Geschichte einer DDR Flucht

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 23. November 2011

Peter Keup sprach im Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Herne vor 80 Schülern über sein Leben und seine DDR Flucht. Die Schüler hören gebannt dem Zeitzeugen zu, der Stasi-Gefangener war und dessen DDR Flucht scheiterte.

DDR Flucht1 300x225 Geschichte einer DDR FluchtDie DDR Flucht von Peter Keup

Das Interesse an der Teilnahme des Zeitzeugen-Gesprächs war enorm. Es mussten 80 Schüler ausgelost werden, weil das Interesse so gross war und der Unterrichtsraum zu klein. Peter Keup bereitete seine DDR Flucht vor, indem er sich 80 D-Mark in die Kleidung einnähte, um dann über die Tschechoslowakei und Ungarn nach Österreich zu reisen. Auf Fragen der Schüler, wie vielen Leuten er in seinem DDR Flucht Plan eingeweiht hätte, gab Herr Keup zurück, dass es nur seine Mutter und seine Freundin wussten. Er konnte es sonst niemanden sagen, weil sie alle wegen Mitwisserschaft an einer DDR Flucht dran gewesen wären.

Wie es zur DDR Flucht von Peter Keup kam

Heute ist Peter Keup 53 Jahre alt. Vom Mauerbau hatte er als Kind wenig wahrgenommen, aber er hat viel von seiner Jugend in der DDR in Radebeul bei Dresden zu berichten. Er sprach von seinem Schulalltag und dem Jeans-Verbot. Vor allem schilderte er, wie er das ganze System immer weniger aushalten konnte und von einer DDR Flucht träumte, zu der er sich letztendlich entschloss. Peter Keup war damals Profitänzer in der Nationalmannschaft der DDR. Der Staat ließ ihn nicht dort tanzen, wo er wollte. Als ihm eine Teilnahme an einem Turnier in Österreich untersagt wurde, war für ihn die DDR Flucht eine unumgängliche Sache.

Das Scheitern der DDR Flucht

Peter Keup wurde an der Grenze zur Tschechoslowakei festgenommen. Zwei Tage lang wurde er von der Stasi verhört. Die Vernehmung wurde so unerträglich, dass Keup schließlich die DDR Flucht gestand. Er saß neun Monate in Haft, teilweise auch isoliert. Letztlich kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland für 40 000 Mark frei. Peter Keup wurde 1982 aus dem Gefängnis entlassen und konnte in die BRD nach Essen ausreisen. Das Ende einer DDR Flucht, die eine interessante Geschichte für einen Film hätte sein können.

Foto: flickr, mueritz

DDR-Aufarbeitung mit Zeitzeugen

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 5. November 2011

Die Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen galt als eines der gefürchtetsten Gefängnisse in der DDR. Heute werden in der Gedenkstätte Führungen von Zeitzeugen angeboten. Dieses Zeitzeugen Projekt wird nicht überall wohlwollend aufgenommen.

Gedenkst%C3%A4tte Hohensch%C3%B6nhausen 200x300 DDR Aufarbeitung mit ZeitzeugenReichen die Schilderungen von Zeitzeugen?

Ein wissenschaftlich fundiertes DDR-Bild kann man von den Schilderungen von Zeitzeugen nicht erwarten, meint der Potsdamer DDR-Historiker Jürgen Angelow. Dies ist ein Grundproblem der Oral-History. Der Leiter der Gedenkstätte Hubertus Knabe gibt zu Verstehen, dass die Schilderungen von Zeitzeugen nicht ausreichen. Deshalb gibt es in der Gedenkstätte eine ständige Dokumentation, die wissenschaftliche Basisinformationen liefert. Das Konzept des Einbeziehens von Zeitzeugen in die Gedenkstätte zahlt sich aus, was die jährlich wachsenden Besucherzahlen zeigen.

