Neues Zeitzeugen-Projekt geht online

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 1. November 2011

„Das Gedächtnis der Nation“ ist ein neues Zeitzeugen-Projekt. Darin werden Erzählungen von Zeitzeugen zur wichtigen Momenten der deutschen Geschichte und Alltagserfahrungen aufgezeichnet. Junge und alte Zeitzeugen berichten vor der Kamera über ihre individuellen Erfahrungen und Erinnerungen an historische Ereignisse und Entwicklungen.

Ein Jahrhundert-Projekt, bei dem Zeitzeugen erzählen

Im Jahr 1942 flatterten die Flugblätter der „Weißen Rose“ in den Hof der Münchener Universität. Wie war das? In Zukunft kann man viele solcher Geschichten frei zugänglich im Internet sehen. Das neue Zeitzeugen-Portal widmet sich der Aufgabe Interviews mit Zeitzeugen zu sammeln und zu ordnen. 1800 Archiv-Videos wurden bereits vom ZDF zur Verfügung gestellt. Es kommen prominente und weniger prominente Bürger zu Wort. Das Projekt „Gedächtnis der Nation“ wurde vom ZDF-Journalist Guido Knopp und Stern-Chef Hans-Ulrich Jörges initiiert. Es wird ein mit Videotechnik ausgestatteter Interview-Bus in Berlin beginnend quer durchs Land geschickt. Zeitzeugen werden darin ihre Anekdoten aus der wechselvollen jüngeren Vergangenheit Deutschlands erzählen.

Zeitzeugen Youtube-Kanal für die Jüngeren

Schirmherr des Vereins ist Christian Wulff, der in einer Videobotschaft auf der Website gedaechtnis-der-nation.de zum Ausdruck bringt, dass nichts Geschichte für nachfolgende Generationen so lebendig macht, wie die Erinnerungen von Zeitzeugen. Das Projekt will diese Erinnerungen für alle Zeit konservieren. Zunächst sollen die thematischen Schwerpunkte auf dem Holocaust und der Teilung Deutschlands liegen. Später sollen auch aktuellere Themen wie die Finanzkrise hinzukommen. Im Mittelpunkt des Internetauftritts steht eine interaktive Zeitleiste, die verschiedene Kurzfilme zu den einzelnen Geschehnissen anbietet. Wer aber etwas interessantes zur deutschen Geschichte zu berichten hat, muss nicht auf den Interview-Bus warten. Es gibt einen Youtube-Mitmachkanal auf dem vor allem jüngere Zuschauer Zeitzeugen-Videos hochladen können. Die Filme werden nach einer Prüfung durch die Redaktion auf der Website youtube.com/unseregeschichte online gestellt.

Zeitzeugen-Projekt nach Spielberg Vorbild

Das Projekt ist von der „Shoah Foundation“ des US-Regisseurs Steven Spielberg inspiriert. Spielberg zeichnete die Erinnerungen von Holocaust Zeitzeugen auf. Das Projekt „Das Gedächtnis der Nation“ soll zunächst mit einem Etat von zwei Millionen Euro für vier Jahre laufen.

 

Walter Ulbricht

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 19. Oktober 2011

Zum Leben Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht 220x300 Walter UlbrichtWalter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war von Beruf Tischler und trat schon im Jahr 1908 dem Arbeiterjugendbildungsverein Alt-Leipzig bei. 1912 wurde er Mitglied der SPD. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und diente an der Ost- und Westfront. Nach dem Ende des Krieges kehrte Walter Ulbricht nach Leipzig zurück und nahm 1919 an der Gründung der KPD teil. Für diese Partei saß er in den Jahren 1926 bis 1929 im sächsischen Landtag. Ab 1929 war er politischer Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark. Während des Dritten Reichs führte Walter Ulbricht die Arbeit in der KPD in der Illegalität weiter, weswegen er nach Paris flüchten musste, da er steckbrieflich gesucht wurde. Er unterstützte jedoch nicht den Widerstand. Statt dem ‘englischen Imperialismus’, wie er es nannte, zum Sieg zu verhelfen, verteidigte er den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Nach einer Station in Paris zog Walter Ulbricht 1938 nach Moskau, wo er ab 1941 für das deutschsprachige Programm bei Radio Moskau arbeitete. Bei seiner Betreuung im Kriegsgefangenenlager versuchte er Deutsche Soldaten für den Aufbau eines Deutschen Staates im Sinne der KPD zu gewinnen. In Stalingrad forderte Walter Ulbricht deutsche Soldaten über ein Megaphon zur Kapitulation auf.

