenallee, die auf dem Drehbuch des Kinoerfolgs Sonnenallee von Leander Haussmann basiert. 2000 macht Thomas Brussig  seinen Abschluss als Diplom-Film- und Fernsehdramaturg. Zwischen 1997 und 2001 arbeitet er mit dem Filmemacher Edgar Reitz an der Fortsetzung der „Heimat“-Saga, die 2004 bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt wird. Thomas Brussig lebt in Berlin-Schöneberg und in Mecklenburg.

 

Zum Werk:

Thomas Brussig beschäftigt sich in seinen Büchern auf kritisch-karikierende Weise vor allem mit den Auswirkungen der DDR und der Wende auf das Leben der Menschen. Er wird oft als „Chronist der untergegangenen DDR“ bezeichnet. Beispielsweise beschreibt er in seinem Wenderoman Wie es leuchtet, wie der Zeitenumbruch ‘89/’90 die unterschiedlichsten Menschen beeinflusst. Ein weiteres wichtiges Thema von Brussig ist Fußball (Leben bis Männer). Seine Bücher sind geprägt von Witz und Komik, die beschriebenen Begebenheiten oft absurd und bizarr, aber immer doch ein Stückchen wahr.
Thomas Brussig wurde u.a. mit dem Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster (1999) und mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

 

Weitere Links zu Thomas Brussig:

Foto: Thomas Brussig von der eigenen Homepage (s. Link)

Christoph Hein: Poetischer Chronist der DDR

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 28. April 2009

 

„Heute liest nur noch, wer es nicht lassen kann“

 

Christoph Hein Demonstration Berlin

 

Christoph Hein

(* 8. April 1944)

 

Christoph Hein kommt am 8. April 1944 als Sohn eines Pfarrers im schlesischen Heinzendorf zur Welt. Nach Kriegsende zieht die Familie nach Bad Düben bei Leipzig. Als Sohn eines Pfarrers wird ihm in der DDR der Zugang zum Gymnasium verwehrt, darum geht er 1958 nach Westberlin, wo er als Internatsschüler ein humanistisches Gymnasium besucht. Nach dem Bau der Mauer 1961 bleibt er in der DDR und arbeitet als Kellner, Journalist, Buchhändler, Montagearbeiter, Schauspieler und Regieassistent.
1964 macht Christoph Hein sein Abitur an einer Abendschule. Daraufhin beginnt er, an der Universität Leipzig Philosophie und Logik zu studieren und schließt das Studium 1971 an der Humboldt Universität in Berlin ab.
Christoph Hein wird unter der Leitung von Benno Besson Dramaturg an der
Volksbühne Berlin. 1974 wird er dort als Hausautor fest angestellt.

Arbeit als freier Schriftsteller

1979 verlässt Christoph Hein die Volksbühne, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. Er schreibt zunächst Theaterstücke und fertigt Features für den Rundfunk und Übersetzungen an.
Der Durchbruch gelingt Hein 1982 mit der Novelle Der Fremde Freund, sowohl in Ost-, als auch in Westdeutschland, wo das Werk unter dem Titel Drachenblut erscheint.
Christoph Hein ist ein kritischer Autor, der Position zum Staatssystem bezieht und sich mit den Problemen und Schwierigkeiten seines Landes auseinandersetzt. Bereits 1987 fordert er die Aufhebung der
Zensur in der DDR. In der Wendezeit engagiert sich Christoph Hein und äußert sich kritisch in der Öffentlichkeit, beispielsweise bei der Alexanderplatz-Demo am 4.November 1989.

Nach der Wende

Im gleichen Jahr erhält er eine Dozentur für den Poetik-Lehrstuhl an der Essener Folkwang-Schule.  1992 wird er Mitherausgeber der Wochenzeitung Freitag. Die Ost-West Wochenzeitung sowie Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1998 wird er zum Präsidenten des nun vereinigten P.E.N. gewählt, dieses Amt hat er bis 2000 inne.
2002 stirbt seine Frau, die Filmregisseurin  Christiane, mit der Hein zwei Söhne hat, von denen der jüngere,
Jakob, ebenfalls Schriftsteller ist. Den Verlust seiner Frau verarbeitet Christoph Hein in dem 2003 veröffentlichten Kinderbuch Mama ist gegangen.
2004 wird er designierter Intendant am Deutschen Theater in Berlin, tritt aber vor Amtsbeginn aufgrund von „vergiftetem feindseligen Klima, massiven Vorverurteilungen und der angespannten Haushaltslage Berlins“ zurück.
Heins aktuelles Werk, Frau Paula Trousseau, erscheint 2007.
Er lebt in Berlin.