Zeitzeugen in der Aufarbeitung der DDR Geschichte

Der Stasi-Unterlagen-Beauftragte der Bundesregierung und Zeitzeuge Roland Jahn war in der DDR als Oppositioneller in Hohenschönhausen inhaftiert. Die Haftanstalt wurde in den 90er Jahren in eine Gedenkstätte umgewandelt. Das Besondere ist, dass ehemalige Häftlinge die Besucher durch die Räume führen. Sie erzählen den Besuchern ihre Geschichte der Inhaftierung. Roland Jahn findet das gut. Er hält die Verfolgung in der DDR für noch noch nicht aufgearbeitet. Wichtig ist außerdem, dass die Zeitzeugen, indem sie von Ihren Erlebnissen erzählen, ihre eigene Geschichte aufarbeiten und sie sich von der Seele reden können.

Der Zeitzeuge Jürgen Litfin

Der Zeitzeuge Jürgen Litfin ist der Bruder des ersten Maueropfers Günter Litfin an der deutsch-deutschen Grenze 1961. Er hat ein Buch über die Verfolgung durch die Kommunisten geschrieben und es wird ihm vorgeworfen, eine sehr subjektive und ungenaue Darstellung der Geschehnisse von sich zu geben. Die Geschichte seines Bruders kann man auch im Mauerparkmuseum in einer wissenschaftlich aufgearbeiteten Version nachlesen. Zeitzeugen, die Opfer der Verfolgung durch die Staatssicherheit in der DDR wurden, werden immer älter und immer weniger. Es stellt sich die Frage nach der Wichtigkeit von Zeitzeugen in der Aufarbeitung der DDR-Geschichte.

 
Foto: flickr, LucidLama

Erich Honecker

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 28. Oktober 2011

Erich Honecker war ein deutscher Politiker. Er war Kommunist und bis kurz vor dem Zusammenbruch der DDR Staatsratsvorsitzender.

Die frühen Jahre des Erich Honecker

Erich Honecker1 201x300 Erich HoneckerErich Honecker wurde 1912 in Neunkirchen an der Saar geboren. Er wurde schon im Alter von 10 Jahren Mitglied er Kommunistischen Kindergruppe in Wiebelskirchen. Nach der Schulzeit fand Erich Honecker nicht sofort einen Ausbildungsplatz und arbeitete zwei Jahre lang bei einem Bauern in Pommern. Seine anschließend begonnene Lehre als Dachdecker brach er aber, als er vom KJVD zum Studium an der Internationalen Lenin-Schule der Kommunistischen Jugendinternationale nach Moskau gerufen wurde.

Erich Honecker und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Als das Saargebiet 1935 dem Deutschen Reich angeschlossen wurde, floh der Anschlussgegner Erich Honecker zunächst nach Frankreich. Er kam jedoch kurz darauf unter dem Decknamen ‘Marten Tjaden’ wieder nach Berlin zurück. Er arbeitete im Widerstand mit dem KPD-Funktionär Herbert Wehner zusammen. Erich Honecker wurde im Dezember 1935 von der Gestapo verhaftet, im Gefängnis Moabit in Untersuchungshaft festgehalten und 1937 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 6. März 1945 gelang Erich Honecker bei einem Bombenangriff die Flucht.

Nachkriegszeit und Karriere in der DDR

Nach dem Krieg folgte Erich Honecker der Gruppe Ulbricht und wurde im Jahr 1946 nach dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD Mitglied der SED. Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen in Verbindung mit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 schlug sich Erich Honecker offen auf die Seite von Walter Ulbricht, den die Mehr heit des Politbüros zu stürzen versuchte. Er wurde Sicherheitssekretär und war maßgeblich am Bau der Berliner Mauer beteiligt. Als Walter Ulbricht von Leonid Brechnew zum Rücktritt gezwungen wurde, trat Erich Honecker am 3. Mai 1971 dessen Nachfolge an. Als die größten außenpolitischen und diplomatischen Erfolge Erich Honeckers gelten die Aufnahme der DDR als Vollmitglied in die UNO und der Grundlagenvertrag mit der BRD. Obwohl die DDR in den 80er Jahren mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte, genoss Erich Honecker vermehrt internationale Anerkennung, insbesondere durch seinen Besuch in der BRD am 7. September 1987.