Walter Ulbricht und der Aufbau der DDR

Walter Ulbricht kehrte Ende April 1945 ins zerstörte Deutschland zurück. Er war nun Chef der Gruppe ‘Ulbricht’ und organisierte die Gründung der KPD neu. Außerdem organisierte er den
‘Vereinigungsparteitag’ von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone. Im Jahr 1950 wurde Walter Ulbricht zum Generalsekretär des ZK der SED ernannt und wurde in dieser Position 1953 als Erster Sekretär des ZK der SED umbenannt. Walter Ulbricht galt als der Prototyp des Stalinisten. Nach dem Tode Stalins war seine Position jedoch zeitweise stark gefährdet. Nichtsdestotrotz festigte sich seine Position und er wurde im Jahr 1960 nach dem Tode Wilhelm Piecks Präsident der DDR. Dem Historiker Stefan Alisch zufolge besaß Walter Ulbricht die Machtfülle eines Diktators.

Die Entmachtung Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht erhoffte sich von einer Entspannungspolitik mit der BRD wirtschaftliche Vorteile für die DDR. Die Mehrheit der Mitglieder des Politbüros teilte diese Meinung nicht und daher wurde Ulbrichts Position geschwächt. Da er die DDR als ein Vorbild für die Verwirklichung des Sozialismus für andere Ostblockstaaten sah, wurde er von der Sowjetführung stark kritisiert. Bei einem letzten Besuch in Moskau zum 24. Parteitag der KpdSU machte ihm Brechnew klar, dass er mit keiner Unterstützung von Sowjetischer Seite mehr rechnen könne. Er legte einen Rücktritt nahe. Die tat Walter Ulbricht dann auch am 3. Mai 1971 aus ‘gesundheitlichen Gründen’. Sein Nachfolger wurde Erich Honecker. Walter Ulbricht starb 1973 während der 10. Weltfestspiele der Jugend im Gästehaus der Regierung der DDR am Döllnsee.

Bild: Wikimedia Commons

einestages Mauerfall

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 20. Juli 2009


Anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Mauerfall" bietet die Zeitzeugenseite vom Spiegel "einestages" eine Rubrik zu Geschichten rund um die Zeit des Mauerfalls.

Übersichtlich in einer Europa-Karte dargestellt kann man sich durch die Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und Europas klicken.

Mit Videos(blaue Markierung) und Zeitzeugenberichten (rote Markierung) liefert die Seite einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse in ganz Europa.

Die orangen Markierungen weisen auf wichtige Ereignisse hin, für die noch Zeitzeugenberichte gesucht werden.

Ein gelungener Beitrag zum Jubiläumsjahr.

Uwe Johnson: Dichter beider Deutschland

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 12. Mai 2009

„ Kalt vor Heimweh nach dem Land aus dem sie weggehen wollte.“


Bundesarchiv Johnson Uwe Uwe Johnson: Dichter beider Deutschland


Uwe Johnson

(*20. 07. 1934; † 23. 02. 1984)


Zum Leben:

Uwe Johnson wird am 20. Juli 1934 als Sohn eines Landwirts und späteren Angestellten des Greifswalder Tierschutzamtes in Cammin (heute Kamien Pomorski, Polen) in Vorpommern geboren.
1945 fliehen er, seine Mutter und die Schwester vor der Roten Armee über Recknitz nach Güstrow in Mecklenburg. Der Vater stirbt im sowjetischen Internierungslager.

