Jahrhundertbus 2012

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 1. April 2012

Der Jahrhundertbus 2012 des Projektes “Gedächtnis der Nation” steht in den Startlöchern. Im April beginnt die Tour vom Jahrhundertbus 2012 quer durch Deutschland. Nach der erfolgreichen Tour 2011 zum Thema “Leben im geteilten Deutschland”, hat sich der Jahrhundertbus 2012 einem neuen und noch sehr aktuellen Thema angenommen. Der Jahrhundertbus 2012 steht ganz im Zeichen der Migration mit dem Titel “Leben in der Neuen Heimat”.

Jahrhundertbus 2012 – “Leben in der Neuen Heimat”

Das diesjährige Thema des Projektes betrifft eine Vielzahl an Migranten. Der Jahrhundertbus 2012 macht dabei keinen Unterschied zwischen politischen Flüchtlingen aus dem Kosovo oder italienischen Gastarbeitern, die bereits seit über 50 Jahren in Deutschland leben. Jeder von ihnen ist gleichermaßen von der Thematik betroffen und hat dem Jahrhundertbus 2012 eine Geschichte zu erzählen. Doch nur selten kommen diese 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund zu Wort. Der Jahrhundertbus 2012 gibt ihnen nun die Möglichkeit dazu. Ihre Geschichte ist schließlich auch ein Teil unserer Geschichte. Durch den Jahrhundertbus 2012 sollen ihre Erinnerungen und Eindrücke festgehalten werden und dabei helfen zu vermitteln, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land positiv empfangen zu werden und sich nach und nach heimisch zu fühlen. Die Zeitzeugen zeigen aber auch die Schattenseiten des Migrantendaseins auf und wie man mit Vorurteilen und Anfeindungen lernen kann umzugehen.

 JahrhuJahrhundertbus 2012ndertbus 2012 – Die Tour

Der Startschuss ist am 16. April 2012 in Mainz. Dann geht es am 23. April für fünf Tage hoch nach Frankfurt am Main. Schließlich geht es am letzten Tag des Monats weiter nach Offenbach am Main. Voraussichtlich ab dem 07. Mai 2012 bewegt sich das mobile Aufnahmestudio nach Wiesbaden. Im Anschluss geht die Tour am 14. Mai runter nach Darmstadt. Die letzte Station, die der Bus anfahren wird, ist die Stadt Gießen am 21. Mai. All diejenigen, die das Projekt “Gedächtnis der Nation” durch ihre Erinnerungen unterstützen möchten, um so der jungen Generation ein Stück Geschichte greifbar zu machen, können sich gerne auf der Webseite von “Gedächtnis der Nation” melden und an der Jahrhundertbus 2012 Tour teilnehmen.

Bildquelle: pragenturhamburg.de

Zeitzeugencafé zum online Nachhören

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 28. March 2012

Zeitzeugencafé zum online Nachhören

Die Gedenkstätte der Berliner Mauer bietet derzeit die Möglichkeit, auf der Internetseite ab sofort die Mitschnitte aus dem jeweiligen Treffen des Zeitzeugencafés nachzuhören. Dieses bietet sich vor allem für Menschen an, die selbst nicht an dem Treffen teilnehmen konnten. Aber auch das Hören der Mitschnitte im Unterricht scheint eine interessante Möglichkeit darzustellen. Die Veranstaltung findet regelmäßig in Berlin statt und wird teils von Geschichtsinteressierten, Familienmitgliedern der Zeitzeugen vom Mauerfall und auch von Touristen besucht.

Zeitzeugencafé vom 26.02.2012

Regina Cécilie Albrecht und Eckard Albrecht sind zwei Zeitzeugen, deren Liebe Grenzen überschreiten konnte. Auf einem Ost-West-Klassentreffen verliebten sich die beiden ineinander. Von nun an schrieben sie sich regelmäßig Liebesbriefe, die jedoch von der Stasi entdeckt wurden. 1968 versuchen sie, sich in Prag zu treffen; Regina Vonsien wird jedoch in Haft genommen. 1971, nach einem dritten Anlauf, gelingt Regina Vonsien die Flucht aus der DDR in dem Tank eines Fluchtautos.