Krankheit und Rücktritt Erich Honeckers

Erich Honecker war mit der Perestroika Politik Gorbatschows und der Öffnung zum Westen hin nicht einverstanden. Außerdem plagte ihn ein vermeindliches Krebsleiden. Das Politbüro versuchte ihn zum Rücktritt zu bewegen. Im Oktober 1989 wurde dann öffentlich der Rücktritt Erich Honeckers aus gesundheitlichen Gründen verkündet.

Erich Honecker starb 1994 im Exil in Chile, wohin er floh, nachdem er mit Haftbefehl wegen des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze gesucht wurde.

Foto: flickr, Abode of Chaos

 

Besuch bei Zeitzeuge Dr. Brigitte Marquardt

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 21. Oktober 2011

In der Sendung Heimatjournal vom rrb werden regelmäßig Kieze in Berlin, Landschaften in Brandenburg und deren Bewohner und Zeitzeugen vorgestellt. In nächsten Sendung besuchen die rbb-Journalisten die Frieling-Autorin und Zeitzeugin Brigitte Marquardt.

Zeitzeugen-Spurensuche in der Meisenstraße in Berlin-Dahlem

„Berlin-Dahlem, Meisenstraße, Leute hier und nebenan“ wird die Sendung am 22. Oktober 2011 heißen und diesen Berliner Bezirk in Augenschein nehmen. Es werden in der Sendung besondere Orte und interessante Persönlichkeiten vorgestellt. Die Jounalistin Carla Kniestedt wird mit der Kunsthistorikerin, Zeitzeugin und Autorin Dr. Brigitte Marquardt sprechen. Der Zeitzeugenbericht von Frau Marquardt, welcher im Frieling-Verlag Berlin erschien, heißt „Berlin-Dahlem Meisenstraße“. Er gab der Sendung ihren Namen.

Ein Zeitzeugen-Bericht aus dem vornehmen Bezirk Dahlem

Berlin Dahlem 300x188 Besuch bei Zeitzeuge Dr. Brigitte MarquardtAls Zeitzeuge verbrachte Brigitte Marquardt eine glückliche Kindheit im großbürgerlichen Elternhaus in der Meisenstraße in Dahlem. In der Nazizeit wird diese Idylle abrupt beendet. Wegen ihrer Äußerungen zum versuchten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird ihr ein Hochverratsverfahren gemacht. Nach der entscheidenden Schlacht um Berlin wurde das elterliche Haus erst von russischen und danach von der amerikanischen Militärverwaltung in Beschlag genommen. In dem spannenden Zeitzeugenbericht beschreibt sie das Zusammenleben mit der Familie und amerikanischen Besatzungsoffizieren. Brigitte Maquardt gründete selbst eine Familie. Ihr Mann arbeitete sich zu einer bedeutenden Position in einem deutschen Unternehmen empor. Die Memoiren Brigitte Marquardts sind eine bewegendes Zeitzeugen-Dokument einer starken jungen Berlinerin.

Prof. Ingo von Münch über den interessanten Zeitzeugen-Bericht

Was das Buch zu etwas Besonderem macht, ist – abgesehen von dem originalen Tagebuch vom Frühjahr 1945, das die Besetzung Dahlems durch die Russen schildert – der Bericht von dem Hochverratsverfahren, das sich das junge Mädchen durch unbedachte Äußerungen nach dem Attentat auf Hitler zuzieht. Durch Bestechung gelingt es den Eltern, den zuständigen Gestapo-Beamten zur Niederschlagung des Verfahrens zu veranlassen. Auch die Requirierung des elterlichen Hauses durch die Amerikaner sowie das jahrelange Zusammenleben mit fünf amerikanischen Offizieren sind farbig und interessant dargestellt.“

Zeitzeugen im rrb-Heimatjournal

Die Sendung ‘Berlin-Dahlem, Meisenstraße, Leute hier und nebenan’ wird wird am Samstag, den 22. Oktober 2011 um 19:00 Uhr ausgestrahlt.