Studium und Umsiedelung nach West-Berlin

Nach dem Abitur beginnt Johnson 1952 ein Germanistikstudium in Rostock. Im Frühjahr 1953 soll er sich an einer Kampagne gegen die evangelische „Junge Gemeinde“ beteiligen, die staatlich organisiert und angeordnet wird. Er weigert sich und wird daraufhin exmatrikuliert. Demonstrativ tritt er daraufhin aus der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) aus.
Er geht nach Leipzig und nimmt dort das Germanistikstudium wieder auf.
1956 macht er sein Diplom bei Hans Mayer, dem prominentesten Literaturwissenschaftler in der DDR und vollendet im selben Jahr seinen ersten Roman „Ingrid Babendererde“. Vergeblich bietet er das Manuskript verschiedenen Verlagen an und auch in der BRD wird er abgelehnt. Der Roman erscheint erst nach seinem Tod.
1959 verlegt der Suhrkamp-Verlag seinen aufsehenerregenden Roman „Mutmaßungen über Jakob“. Johnson siedelt nach West-Berlin um und lebt fortan bis 1974 in Berlin-Friedenau. Im Jahr nach dem Erscheinen seines Buches erhält er den Theodor-Fontane-Preis der Stadt Berlin. 1961 folgt der Roman “Das dritte Buch über Achim”. Auch dieser hat wieder „die Teilung, die Grenze, der Unterschied“ als Generalthema.
1962 heiraten Uwe Johnson und Elisabeth Schmidt, im selben Jahr wird ihre Tochter Katharina geboren.

New York und Umsiedelung nach England

Von 1966 bis 1968 lebt die Familie Johnson in New York. Er arbeitet dort als Schulbuchlektor. 1968 beginnt er mit der Arbeit an seinem beachtlichem Hauptwerk, dem vierbändigen Roman “Jahrestage“. Im Jahr danach wird er Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik und der Akademie der Künste in Berlin (West). Die ersten drei Bücher der Jahrestage-Reihe erscheinen 1970, 1971 und 1973. Er wird 1971 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und ein Jahr später Vizepräsident der Akademie der Künste zu West-Berlin.
1974 siedelt Johnson um nach Sheerness on Sea auf der Themse-Insel Sheppey in England um. Mitte der 70er Jahre ist sein Leben von einer “schweren persönlichen Krise” geprägt, die dadurch bedingt ist, dass Johnson überzeugt ist, dass seine Frau für Prager und Ost-Berliner Geheimdienste gegen ihn arbeitet. Es fällt ihm sehr schwer zu schreiben, weswegen der letzte Band der Jahrestage-Reihe auch erst 1983 erscheint.
Johnson ist ab 1977 für zwei Jahre Mitglied Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und arbeitet ab 1979 als Poetik-Dozent an der Universität in Frankfurt/Main. Die Vorlesungen veröffentlicht er ein Jahr später unter dem Titel „Begleitumstände“. 1983 vollendet er die Romanreihe „Jahrestage“ und wird mit dem Literaturpreis der Stadt Köln geehrt.
Uwe Johnson stirbt in der Nacht vom 23. zum 24. Februar in seinem Haus an Sheerness an Herzversagen.

Zum Werk:

Uwe Johnson beschäftigt sich in seinem Werk hauptsächlich mit der Thematik des geteilten Deutschlands. Die Kritiker bezeichnen ihn als „Dichter beider Deutschland“. Das Thema beherrscht nicht nur seinen letzten und größten Roman mit dem Titel “Jahrestage”. In seinem Werk “Die Geschichte der Gesine Cresspahl”wir ihr fiktives Leben mit Johnsons Erinnerungen an seine Zeit in Mecklenburg verwoben. Auch die Werke „Mutmassungen über Jakob“ oder „Das dritte Buch über Achim“ handeln vom Leben in und mit dem geteilten Deutschland und dem Kalten Krieg zwischen den beiden Staaten. Johnson verwendet in seinen Werken eine komplexe Erzählstruktur, die er in einer meisterhaften Stilistik umsetzt. Der 1985 posthum veröffentlichte Roman „Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“ handelt von der gesellschaftlichen Realität in der DDR der 1950er Jahre. In der BRD werden seine Romane von den Kritikern geliebt und gelobt, in der DDR sorgen sie für Missfallen.

