„Heilt also die Zeit alle Wunden? Alle wohl kaum; aber sie läßt gewiß die unheilbaren weniger schmerzen.“
Marga Becker-Ambrock
(* 21. Januar 1930)
Marga Becker-Ambrock wird 1930 im brandenburgischen Eberswalde geboren. 1939 zieht sie mit ihrer Familie nach Berlin-Charlottenburg in die Sybeler Straße. Becker-Ambrock besucht die Fürstin-Bismarck-Schule, ein Oberlyzeum für Mädchen. Im Zuge der Evakuierung Berlins aufgrund von Luftangriffen zieht sie 1943 mit ihrer Mutter wieder nach Eberswalde. Im April 1945 versuchen die beiden Richtung Westen zu fliehen, kommen aber nur bis Wismar, wo sie auf die einrückenden russischen Truppen treffen. Im August 1945 kehren sie nach Berlin zurück.
Berufsorientierung im Berlin der Nachkriegszeit
Becker-Ambrock beginnt eine Schneiderlehre, die sie 1947 zugunsten einer Anstellung bei einem Berliner Kunstverlag aufgibt. 1948 wird sie von der Schauspielschule des Deutschen Theaters angenommen, nebenbei synchronisiert Marga Becker-Ambrock bei der DEFA (Deutsche Film AG, volkseigenes Filmstudio der DDR) und hat mehrere kleine Auftritte in diversen Spielfilmen. Des Weiteren erhält sie ein Engagement als Schauspielerin am Stadttheater Gera, das sie aber aufgibt, um ihre an Krebs erkrankte Mutter in Berlin pflegen zu können. Von 1950 bis 1995 arbeitet Marga Becker-Ambrock als Rundfunksprecherin beim RIAS Berlin, als Fernseh-Ansagerin und synchronisiert Werbefilme.
Niederschrift der Erinnerungen
Ausgelöst durch die Lektüre von Walter Kempowskis Tadellöser & [...] Continue Reading…
„Die Erinnerung ist wie ein seelisches Organ, das die Vergangenheit verdaut und uns hilft, mit dem, was war, ganz gut leben zu können.“
Thomas Brussig
(* 19. Dezember 1962)
Am 19.12.1965 kommt Thomas Brussig in Ost-Berlin zur Welt. 1971 wird er eingeschult, von 1981 bis 1984 macht er eine Beraufsausbildung zum Baufacharbeiter, die er mit Abitur abschließt. Er absolviert seinen Grundwehrdienst und geht wechselnden Tätigkeiten nach, u.a. als Tellerwäscher, Möbelträger, Fabrikarbeiter, Reiseleiter, Fremdenführer, Museumspförtner und Hotelportier. Nebenbei schreibt er an seinem ersten Roman Wasserfarben, der 1991 veröffentlicht wird. 1990 beginnt Brussig ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin, das er nicht abschließt, weil er 1993 an die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ nach Potsdam-Babelsberg wechselt. 1995 gelingt Thomas Brussig mit seinem Mauerfall-Roman Helden wie wir der Durchbruch als Schriftsteller. 1999 erscheint ein weiterer Bestseller, die Mauerkomödie Am kürzeren Ende der Sonnenallee, die auf dem Drehbuch des Kinoerfolgs Sonnenallee von Leander Haussmann basiert. 2000 macht Thomas Brussig seinen Abschluss als Diplom-Film- und Fernsehdramaturg. Zwischen 1997 und 2001 arbeitet er mit dem Filmemacher Edgar Reitz an der Fortsetzung der „Heimat“-Saga, die 2004 bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt wird. Thomas Brussig lebt in Berlin-Schöneberg und in Mecklenburg.
Zum Werk:
Thomas Brussig beschäftigt sich in [...] Continue Reading…
Veröffentlicht von Zeitzeuge am 28. April 2009
„Heute liest nur noch, wer es nicht lassen kann“
Christoph Hein
(* 8. April 1944)
Christoph Hein kommt am 8. April 1944 als Sohn eines Pfarrers im schlesischen Heinzendorf zur Welt. Nach Kriegsende zieht die Familie nach Bad Düben bei Leipzig. Als Sohn eines Pfarrers wird ihm in der DDR der Zugang zum Gymnasium verwehrt, darum geht er 1958 nach Westberlin, wo er als Internatsschüler ein humanistisches Gymnasium besucht. Nach dem Bau der Mauer 1961 bleibt er in der DDR und arbeitet als Kellner, Journalist, Buchhändler, Montagearbeiter, Schauspieler und Regieassistent.
1964 macht Christoph Hein sein Abitur an einer Abendschule. Daraufhin beginnt er, an der Universität Leipzig Philosophie und Logik zu studieren und schließt das Studium 1971 an der Humboldt Universität in Berlin ab.
Christoph Hein wird unter der Leitung von Benno Besson Dramaturg an der Volksbühne Berlin. 1974 wird er dort als Hausautor fest angestellt.
Arbeit als freier Schriftsteller
1979 verlässt Christoph Hein die Volksbühne, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. Er schreibt zunächst Theaterstücke und fertigt Features für den Rundfunk und Übersetzungen an.