 

Bild: flickr, Thomas Lautenschlag

Walter Ulbricht

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 19. Oktober 2011

Zum Leben Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht 220x300 Walter UlbrichtWalter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war von Beruf Tischler und trat schon im Jahr 1908 dem Arbeiterjugendbildungsverein Alt-Leipzig bei. 1912 wurde er Mitglied der SPD. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und diente an der Ost- und Westfront. Nach dem Ende des Krieges kehrte Walter Ulbricht nach Leipzig zurück und nahm 1919 an der Gründung der KPD teil. Für diese Partei saß er in den Jahren 1926 bis 1929 im sächsischen Landtag. Ab 1929 war er politischer Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark. Während des Dritten Reichs führte Walter Ulbricht die Arbeit in der KPD in der Illegalität weiter, weswegen er nach Paris flüchten musste, da er steckbrieflich gesucht wurde. Er unterstützte jedoch nicht den Widerstand. Statt dem ‘englischen Imperialismus’, wie er es nannte, zum Sieg zu verhelfen, verteidigte er den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Nach einer Station in Paris zog Walter Ulbricht 1938 nach Moskau, wo er ab 1941 für das deutschsprachige Programm bei Radio Moskau arbeitete. Bei seiner Betreuung im Kriegsgefangenenlager versuchte er Deutsche Soldaten für den Aufbau eines Deutschen Staates im Sinne der KPD zu gewinnen. In Stalingrad forderte Walter Ulbricht deutsche Soldaten über ein Megaphon zur Kapitulation auf.

Walter Ulbricht und der Aufbau der DDR

Walter Ulbricht kehrte Ende April 1945 ins zerstörte Deutschland zurück. Er war nun Chef der Gruppe ‘Ulbricht’ und organisierte die Gründung der KPD neu. Außerdem organisierte er den
‘Vereinigungsparteitag’ von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone. Im Jahr 1950 wurde Walter Ulbricht zum Generalsekretär des ZK der SED ernannt und wurde in dieser Position 1953 als Erster Sekretär des ZK der SED umbenannt. Walter Ulbricht galt als der Prototyp des Stalinisten. Nach dem Tode Stalins war seine Position jedoch zeitweise stark gefährdet. Nichtsdestotrotz festigte sich seine Position und er wurde im Jahr 1960 nach dem Tode Wilhelm Piecks Präsident der DDR. Dem Historiker Stefan Alisch zufolge besaß Walter Ulbricht die Machtfülle eines Diktators.

Die Entmachtung Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht erhoffte sich von einer Entspannungspolitik mit der BRD wirtschaftliche Vorteile für die DDR. Die Mehrheit der Mitglieder des Politbüros teilte diese Meinung nicht und daher wurde Ulbrichts Position geschwächt. Da er die DDR als ein Vorbild für die Verwirklichung des Sozialismus für andere Ostblockstaaten sah, wurde er von der Sowjetführung stark kritisiert. Bei einem letzten Besuch in Moskau zum 24. Parteitag der KpdSU machte ihm Brechnew klar, dass er mit keiner Unterstützung von Sowjetischer Seite mehr rechnen könne. Er legte einen Rücktritt nahe. Die tat Walter Ulbricht dann auch am 3. Mai 1971 aus ‘gesundheitlichen Gründen’. Sein Nachfolger wurde Erich Honecker. Walter Ulbricht starb 1973 während der 10. Weltfestspiele der Jugend im Gästehaus der Regierung der DDR am Döllnsee.