Zeitzeugen vom 18.03.2012

Klaus Abraham und Dietrich Webner berichten von ihrer Zeit als Feuerwehrmänner. Mit dem Beginn des Baus der Berliner Mauer am 13.08.1961 helfen Sie mit Sprungtüchern Flüchtenden bei ihrem Fluchtversuch aus ihrer Wohnung in der Bernauer Straße zu springen. Die Geschichten der beiden könnten so online nachgehört werden.

Wer also nicht die Chance hat, das Zeitzeugencafé zu besuchen, hat so eine angenehme Möglichkeit dazu im Internet.

Bildquelle: Lorenz Teschner, Wikipedia

Zeitzeugengespräch

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 19. March 2012

Im Zeitzeugengespräch stehen Personen im Zentrum, die von ihren persönlichen und subjektiven Erlebnissen und Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit berichten. Das Zeitzeugengespräch ist vielen Menschen aus den gängigen Dokumentationsformaten im Fernsehen bekannt. Jedoch wird das Zeitzeugengespräch auch von Wissenschaftler als Methode der Oral History angewendet.

Zeitzeugengespräch: “Oral History”

ZeitzeugengesprächSeit Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wird das Zeitzeugengespräch auch von Historikern zur Aufarbeitung der Geschichte und zur Sicherung von Informationen verwendet. Anfangs wurde diese Methode der “mündlichen Geschichte” nur belächelt, da sie nicht als objektiv und wissenschaftlich abgesichert galt. Im Vordergrund von einem Zeitzeugengespräch stehen die subjektiven Erfahrungen der Personen. Im Zeitzeugengespräch werden von den Wissenschaftlern und TV-Moderatoren meist spezielle Fragetechniken eingesetzt, um das Interview zu lenken. Diese Methode steht jedoch teilweise in der Kritik, da das Zeitzeugengespräch in eine bestimmte Richtung gedrängt werden kann.

Zeitzeugengespräch: “ein paar Tipps zur Planung”

Zeitzeugengespräch Oral HistoryFür ein Zeitzeugengespräch sollten einige Punkte beachtet werden. Beispielsweise ist der jeweilige Rahmen der Untersuchung miteinzubeziehen. Es ist ein Unterschied, ob Schüler und Schülerinnen als Hausaufgabe ein Zeitzeugengespräch durchführen sollen oder ein Video-Team mit Kamera Aufnahmen machen möchte. Dementsprechend sind für Räumlichkeiten zu sorgen. Beispielsweise kann auf die Wohnung des Zeitzeugen oder ein Studio zurückgegriffen werden. Die Wohnung bietet den Vorteil, dass sich der Befragte in einer sicheren Umgebung fühlt und so eher Informationen zu seinen Erfahrungen mitteilen wird. Unabdingbar ist es, dass der Interviewer sich bereits vorher eingehend mit der Thematik beschäftigt und sich bestimmte Fragestellungen bereits überlegt hat. Jedoch bietet ein freies Gespräch durchaus die Möglichkeit, spontan auf die Schilderungen seines Gegenübers einzugehen und so weitere interessante und detaillierte Informationen zur Historie zu erlangen. Natürlich sind die Äußerungen des Befragten niemals wertfrei und immer vor dem Hintergrund des subjektiven Empfindens und der Verfälschung durch das Gedächtnis zu betrachten.

Das Durchführen eines Zeitzeugengesprächs sollte jedenfalls gut geplant sein.

Foto 1: DanieleCivello von flickr
Foto 2: oddsock von flickr

Oral History Kritik

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 16. February 2012

Viele Forscher haben sich bereits mit der Oral History Kritik beschäftigt. Obwohl sich die Zeitzeugenforschung zunehmender Beliebtheit erfreut, existieren grundsätzlich unterschiedliche Formen der Oral History Kritik. Die Oral History Kritik bezieht sich vorrangig auf die Probleme, die Interviews mit Zeitzeugen und deren Erinnerungen mit sich bringen.