Weitere Links zu Uwe Johnson:

* Uwe Johnson bei Suhrkamp
* Homepage des Uwe Johnson Literaturhauses
* Homepage der Uwe Johnson-Gesellschaft

* Bildnachweis: Berlin, Verleihung des Berliner Kunstpreises: Rudolf Nolte, Uwe Johnson, Erich Schellow (v.l.n.r.), Quelle: Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-P057015 / CC-BY-SA // Wikipedia

Thomas Brussig: Chronist der untergegangenen DDR

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 6. Mai 2009

 

„Die Erinnerung ist wie ein seelisches Organ, das die Vergangenheit verdaut und uns hilft, mit dem, was war, ganz gut leben zu können.“

 

brussig Thomas Brussig: Chronist der untergegangenen DDR

 

Thomas Brussig

(* 19. Dezember 1962)

 

Am 19.12.1965 kommt Thomas Brussig in Ost-Berlin zur Welt. 1971 wird er eingeschult, von 1981 bis 1984 macht er eine Beraufsausbildung zum Baufacharbeiter, die er mit Abitur abschließt. Er absolviert seinen Grundwehrdienst und geht wechselnden Tätigkeiten nach, u.a. als Tellerwäscher, Möbelträger, Fabrikarbeiter, Reiseleiter, Fremdenführer, Museumspförtner und Hotelportier. Nebenbei schreibt er an seinem ersten Roman Wasserfarben, der 1991 veröffentlicht wird. 1990 beginnt Brussig ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin, das er nicht abschließt, weil er 1993 an die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ nach Potsdam-Babelsberg wechselt. 1995 gelingt Thomas Brussig mit seinem Mauerfall-Roman Helden wie wir der Durchbruch als Schriftsteller. 1999 erscheint ein weiterer Bestseller, die Mauerkomödie Am kürzeren Ende der Sonnenallee, die auf dem Drehbuch des Kinoerfolgs Sonnenallee von Leander Haussmann basiert. 2000 macht Thomas Brussig  seinen Abschluss als Diplom-Film- und Fernsehdramaturg. Zwischen 1997 und 2001 arbeitet er mit dem Filmemacher Edgar Reitz an der Fortsetzung der „Heimat“-Saga, die 2004 bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt wird. Thomas Brussig lebt in Berlin-Schöneberg und in Mecklenburg.

 

Zum Werk:

Thomas Brussig beschäftigt sich in seinen Büchern auf kritisch-karikierende Weise vor allem mit den Auswirkungen der DDR und der Wende auf das Leben der Menschen. Er wird oft als „Chronist der untergegangenen DDR“ bezeichnet. Beispielsweise beschreibt er in seinem Wenderoman Wie es leuchtet, wie der Zeitenumbruch ’89/’90 die unterschiedlichsten Menschen beeinflusst. Ein weiteres wichtiges Thema von Brussig ist Fußball (Leben bis Männer). Seine Bücher sind geprägt von Witz und Komik, die beschriebenen Begebenheiten oft absurd und bizarr, aber immer doch ein Stückchen wahr.
Thomas Brussig wurde u.a. mit dem Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster (1999) und mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

 

Weitere Links zu Thomas Brussig:

Foto: Thomas Brussig von der eigenen Homepage (s. Link)

Christoph Hein: Poetischer Chronist der DDR

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 28. April 2009

 

„Heute liest nur noch, wer es nicht lassen kann“

 

Bundesarchiv Bild 183 1989 1104 051, Berlin, Demonstration, Rede Christoph Hein Christoph Hein: Poetischer Chronist der DDR