Bild: Wikimedia Commons

Rege Beteiligung beim Zeitzeugenpreis 2011

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 20. April 2011

Der Frieling-Verlag vermeldet als Initiator des Zeitzeugenpreises 2011 auch in diesem Jahr eine rege Beteiligung. Unter dem Motto “Ich bin (k)ein Berliner/BrandenburgerGeschichten vom Leben und Ankommen” rief der Verleger Dr. Johann-Friedrich Huffmann die Berliner und Brandenburger wiederholt zum Schreibwettbewerb auf. Der Berliner Verlag freut sich über den großen Zuspruch und die zahlreichen Einsendungen. Circa 100 Beiträge ganz unterschiedlicher Menschen und Geschichten erreichten die Redaktion des Frieling-Verlags und zeigen die vielseitigen Schicksale der Einwohner Berlins und Brandenburgs. Die Zahl der eingegangenen Wettbewerbsbeiträgen zeigt nicht nur die lebendige Kultur in der Region, sondern auch das Bedürfnis der Menschen Geschichte zu schreiben und ihre Erinnerungen schriftlich zu überliefern. So stellen die Einsendungen eindrückliche Dokumente der Lebensqualität sowie den Wandel in der Region dar.

Frieling Eule web Rege Beteiligung beim Zeitzeugenpreis 2011Wie der Verlag auf der Homepage vermeldet, geht es in vielen Beiträgen um Lebensgeschichten, die einen ganz persönlichen Einblick in das Leben der Berliner und Brandenburger geben. Von der Kindheit im Berlin der Kriegs- und Nachkriegszeit oder kleinen brandenburgischen Dörfern, gehören Familiengeschichten und Schicksale zwischen Ost und West zu den Themen. Aber auch alltägliche Eindrücke gaben den Autoren und Autorinnen Anlass zur Reflektion, wie die Erlebnisse auf einer S-Bahn-Fahrt auf der Transitstrecke zwischen Ost- und West-Berlin oder ein Umzug von Jüterbog in den Ostteil der jetztigen Hauptstadt. Wie das Motto des Zeitzeugenpreises verlautete, berichten die Menschen von der Vielfalt im Leben und Ankommen in der Region Berlin und Brandenburg. Sie erzählen aus ihrer persönlichen Sicht im Kontext mit geschichtlichen Ereignissen, was das Besondere am Leben in dieser Region ausmacht. Ob Zugezogene, Berliner Urgestein oder Weggezogene, die aus der Distanz berichten – sie alle tragen mit ihrem Bericht unter verschiedenen historischen Aspekten zur Vielfalt der Zeitgeschichte bei und liefern wertvolle Zeitdokumente.

Wer den Zeitzeugenpreis 2011 erhalten wird, bleibt unter der Vielzahl an Einsendungen spannend und wird am 22. Juni bei der Preisverleihung im Roten Rathaus verkündet werden. Nach einem Festakt werden die besten Beiträge mit weiteren Arbeiten in einer Anthologie veröffentlicht, die im Frieling-Verlag erscheinen wird.

 

 

Fotodokumentation über die Berliner Mauer eröffnet

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 21. Februar 2011

Seit Donnerstag, den 17. Februar 2011, zeigt die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauerstraße eine einzigartige Fotodokumentation des Fotografen Hans W. Mende. In seiner „Grenzbegehung“ betitelten Ausstellung zeigt Mende seinen Blick auf ein Berlin, das heute aus dem Blickfeld und aus dem Stadtbild gänzlich verschwunden ist. Der Fotograf beging 1978 den Raum entlang der Grenze und hielt präzise und in großen Formaten die verschiedenen Eindrücke sowie die Lebenswelt an der Berliner Mauer fest. Diese damaligen Aufnahmen stellt er seinen Fotografien von 1989/1990 gegenüber, die bei seinem erneuten 160 km langen Rundgang den bei der Grenzöffnung neu entstandenen Stadtraum zwischen Ost- und West-Berlin dokumentieren. Durch die unterschiedlichen Blickwinkel der früheren Motive entsteht ein einzigartiges und lebendiges Zeitdokument bewegter Stadtgeschichte.

Die Fotoausstellung „Grenzbegehung“ kann bis zum 05. Juni 2011 im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer kostenfrei besichtigt werden. Die Öffnungszeiten der Gedenkstätte und weitere Veranstaltungen finden Sie hier.