Oral History KritikOral History Kritik – Entwicklung

Mittlerweile ist die Oral History Kritik weitgehend diskutiert worden. Die Methode hat sich den diskutierten Schwachpunkten der Oral History Kritik bereits angenommen. Heute werden die gewonnenen neuen Erkenntnisse vorerst mit anderen Quellen verglichen und einer umgehenden Überprüfung unterzogen.

Oral History Kritik – Pro-Argumente

Die Oral History Kritik vernachlässigt oftmals, dass erst durch Erinnerungen historische Zusammenhänge erschlossen werden können, wenn Dokumente und schriftliche Aufzeichnungen fehlen. Auch können Zeitzeugen als bedeutende Quelle dienen, wenn beispielsweise die offiziellen Darstellungen von einer Diktatur stammen. Denn auch schriftliche Dokumente können nicht als wertfrei und objektiv angesehen werden.

Oral History Kritik – Contra-Argumente

Die Oral History Kritik umfasst sehr unterschiedliche Aspekte, das sie die Schwachpunkte der Arbeit mit Erinnerungen aufnimmt:

  1. Das Gedächtnis ist keine vollständig zuverlässige Informationsquelle, so die Oral History Kritik. Die Erinnerungen sind außerordentlich selektiv und wertend. Inhalte können ausgeblendet werden, unabhängige Sachverhalte in einen Zusammenhang gestellt oder einzelne Erinnerungen abstrahiert werden.
  2. Fragt man mehrere Zeitzeugen zu einem Thema, stellt sich schnell heraus, dass sie zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
  3. Die Befragten können durch den Interviewpartner beeinflusst werden. Der Interviewer kann unbewusst einen normativen Druck ausüben, sodass es zur Verfälschung der Aussagen kommt.
  4. Der Zeitpunkt der Erzählung findet häufig 30 Jahre oder 10 Jahre nach den Erlebnissen statt.
  5. Ein standardisierter Fragekatalog, wenn angewendet, und bestimmte Frageformulierungen schränken die Variabilität der Antworten sehr ein.
  6. Oral History Kritik MannDer Historiker ist selbst am Prozess der Produktion seiner eigenen Quellen beteiligt, sodass die objektive Überprüfbarkeit der Ergebnisse unsicher erscheinen muss.
  7. Der Kontakt zu den Zeitzeugen erfolgt meist indirekt. Dass er selbst den Kontakt zum Forscher sucht ist eher selten, was wiederum einen Aufschluss über dessen Persönlichkeit zulässt.
  8. Der hohe Aufwand für ein Gespräch lohnt sich mitunter nicht. Daher sollte vorher gut überlegt werden, wie relevant das Interview für die Hypothesen ist.

Insbesondere aus diesen Gründen ist es notwendig, dass Zeitzeugengespräche gründlich geplant werden, da von der erhofften Authentizität andernfalls nichts übrig bleibt. Die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema – das ist der Verdienst der Oral History Kritik.

Foto 1: Horia Varlan
Foto 2: Yandle

Zeitzeugen berichten

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 13. February 2012

Zeitzeugen berichten aus der Vergangenheit und helfen dabei, die Vergangenheit aufzuarbeiten und neue Perspektiven einzunehmen. Ihre Sichtweisen sind überaus wichtig für die Geschichtsforschung, denn Zeitzeugen berichten aus ihren persönlichen Erinnerungen und Zeitzeugen berichten insbesondere über ihre persönlichen Erlebnisse.

Zeitzeugen berichten – Oral History

Zeitzeugen berichtenZeitzeugen berichten innerhalb der so genannten Oral History. Diese Methode wird etwa seit den 60er Jahren vermehrt in der Geschichtsforschung angewendet und ist der Mehrheit der Bevölkerung mittlerweile auch im Zusammenhang mit Fernseh-Dokumentationen bekannt. Natürlich lassen sich historische Aufarbeitung und filmische Arbeit nur bedingt vergleichen. Die Zeitzeugen berichten in den Interviews von ihren Erfahrungen. Meist verwenden die Interviewer spezielle Fragetechniken, um zu den Informationen zu gelangen. Dennoch müssen alle Informationen, von denen die Zeitzeugen berichten, kritisch hinterfragt werden. Besonders wichtig ist es, andere Quellenarten hinzuzuziehen, um die Aussagen zu vergleichen und eventuell zu relativieren. Die Erlebnisse, von denen die Zeitzeugen berichten, können nur bis zu einem bestimmten Grad als vertrauenswürdig und unverfälscht angenommen werden. Oft unterliegen sie Manipulationen, sind unvollständig oder entsprechen einfach nicht den realen historischen Ereignissen.