 

Christoph Hein

(* 8. April 1944)

 

Christoph Hein kommt am 8. April 1944 als Sohn eines Pfarrers im schlesischen Heinzendorf zur Welt. Nach Kriegsende zieht die Familie nach Bad Düben bei Leipzig. Als Sohn eines Pfarrers wird ihm in der DDR der Zugang zum Gymnasium verwehrt, darum geht er 1958 nach Westberlin, wo er als Internatsschüler ein humanistisches Gymnasium besucht. Nach dem Bau der Mauer 1961 bleibt er in der DDR und arbeitet als Kellner, Journalist, Buchhändler, Montagearbeiter, Schauspieler und Regieassistent.
1964 macht Christoph Hein sein Abitur an einer Abendschule. Daraufhin beginnt er, an der Universität Leipzig Philosophie und Logik zu studieren und schließt das Studium 1971 an der Humboldt Universität in Berlin ab.
Christoph Hein wird unter der Leitung von Benno Besson Dramaturg an der
Volksbühne Berlin. 1974 wird er dort als Hausautor fest angestellt.

Arbeit als freier Schriftsteller

1979 verlässt Christoph Hein die Volksbühne, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. Er schreibt zunächst Theaterstücke und fertigt Features für den Rundfunk und Übersetzungen an.
Der Durchbruch gelingt Hein 1982 mit der Novelle Der Fremde Freund, sowohl in Ost-, als auch in Westdeutschland, wo das Werk unter dem Titel Drachenblut erscheint.
Christoph Hein ist ein kritischer Autor, der Position zum Staatssystem bezieht und sich mit den Problemen und Schwierigkeiten seines Landes auseinandersetzt. Bereits 1987 fordert er die Aufhebung der
Zensur in der DDR. In der Wendezeit engagiert sich Christoph Hein und äußert sich kritisch in der Öffentlichkeit, beispielsweise bei der Alexanderplatz-Demo am 4.November 1989.

Nach der Wende

Im gleichen Jahr erhält er eine Dozentur für den Poetik-Lehrstuhl an der Essener Folkwang-Schule.  1992 wird er Mitherausgeber der Wochenzeitung Freitag. Die Ost-West Wochenzeitung sowie Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1998 wird er zum Präsidenten des nun vereinigten P.E.N. gewählt, dieses Amt hat er bis 2000 inne.
2002 stirbt seine Frau, die Filmregisseurin  Christiane, mit der Hein zwei Söhne hat, von denen der jüngere,
Jakob, ebenfalls Schriftsteller ist. Den Verlust seiner Frau verarbeitet Christoph Hein in dem 2003 veröffentlichten Kinderbuch Mama ist gegangen.
2004 wird er designierter Intendant am Deutschen Theater in Berlin, tritt aber vor Amtsbeginn aufgrund von „vergiftetem feindseligen Klima, massiven Vorverurteilungen und der angespannten Haushaltslage Berlins“ zurück.
Heins aktuelles Werk, Frau Paula Trousseau, erscheint 2007.
Er lebt in Berlin.

 

Zum Werk:

Christoph Hein gilt als poetischer Chronist der DDR und früher Seismograph ihres Untergangs. Sein Durchbruch gelang ihm 1982 mit der Novelle Der fremde Freund.
Darin berichtet eine Ostberliner Ärztin schonungslos von Kälte und Entfremdung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Direkte Kritik am politischen System formulierte Hein in dem Roman
Horns Ende von 1985, der vom Stalinismus der frühen DDR handelt, und in Der Tangospieler, der den Stasi-Alptraum der späten DDR thematisiert.
Christoph Hein, der sich selbst als „Chronist ohne Botschaft“ bezeichnet, produziert in seinen Werken Gesellschaftsanalysen von großer Dichte. In eher sprödem Ton und mittels prägnanter Dialoge und virtuos eingesetzter Rollenprosa werden exemplarische Biographien erzählt. Die Figuren changieren dabei zwischen Alltagswirklichkeit und Determiniertheit durch die konkreten historischen Umstände. Christoph Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Literaturpreis Hamburg 1985, dem Erich Fried-Preis 1990, oder dem Schiller-Gedächtnis-Preis 2004. Er gehört zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. Seine Werke wurden in 35 Sprachen übersetzt.