Zeitzeugen-Ausstellung der Charité in Berlin

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 7. September 2010

Die Ausstellung "Die charité zwischen Ost und West (1945-1992) – Zeitzeugen erinnern sich" widmet sich der Geschichte des Berliner Universitätsklinikums in der DDR.
Mit Hilfe von Zeitzeugen-Berichten, persönlichen Fotos, Ton-Collagen und Dokumenten versucht die Ausstellung den Arbeitsalltag der ForscherInnen, sowie der ärztlichen, pflegerischen und technischen MitarbeiterInnen des Klinikums darzustellen. Auch ehemalige Studenten aus dieser Zeit berichten über Ihre Erlebnisse. Besonders interessant dürfte sein, wie die Politik der Partei die Forschung und die Arbeit in der Charité beeinflusste und zuweilen auch an der Entwicklung hinderte.

Weitere Themen sind die geografische Lage der Charité an der Berliner Mauer und das Überwachungsinteresse durch das Ministerium für Staatssicherheit. In Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin, dem Berliner Medizinhistorischen Museum, der Universität der Künste und dem Abgeordnetenhaus von Berlin konnte eine Ausstellung entstehen, die zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beiträgt. Medienvertreter sind herzlich zum Presserundgang am Dienstag, den 31. August um 11 Uhr im Abgeordnetenhaus von Berlin in der Wandelhalle, Niederkirchnerstraße 3-5, 10111 Berlin, eingeladen. Um Anmeldung unter der E-Mail info@achimklapp.de wird gebeten. Die Ausstellung läuft vom 2. September bis zum 31. Oktober 2010.

Quelle: Pressemitteilung der Charité

einestages Mauerfall

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 20. Juli 2009


Anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Mauerfall" bietet die Zeitzeugenseite vom Spiegel "einestages" eine Rubrik zu Geschichten rund um die Zeit des Mauerfalls.

Übersichtlich in einer Europa-Karte dargestellt kann man sich durch die Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und Europas klicken.

Mit Videos(blaue Markierung) und Zeitzeugenberichten (rote Markierung) liefert die Seite einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse in ganz Europa.

Die orangen Markierungen weisen auf wichtige Ereignisse hin, für die noch Zeitzeugenberichte gesucht werden.

Ein gelungener Beitrag zum Jubiläumsjahr.

Uwe Johnson: Dichter beider Deutschland

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 12. Mai 2009

„ Kalt vor Heimweh nach dem Land aus dem sie weggehen wollte.“


Bundesarchiv Johnson Uwe Uwe Johnson: Dichter beider Deutschland


Uwe Johnson

(*20. 07. 1934; † 23. 02. 1984)


Zum Leben:

Uwe Johnson wird am 20. Juli 1934 als Sohn eines Landwirts und späteren Angestellten des Greifswalder Tierschutzamtes in Cammin (heute Kamien Pomorski, Polen) in Vorpommern geboren.
1945 fliehen er, seine Mutter und die Schwester vor der Roten Armee über Recknitz nach Güstrow in Mecklenburg. Der Vater stirbt im sowjetischen Internierungslager.