Zeitzeugen berichten im Internet

Zeitzeugen berichten alter MannMittlerweile existieren eine Reihe von Portalen und Archiven, in denen die Zeitzeugen berichten. Auf diesem Blog finden Sie ebenfalls eine Sammlung von Zeitzeugenberichten. Das Projekt “Gedächtnis der Nation” bietet derweil schon eine riesige Auswahl an Erzählungen von Zeitzeugen als Videos. Die Interviews beziehen sich auf die Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Ein Großteil der Filmaufnahmen ist vom ZDF gestiftet worden und wird jährlich durch weitere Videos im Jahrhundertbus, der durch ganz Deutschland führt, ergänzt. Jeder, der seiner Nachwelt seine persönlichen Erfahrungen hinterlassen möchte, ist eingeladen, bei diesem Projekt mitzumachen und seine subjektiv erlebten Geschichten zu erzählen. Interessierte können mit dem Projektverantwortlichen in Kontakt treten und zu den unterschiedlichsten Themen, ob Kindheit im Nationalsozialismus, Leben in der DDR oder auch jüngere Historie, vor laufender Kamera berichten.

Die Erinnerungen der Oral History an die Geschehnisse sind mitunter verklärt und keineswegs objektiv, da Zeitzeugen unter dem Einfluss ihrer Zeit berichten.

Foto 1: h.koppdelaney von flickr
Foto 2: born.to.be.mild von flickr

Oral History

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 4. February 2012

Erst seit den 60er Jahren wird Oral History praktiziert. Aber die mündliche Weitergabe von Informationen zur Geschichte existiert seit jeher. Bei Oral History werden zu meist ältere Menschen systematisch nach ihren Erinnerungen an bestimmte Ereignisse und Personen befragt. Oral History wird von Historikern genutzt, aber auch von Ethnologen, Soziologen und auch Nicht-Wissenschaftlern, beispielsweise im Fernsehen für Dokumentationen oder von Lehrern im Schulunterricht.

Oral HistoryOral History als Methode

Oral History heißt im Englischen “Mündliche Geschichte” und wird teilweise auch als Erfahrungsgeschichte bezeichnet. Sie ist eine hermeneutische Methode, um mündliche Quellen von Zeitzeugen zu produzieren. Gelegentlich wird jedoch nicht nur die Methode, sondern auch der Quellentyp als Oral History bezeichnet. Das Forschungsobjekt der Oral History sind die persönlichen und subjektiven Erfahrungen von Zeitzeugen und ihr Umgang mit der Historie. Diese werden mithilfe eines Zeitzeugeninterviews abgerufen. Ursprünglich beruht Oral History auf der reinen Erzählung des Zeitzeugen. Um effizienter zu arbeiten, verwenden die Wissenschaftler häufig bestimmte Fragetechniken.

Oral History lässt sich einerseits als eigene Forschungsrichtung deuten. Meistens wird sie jedoch als Methode in einer größeren Forschung angewendet. Als Forschungsmethode dient sie dort überall als Informationsquelle, wo beispielsweise schriftliche Quellen zerstört worden sind oder die Zeitzeugen unentdeckt handeln mussten. Im Fokus der Interviews stehen häufig Personen aus der Unterschicht, die andernfalls ihre Erfahrungen nicht hätten schildern können. Somit wird Geschichte von “unten” produziert, obwohl natürlich auch wichtige geschichtliche Persönlichkeiten im Interesse der Forscher stehen.

Oral History MannEntwicklung der Oral History

Zum Beginn der Oral History diente sie vor allem als Ersatz für fehlende Schriftstücke. Vor allem die Entwicklung des Kassetten-Rekorders in den 1970er Jahren machte die neue Form der Geschichtsschreibung möglich. Zu Beginn interessierte die Forscher in Deutschland vor allem die Geschichten der Verfolgten des Nationalsozialismus. Heute rückt die Zeit des DDR-Regimes in den Fokus der Untersuchungen.