 

Weitere Links zu Christoph Hein:

 

Foto: Christoph Heins Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)

Dieter Rendschmidt: Zeitzeuge des geteilten Berlins

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 20. April 2009

 

„Mit den Lebensjahren beginnen die frühen Erinnerungen langsam zu verblassen, wenn es keine Gespräche im Familienkreise mehr gibt und keine gemütliche Beschaulichkeit in der warmen, dämmrigen Stube, wo die Alten den Jungen und den Allerjüngsten in der Blauen Stunde aus ihrem Leben erzählen.“

 

Berlinermauer Dieter Rendschmidt: Zeitzeuge des geteilten Berlins

Dieter Rendschmidt

(*22. Mai 1938)

Dieter Rendschmidt wird 1938 in Berlin geboren.
Bis 1942 lebt er in Müggelheim, dann zieht seine Familie angesichts des immer bedrohlicher werdenden Bombenkrieges zu den Großeltern nach Ostpreußen in das Dorf Gumbinnen. 1944 flieht die Familie vor der nahenden Ostfront weiter ins Sudetenland nach Ritschka. Im gleichen Jahr wird Rendschmidt eingeschult. Nach Ende des Krieges kehrt Familie Rendschmidt zu Fuß nach Berlin zurück. Dort ziehen sie zunächst bei den Eltern seines Vaters in der Müggelheimer Straße in Köpenick ein, bis sie sich wieder in Müggelheim niederlassen.
Dieter besucht die Müggelheimer Grundschule. 1946 kehrt sein Vater aus britischer Kriegsgefangenschaft heim. Während der Berlin-Blockade 1948 schmuggelt Dieter Lebensmittel aus der sowjetischen Besatzungszone zu Verwandten. 1949 stirbt sein jüngerer Bruder Günter an Scharlach. 1953 wechselt Dieter Rendschmidt an die Eichendorff-Oberschule.
1957 wird sein Vater wegen Verdacht auf Spionagetätigkeiten von der Stasi verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, was die Familie in finanzielle Nöte bringt. Im gleichen Jahr besteht Rendschmidt sein Abitur und bewirbt sich für ein Studium, wird aber aufgrund der Haft seines Vaters abgelehnt.

Flucht nach West-Berlin

Dieter Rendschmidt flieht mit Mutter und Bruder nach West-Berlin. Zunächst kommt die Familie im Flüchtlingslager Marienfelde unter.
Dieter muss am Goethe-Gymnasium Wilmersdorf ein dreizehntes Schuljahr absolvieren, damit sein Ost-Abitur anerkannt wird.
Er zieht in eine Gemeinschaftswohnung in die Holsteinische Straße in Berlin-Friedenau. 1958 wird Rendschmidts Ost-Abitur anerkannt und er nimmt das Studium der Betriebswirtschaft an der Freien Universität Berlin auf.
Nebenbei absolviert er ein Praktikum bei Siemens, trägt Zeitungen aus, arbeitet als Aushilfe in einer Cafeteria und in einem Feinkostladen, außerdem jobbt er als Lieferant.
1960 verlobt er sich mit seiner langjährigen Freundin Charly, der er am Tag des Mauerbaus 1961 gerade noch zur Flucht nach West-Berlin verhelfen kann. 1962 ziehen die beiden nach Berlin-Charlottenburg in die Uhlandstraße 51.
Zwei Jahre später schließt Rendschmidt sein Studium als Diplom-Betriebswirt ab. 1965 tritt er eine Stelle bei der Berliner Gemeinnützigen Wohnungswirtschaft an.
1967 heiratet Dieter Rendschmidt seine Verlobte. Von 1971 bis 1986 sitzt er im Vorstand des Beamten-Wohnungs-Verein Berlin.
2001 geht er in den Ruhestand.
Er schreibt seine Kindheits- und Jugenderinnerungen auf, die 2003 unter dem Titel Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf erscheinen. 2008 erscheint ein weiterer Erinnerungsbericht mit dem Titel Fluchtpunkt Wilmersdorf.
Dieter Renschmidt lebt in Berlin-Kladow.