Studium und Umsiedelung nach West-Berlin

Nach dem Abitur beginnt Johnson 1952 ein Germanistikstudium in Rostock. Im Frühjahr 1953 soll er sich an einer Kampagne gegen die evangelische „Junge Gemeinde“ beteiligen, die staatlich organisiert und angeordnet wird. Er weigert sich und wird daraufhin exmatrikuliert. Demonstrativ tritt er daraufhin aus der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) aus.
Er geht nach Leipzig und nimmt dort das Germanistikstudium wieder auf.
1956 macht er sein Diplom bei Hans Mayer, dem prominentesten Literaturwissenschaftler in der DDR und vollendet im selben Jahr seinen ersten Roman „Ingrid Babendererde“. Vergeblich bietet er das Manuskript verschiedenen Verlagen an und auch in der BRD wird er abgelehnt. Der Roman erscheint erst nach seinem Tod.
1959 verlegt der Suhrkamp-Verlag seinen aufsehenerregenden Roman „Mutmaßungen über Jakob“. Johnson siedelt nach West-Berlin um und lebt fortan bis 1974 in Berlin-Friedenau. Im Jahr nach dem Erscheinen seines Buches erhält er den Theodor-Fontane-Preis der Stadt Berlin. 1961 folgt der Roman “Das dritte Buch über Achim”. Auch dieser hat wieder „die Teilung, die Grenze, der Unterschied“ als Generalthema.
1962 heiraten Uwe Johnson und Elisabeth Schmidt, im selben Jahr wird ihre Tochter Katharina geboren.

New York und Umsiedelung nach England

Von 1966 bis 1968 lebt die Familie Johnson in New York. Er arbeitet dort als Schulbuchlektor. 1968 beginnt er mit der Arbeit an seinem beachtlichem Hauptwerk, dem vierbändigen Roman “Jahrestage“. Im Jahr danach wird er Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik und der Akademie der Künste in Berlin (West). Die ersten drei Bücher der Jahrestage-Reihe erscheinen 1970, 1971 und 1973. Er wird 1971 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und ein Jahr später Vizepräsident der Akademie der Künste zu West-Berlin.
1974 siedelt Johnson um nach Sheerness on Sea auf der Themse-Insel Sheppey in England um. Mitte der 70er Jahre ist sein Leben von einer “schweren persönlichen Krise” geprägt, die dadurch bedingt ist, dass Johnson überzeugt ist, dass seine Frau für Prager und Ost-Berliner Geheimdienste gegen ihn arbeitet. Es fällt ihm sehr schwer zu schreiben, weswegen der letzte Band der Jahrestage-Reihe auch erst 1983 erscheint.
Johnson ist ab 1977 für zwei Jahre Mitglied Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und arbeitet ab 1979 als Poetik-Dozent an der Universität in Frankfurt/Main. Die Vorlesungen veröffentlicht er ein Jahr später unter dem Titel „Begleitumstände“. 1983 vollendet er die Romanreihe „Jahrestage“ und wird mit dem Literaturpreis der Stadt Köln geehrt.
Uwe Johnson stirbt in der Nacht vom 23. zum 24. Februar in seinem Haus an Sheerness an Herzversagen.

Zum Werk:

Uwe Johnson beschäftigt sich in seinem Werk hauptsächlich mit der Thematik des geteilten Deutschlands. Die Kritiker bezeichnen ihn als „Dichter beider Deutschland“. Das Thema beherrscht nicht nur seinen letzten und größten Roman mit dem Titel “Jahrestage”. In seinem Werk “Die Geschichte der Gesine Cresspahl”wir ihr fiktives Leben mit Johnsons Erinnerungen an seine Zeit in Mecklenburg verwoben. Auch die Werke „Mutmassungen über Jakob“ oder „Das dritte Buch über Achim“ handeln vom Leben in und mit dem geteilten Deutschland und dem Kalten Krieg zwischen den beiden Staaten. Johnson verwendet in seinen Werken eine komplexe Erzählstruktur, die er in einer meisterhaften Stilistik umsetzt. Der 1985 posthum veröffentlichte Roman „Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“ handelt von der gesellschaftlichen Realität in der DDR der 1950er Jahre. In der BRD werden seine Romane von den Kritikern geliebt und gelobt, in der DDR sorgen sie für Missfallen.

Weitere Links zu Uwe Johnson:

* Uwe Johnson bei Suhrkamp
* Homepage des Uwe Johnson Literaturhauses
* Homepage der Uwe Johnson-Gesellschaft

* Bildnachweis: Berlin, Verleihung des Berliner Kunstpreises: Rudolf Nolte, Uwe Johnson, Erich Schellow (v.l.n.r.), Quelle: Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-P057015 / CC-BY-SA // Wikipedia


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