Der Durchbruch gelingt Hein 1982 mit der Novelle Der Fremde Freund, sowohl in Ost-, als auch in Westdeutschland, wo das Werk unter dem Titel Drachenblut erscheint.
Christoph Hein ist ein kritischer Autor, der [...] Continue Reading…
Veröffentlicht von Zeitzeuge am 20. April 2009
„Mit den Lebensjahren beginnen die frühen Erinnerungen langsam zu verblassen, wenn es keine Gespräche im Familienkreise mehr gibt und keine gemütliche Beschaulichkeit in der warmen, dämmrigen Stube, wo die Alten den Jungen und den Allerjüngsten in der Blauen Stunde aus ihrem Leben erzählen.“
Dieter Rendschmidt
(*22. Mai 1938)
Dieter Rendschmidt wird 1938 in Berlin geboren.
Bis 1942 lebt er in Müggelheim, dann zieht seine Familie angesichts des immer bedrohlicher werdenden Bombenkrieges zu den Großeltern nach Ostpreußen in das Dorf Gumbinnen. 1944 flieht die Familie vor der nahenden Ostfront weiter ins Sudetenland nach Ritschka. Im gleichen Jahr wird Rendschmidt eingeschult. Nach Ende des Krieges kehrt Familie Rendschmidt zu Fuß nach Berlin zurück. Dort ziehen sie zunächst bei den Eltern seines Vaters in der Müggelheimer Straße in Köpenick ein, bis sie sich wieder in Müggelheim niederlassen.
Dieter besucht die Müggelheimer Grundschule. 1946 kehrt sein Vater aus britischer Kriegsgefangenschaft heim. Während der Berlin-Blockade 1948 schmuggelt Dieter Lebensmittel aus der sowjetischen Besatzungszone zu Verwandten. 1949 stirbt sein jüngerer Bruder Günter an Scharlach. 1953 wechselt Dieter Rendschmidt an die Eichendorff-Oberschule.
1957 wird sein Vater wegen Verdacht auf Spionagetätigkeiten von der Stasi verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, was die Familie in finanzielle Nöte bringt. Im gleichen Jahr besteht Rendschmidt [...] Continue Reading…
Veröffentlicht von Zeitzeuge am 16. April 2009
„Was für eine vorzügliche Einrichtung, dass die Gedanken, nicht als sichtbare Schrift, über unsere Stirne laufen.“
Zur Eröffnung des Blogs möchte ich eine berühmte Berliner Zeitzeugin vorstellen. Und aus gegebenem Anlass (20 Jahre Mauerfall) fällt die Wahl nicht schwer und deshalb auf eine der wichtigsten Autorinnen deutscher Literatur:
Christa Wolf
(*18. 03. 1929)
Sie wird am 18. März 1929 als Tochter des Kaufmanns Otto Ihlenfeld und seiner Frau Herta in Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski, Polen) geboren. Sie hat einen drei Jahre jüngeren Bruder.
In Landsberg an der Warthe besucht sie bis kurz vor Kriegsende die Schule. Nach der Vertreibung durch die anrückende Rote Armee findet die Familie 1945 vorerst in Gammelin (Mecklenburg) eine neue Heimat. 1947 ziehen die Wolfs nach Bad Frankenhausen (Thüringen), wo Christa zwei Jahre später die Oberschule mit dem Abitur beendet. Im selben Jahr wird sie Mitglied in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), in der sie bis Juli 1989 Mitglied bleibt. Von 1949 bis 1953 studiert sie in Leipzig und Jena Germanistik. Ihre Diplomarbeit schreibt sie über Hans Fallada.
Im Jahr 1951 heiratet sie den Schriftsteller Gerhard Wolf. Ein Jahr später wird ihre erste Tochter (Annette) geboren, vier Jahre später ihre zweite Tochter Katrin (‘Katinka‘).
Die ersten Veröffentlichungen
Nach dem [...] Continue Reading…
Veröffentlicht von Zeitzeuge am 15. April 2009
Zeitzeugen aus Berlin
Dieses Blog widmet sich den Berliner Zeitzeugen.
Den Menschen, die Berlin erlebt haben.
Sie erzählen uns ihre eigene und die Geschichte(n) dieser Stadt.
Zeitzeugen sind die lebendigen Geschichtsbücher, die nicht objektiv steril berichten, sondern ihre Sicht, ihre Empfindungen, ihr Leben auf historische Ereignisse schildern.
Sie lassen uns teilhaben an der Zeit des Nationalsozialismus, dem Krieg, dem Aufbau, den gesellschaftlichen Umwälzungen, dem Leben mit und dem Leben nach der Mauer, die Rückkehr des Bundestages…
In der Hauptstadt Berlin erlebt man viel, denn schon immer war sie eine der wichtigsten Metropolen dieser Welt, ständig im Wandel, ständig im Fokus und niemals ruhig…
Ich wünsche allen Berlinern und Nicht-Berlinern Gute Unterhaltung und hoffe auf rege Beteiligung.
(Gerne stelle ich auch ihre eigenen Geschichten hier ein.)
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