 

Zum Werk:

Dieter Rendschmidt hat zwei autobiographische Erfahrungsberichte geschrieben. In dem Buch Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf  erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in Berlin von 1941 bis 1961. Zeitgeschichtliche Ereignisse wie Flucht, Nachkriegsnot, Alltag in der Nachkriegszeit und beginnende Einschränkungen der DDR werden anhand der Schilderung des eigenen Lebens greifbar. Der zweite Band Fluchtpunkt Wilmersdorf  knüpft 1961 mit dem Bau der Mauer an. Hier wird anhand der persönlichen Schilderungen deutlich, wie sich die deutsche Teilung auf eine ganz normale Familie auswirkte.
Rendscheidt hat mit seinen Werken wichtige historische Zeugnisse des geteilten Berlins geschaffen.

 

Weitere Links zu Dieter Rendschmidt:

Die weibliche Stimme der DDR: Christa Wolf

Veröffentlicht von Zeitzeugen-Redaktion am 16. April 2009

 

„Was für eine vorzügliche Einrichtung, dass die Gedanken, nicht als sichtbare Schrift, über unsere Stirne laufen.“

 

Zur Eröffnung des Blogs möchte ich eine berühmte Berliner Zeitzeugin vorstellen. Und aus gegebenem Anlass (20 Jahre Mauerfall) fällt die Wahl nicht schwer und deshalb auf eine der wichtigsten Autorinnen deutscher Literatur:

 

Christa Wolf
(*18. 03. 1929)

 

429px Bundesarchiv Bild 183 1989 1104 060, Berlin, Demonstration, Rede Christa Wolf Die weibliche Stimme der DDR: Christa Wolf

Sie wird am 18. März 1929 als Tochter des Kaufmanns Otto Ihlenfeld und seiner Frau Herta in Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski, Polen) geboren. Sie hat einen drei Jahre jüngeren Bruder.
In Landsberg an der Warthe besucht sie bis kurz vor Kriegsende die Schule. Nach der Vertreibung durch die anrückende Rote Armee findet die Familie 1945 vorerst in Gammelin (Mecklenburg) eine neue Heimat. 1947 ziehen die Wolfs nach Bad Frankenhausen (Thüringen), wo Christa zwei Jahre später die Oberschule mit dem Abitur beendet. Im selben Jahr wird sie Mitglied in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), in der sie bis Juli 1989 Mitglied bleibt. Von 1949 bis 1953 studiert sie in Leipzig und Jena Germanistik. Ihre Diplomarbeit schreibt sie über Hans Fallada.
Im Jahr 1951 heiratet sie den Schriftsteller Gerhard Wolf. Ein Jahr später wird ihre erste Tochter (Annette) geboren, vier Jahre später ihre zweite Tochter Katrin (‘Katinka‘).