 

Zum Werk:

Christoph Hein gilt als poetischer Chronist der DDR und früher Seismograph ihres Untergangs. Sein Durchbruch gelang ihm 1982 mit der Novelle Der fremde Freund.
Darin berichtet eine Ostberliner Ärztin schonungslos von Kälte und Entfremdung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Direkte Kritik am politischen System formulierte Hein in dem Roman
Horns Ende von 1985, der vom Stalinismus der frühen DDR handelt, und in Der Tangospieler, der den Stasi-Alptraum der späten DDR thematisiert.
Christoph Hein, der sich selbst als „Chronist ohne Botschaft“ bezeichnet, produziert in seinen Werken Gesellschaftsanalysen von großer Dichte. In eher sprödem Ton und mittels prägnanter Dialoge und virtuos eingesetzter Rollenprosa werden exemplarische Biographien erzählt. Die Figuren changieren dabei zwischen Alltagswirklichkeit und Determiniertheit durch die konkreten historischen Umstände. Christoph Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Literaturpreis Hamburg 1985, dem Erich Fried-Preis 1990, oder dem Schiller-Gedächtnis-Preis 2004. Er gehört zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. Seine Werke wurden in 35 Sprachen übersetzt.

 

Weitere Links zu Christoph Hein:

 

Foto: Christoph Heins Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)

Dieter Rendschmidt: Zeitzeuge des geteilten Berlins

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 20. April 2009

 

„Mit den Lebensjahren beginnen die frühen Erinnerungen langsam zu verblassen, wenn es keine Gespräche im Familienkreise mehr gibt und keine gemütliche Beschaulichkeit in der warmen, dämmrigen Stube, wo die Alten den Jungen und den Allerjüngsten in der Blauen Stunde aus ihrem Leben erzählen.“

 

Berliner Mauer 

Dieter Rendschmidt

(*22. Mai 1938)

 

Dieter Rendschmidt wird 1938 in Berlin geboren.
Bis 1942 lebt er in Müggelheim, dann zieht seine Familie angesichts des immer bedrohlicher werdenden Bombenkrieges zu den Großeltern nach Ostpreußen in das Dorf Gumbinnen. 1944 flieht die Familie vor der nahenden Ostfront weiter ins Sudetenland nach Ritschka. Im gleichen Jahr wird Rendschmidt eingeschult. Nach Ende des Krieges kehrt Familie Rendschmidt zu Fuß nach Berlin zurück. Dort ziehen sie zunächst bei den Eltern seines Vaters in der Müggelheimer Straße in Köpenick ein, bis sie sich wieder in Müggelheim niederlassen.
Dieter besucht die Müggelheimer Grundschule. 1946 kehrt sein Vater aus britischer Kriegsgefangenschaft heim. Während der Berlin-Blockade 1948 schmuggelt Dieter Lebensmittel aus der sowjetischen Besatzungszone zu Verwandten. 1949 stirbt sein jüngerer Bruder Günter an Scharlach. 1953 wechselt Dieter Rendschmidt an die Eichendorff-Oberschule.
1957 wird sein Vater wegen Verdacht auf Spionagetätigkeiten von der Stasi verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, was die Familie in finanzielle Nöte bringt. Im gleichen Jahr besteht Rendschmidt sein Abitur und bewirbt sich für ein Studium, wird aber aufgrund der Haft seines Vaters abgelehnt.