Die ersten Veröffentlichungen

Nach dem Studium zieht sie nach Berlin und arbeitet von 1953 bis 1959 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband. Außerdem arbeitet sie als Lektorin für verschiedene Verlage (vor allem Cheflektorin beim Verlag Neues Leben) und als Redakteurin der Zeitschrift Neue Deutsche Literatur.
1959 zieht sie für drei Jahre mit ihrem Mann nach Halle/Saale, wo sie als  freie Mitarbeiterin des Mitteldeutschen Verlages tätig ist. 1961 folgt die Veröffentlichung ihres ersten Prosawerks Moskauer Novellen, das in der DDR große Beachtung findet, in der BRD jedoch nicht verlegt wird.
1962 zieht die Familie nach Kleinmachnow bei Potsdam und sie arbeitet fortan als freie Schriftstellerin. Ihren ersten großen Erfolg feiert sie mit dem Roman Der geteilte Himmel, für den sie 1963 mit dem Heinrich-Mann-Preis geehrt wird. Im Folgejahr wird das Buch verfilmt.
Ab 1963 ist sie vier Jahre lang Kandidatin des Zentralkomitees der SED. Ihr Folgeroman Nachdenken über Christa T. etabliert ihre Stellung als bedeutende Autorin, auch wenn die Partei das Fehlen eines regierungskonformen Endes kritisiert. Im Jahr 1974 wird die Schriftstellerin in die Akademie der Künste der DDR aufgenommen und ab 1981 ebenfalls in die Akademie in West-Berlin.

Leben und Schreiben in Berlin

1976 zieht sie zurück nach Berlin. Im selben Jahr ist sie Mit-Initiatorin des Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, was zum Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR führt. Trotz allem genießt sie Reisefreiheit und kann von 1978 an Gastvorträge in der Bundesrepublik, Italien, Schottland, der Schweiz und den USA halten.
1983 veröffentlicht sie die Erzählung Kassandra, ihr größter internationaler Erfolg, der sie zur gesamtdeutschen Autorin macht.

Der Mauerfall und Rückzug aus der Politik

Fünf Monate vor dem Mauerfall tritt sie im Juni 1989 aus der SED aus und hält am 4. November ihre berühmte Rede „Sprache der Wende“ auf dem Berliner Alexanderplatz.
Sie und andere Intellektuelle wie Volker Braun und Stefan Heym argumentierten gegen eine Vereinnahmung der DDR durch die Bundesrepublik und für das Weiterbestehen einer unabhängigen Republik.
Nach der Wende greift man Wolf von westdeutscher Seite her als „Staatsdichterin“ und „Heuchlerin“ an.
Sie zieht sich aus der politischen Öffentlichkeit zurück und bekennt sich 1993 zu ihrer Tätigkeit als informelle Mitarbeiterin der Staatssicherheit von 1959 bis 1962. Sie schrieb insgesamt 3 Berichte, welche die behandelten Personen jedoch nur positiv darstellten.
Die vielen öffentlichen Diskussionen und die Anschuldigungen setzten ihr vor allem gesundheitlich zu. Sie versucht den Medien mit Aufenthalten in den USA zu entkommen und verarbeitet diese Zeit in ihrem Roman Leibhaftig.
2002 erhält Christa Wolf den Deutschen Bücherpreis für ihr Lebenswerk.
Heute lebt sie mit ihrem Mann in Berlin-Pankow und im Sommer in ihrem Landhaus in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Zum Werk:

Christa Wolf ist eine der wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart.
Schon früh entwickelt sie ihren eigenen Ausdrucksstil, der sich vom Sozialistischen Realismus abgrenzt. Ihre subjektive Erzählweise spiegelt auch immer die Auseinandersetzung mit sich selbst wider. In fast allen Werken dreht es sich um Frauen, die sich gegen die männlich dominierte Gesellschaft auflehnen und sie durchbrechen.
Zu den Hauptthemen ihres vielschichtigen Werks gehören Emanzipation, Moral, Identität und Gesellschaftskritik.
Für ihre Veröffentlichungen wird sie mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht (u.a. Georg-Büchner-Preis, 1980; Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur, 1985; Deutscher Bücherpreis, 2002).

Günter Grass sagt über sie:
„Sie ist eine von den vielen Autoren, die dazu beigetragen haben, dass bei allem, was geteilt wurde -wirtschaftlich, politisch, ideologisch- die Teilung im Bereich Kultur nicht so absolut vollzogen werden konnte.“

 

Weitere Links zu Christa Wolf:

 

 

Foto: Christa Wolfs Rede am Alexanderplatz (Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Urheber Hubert Link)


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