Flucht nach West-Berlin

Dieter Rendschmidt flieht mit Mutter und Bruder nach West-Berlin. Zunächst kommt die Familie im Flüchtlingslager Marienfelde unter.
Dieter muss am Goethe-Gymnasium Wilmersdorf ein dreizehntes Schuljahr absolvieren, damit sein Ost-Abitur anerkannt wird.
Er zieht in eine Gemeinschaftswohnung in die Holsteinische Straße in Berlin-Friedenau. 1958 wird Rendschmidts Ost-Abitur anerkannt und er nimmt das Studium der Betriebswirtschaft an der Freien Universität Berlin auf.
Nebenbei absolviert er ein Praktikum bei Siemens, trägt Zeitungen aus, arbeitet als Aushilfe in einer Cafeteria und in einem Feinkostladen, außerdem jobbt er als Lieferant.
1960 verlobt er sich mit seiner langjährigen Freundin Charly, der er am Tag des Mauerbaus 1961 gerade noch zur Flucht nach West-Berlin verhelfen kann. 1962 ziehen die beiden nach Berlin-Charlottenburg in die Uhlandstraße 51.
Zwei Jahre später schließt Rendschmidt sein Studium als Diplom-Betriebswirt ab. 1965 tritt er eine Stelle bei der Berliner Gemeinnützigen Wohnungswirtschaft an.
1967 heiratet Dieter Rendschmidt seine Verlobte. Von 1971 bis 1986 sitzt er im Vorstand des Beamten-Wohnungs-Verein Berlin.
2001 geht er in den Ruhestand.
Er schreibt seine Kindheits- und Jugenderinnerungen auf, die 2003 unter dem Titel Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf erscheinen. 2008 erscheint ein weiterer Erinnerungsbericht mit dem Titel Fluchtpunkt Wilmersdorf.
Dieter Renschmidt lebt in Berlin-Kladow.

 

Zum Werk:

Dieter Rendschmidt hat zwei autobiographische Erfahrungsberichte geschrieben. In dem Buch Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf  erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in Berlin von 1941 bis 1961. Zeitgeschichtliche Ereignisse wie Flucht, Nachkriegsnot, Alltag in der Nachkriegszeit und beginnende Einschränkungen der DDR werden anhand der Schilderung des eigenen Lebens greifbar. Der zweite Band Fluchtpunkt Wilmersdorf  knüpft 1961 mit dem Bau der Mauer an. Hier wird anhand der persönlichen Schilderungen deutlich, wie sich die deutsche Teilung auf eine ganz normale Familie auswirkte.
Rendscheidt hat mit seinen Werken wichtige historische Zeugnisse des geteilten Berlins geschaffen.

 

Weitere Links zu Dieter Rendschmidt:

Die weibliche Stimme der DDR: Christa Wolf

Veröffentlicht von Zeitzeuge am 16. April 2009

 

„Was für eine vorzügliche Einrichtung, dass die Gedanken, nicht als sichtbare Schrift, über unsere Stirne laufen.“

 

Zur Eröffnung des Blogs möchte ich eine berühmte Berliner Zeitzeugin vorstellen. Und aus gegebenem Anlass (20 Jahre Mauerfall) fällt die Wahl nicht schwer und deshalb auf eine der wichtigsten Autorinnen deutscher Literatur:

 

Christa Wolf
(*18. 03. 1929)

 

Christa Wolf am Alex

Sie wird am 18. März 1929 als Tochter des Kaufmanns Otto Ihlenfeld und seiner Frau Herta in Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski, Polen) geboren. Sie hat einen drei Jahre jüngeren Bruder.
In Landsberg an der Warthe besucht sie bis kurz vor Kriegsende die Schule. Nach der Vertreibung durch die anrückende Rote Armee findet die Familie 1945 vorerst in Gammelin (Mecklenburg) eine neue Heimat. 1947 ziehen die Wolfs nach Bad Frankenhausen (Thüringen), wo Christa zwei Jahre später die Oberschule mit dem Abitur beendet. Im selben Jahr wird sie Mitglied in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), in der sie bis Juli 1989 Mitglied bleibt. Von 1949 bis 1953 studiert sie in Leipzig und Jena Germanistik. Ihre Diplomarbeit schreibt sie über Hans Fallada.
Im Jahr 1951 heiratet sie den Schriftsteller Gerhard Wolf. Ein Jahr später wird ihre erste Tochter (Annette) geboren, vier Jahre später ihre zweite Tochter Katrin (‘Katinka‘).

Die ersten Veröffentlichungen

Nach dem Studium zieht sie nach Berlin und arbeitet von 1953 bis 1959 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband. Außerdem arbeitet sie als Lektorin für verschiedene Verlage (vor allem Cheflektorin beim Verlag Neues Leben) und als Redakteurin der Zeitschrift Neue Deutsche Literatur.
1959 zieht sie für drei Jahre mit ihrem Mann nach Halle/Saale, wo sie als  freie Mitarbeiterin des Mitteldeutschen Verlages tätig ist. 1961 folgt die Veröffentlichung ihres ersten Prosawerks Moskauer Novellen, das in der DDR große Beachtung findet, in der BRD jedoch nicht verlegt wird.
1962 zieht die Familie nach Kleinmachnow bei Potsdam und sie arbeitet fortan als freie Schriftstellerin. Ihren ersten großen Erfolg feiert sie mit dem Roman Der geteilte Himmel, für den sie 1963 mit dem Heinrich-Mann-Preis geehrt wird. Im Folgejahr wird das Buch verfilmt.
Ab 1963 ist sie vier Jahre lang Kandidatin des Zentralkomitees der SED. Ihr Folgeroman Nachdenken über Christa T. etabliert ihre Stellung als bedeutende Autorin, auch wenn die Partei das Fehlen eines regierungskonformen Endes kritisiert. Im Jahr 1974 wird die Schriftstellerin in die Akademie der Künste der DDR aufgenommen und ab 1981 ebenfalls in die Akademie in West-Berlin.

Leben und Schreiben in Berlin

1976 zieht sie zurück nach Berlin. Im selben Jahr ist sie Mit-Initiatorin des Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, was zum Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR führt. Trotz allem genießt sie Reisefreiheit und kann von 1978 an Gastvorträge in der Bundesrepublik, Italien, Schottland, der Schweiz und den USA halten.
1983 veröffentlicht sie die Erzählung Kassandra, ihr größter internationaler Erfolg, der sie zur gesamtdeutschen Autorin macht.

Der Mauerfall und Rückzug aus der Politik

Fünf Monate vor dem Mauerfall tritt sie im Juni 1989 aus der SED aus und hält am 4. November ihre berühmte Rede „Sprache der Wende“ auf dem Berliner Alexanderplatz.
Sie und andere Intellektuelle wie Volker Braun und Stefan Heym argumentierten gegen eine Vereinnahmung der DDR durch die Bundesrepublik und für das Weiterbestehen einer unabhängigen Republik.
Nach der Wende greift man Wolf von westdeutscher Seite her als „Staatsdichterin“ und „Heuchlerin“ an.
Sie zieht sich aus der politischen Öffentlichkeit zurück und bekennt sich 1993 zu ihrer Tätigkeit als informelle Mitarbeiterin der Staatssicherheit von 1959 bis 1962. Sie schrieb insgesamt 3 Berichte, welche die behandelten Personen jedoch nur positiv darstellten.
Die vielen öffentlichen Diskussionen und die Anschuldigungen setzten ihr vor allem gesundheitlich zu. Sie versucht den Medien mit Aufenthalten in den USA zu entkommen und verarbeitet diese Zeit in ihrem Roman Leibhaftig.
2002 erhält Christa Wolf den Deutschen Bücherpreis für ihr Lebenswerk.
Heute lebt sie mit ihrem Mann in Berlin-Pankow und im Sommer in ihrem Landhaus in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Zum Werk:

Christa Wolf ist eine der wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart.
Schon früh entwickelt sie ihren eigenen Ausdrucksstil, der sich vom Sozialistischen Realismus abgrenzt. Ihre subjektive Erzählweise spiegelt auch immer die Auseinandersetzung mit sich selbst wider. In fast allen Werken dreht es sich um Frauen, die sich gegen die männlich dominierte Gesellschaft auflehnen und sie durchbrechen.
Zu den Hauptthemen ihres vielschichtigen Werks gehören Emanzipation, Moral, Identität und Gesellschaftskritik.
Für ihre Veröffentlichungen wird sie mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht (u.a. Georg-Büchner-Preis, 1980; Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur, 1985; Deutscher Bücherpreis, 2002).

Günter Grass sagt über sie:
„Sie ist eine von den vielen Autoren, die dazu beigetragen haben, dass bei allem, was geteilt wurde -wirtschaftlich, politisch, ideologisch- die Teilung im Bereich Kultur nicht so absolut vollzogen werden konnte.“

 

Weitere Links zu Christa Wolf:

 

 

Foto: Christa Wolfs Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)


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