Oral History ist eine wichtige Methode, um Wissen und Erfahrungen der vergangenen Generationen zu konservieren und für die Nachwelt zugänglich zu machen. Die Arbeit der Methode Oral History ist überaus bedeutend.

Foto 1: ukg.photographer von flickr
Foto 2: h.koppdelaney von flickr

Der Tod der Zeitzeugen

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 10. January 2012

Der Tod der Zeitzeugen stellt ein großes Problem in der Geschichtsforschung dar. Besonders der Tod der Zeitzeugen, die zur Zeit der Nationalsozialismus gelebt haben, beeinflusst die kollektive Erinnerung in Deutschland. Durch den Tod der Zeitzeugen wird die Kommunikation über die Vergangenheit unterbunden. Die Zeitzeugen sterben und damit auch ihre Erinnerungen. Sie haben die Vergangenheit als Beteiligte erlebt und nur sie können durch ihre Berichte die nachfolgenden Generationen bereichern. Das kommunikative Gedächtnis wird damit gravierend durch den Tod der Zeitzeugen beeinflusst.

Tod der Zeitzeugen beeinflusst das kommunikative Gedächtnis

Tod der ZeitzeugenDas kommunikative Gedächtnis wird auch Generationsgedächtnis genannt. Es umfasst alle Erinnerungen von Zeitzeugen, die kommunizierbar sind. Diese kollektive Erinnerung umfasst in etwa 80 Jahre. Nur noch wenige Großeltern können heute noch ihren Enkeln als direkte Zeitzeugen von ihrer Erlebnissen während des NS-Regimes und des 2. Weltkrieges berichten. Die Nachkriegsgeneration konnte während ihrer Jugend aus den Erzählungen der Eltern lernen. Jedoch nur so lange wie sie lebten. Mit dem Tod der Zeitzeugen versiegt diese Informationsquelle. Das Erzählen des Vergangenen muss der Erinnerung an die Stimme und den früheren Erzählungen des Zeitzeugens weichen, der von der Vergangenheit berichtet hat. Ist der Tod des Zeitzeugen vor seinen mündlichen Erzählungen eingetreten, so ist die einzige Möglichkeit, Informationen zu erhalten, die schriftliche Ausführung seiner Erlebnisse. Mitunter lassen sich Briefe, Tagebücher oder ein Notizheft des Zeitzeugen als Quelle finden. Diese lassen sich jedoch keineswegs mit der Authentizität der Zeitzeugen vergleichen.

Tod der Zeitzeugen erschwert Oral History

Die frühere Geschichte ist für die Nachwelt nur schwer zu verstehen. Der Tod der Zeitzeugen stellt die Wissenschaftler vor ein neues Problem. Mit dem Tod der Zeitzeugen wird die Methode der Oral History unmöglich, da der Zeitzeuge nicht mehr für ein Interview zur Verfügung stehen kann. Zeitzeugen berühren Gefühle – mehr als ein Dokument. Mit dem Sterben der Opfer und Täter des Nationalsozialismus wird die Präsenz der Grausamkeiten in den Köpfen der Menschen immer weiter schwinden.

Zeitzeugen der nächsten Generation

Wie aufgezeigt, stellt der Tod der Zeitzeugen die Wissenschaftler vor neuen Herausforderungen, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Es sollte nicht versäumt werden, die noch heute lebenden Zeitzeugen auch zu Themen wie Mauerbau, Kalter Krieg und DDR zu befragen. Andernfalls wird uns auch dieser Tod der Zeitzeugen einholen.

Fernsehzeitzeugen

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 6. January 2012

Fernsehzeitzeugen sind ein grundlegendes Element jeder historischen Dokumentation im deutschen Fernsehen. Sie sind glaubhaft, sie sind real und sie machen die Dokumentation erst attraktiv für den Zuschauer. Sind Fernsehzeitzeugen also nur eine mediale Inszenierung, um die Einschaltquoten zu erhöhen? Diesen Verdacht äußert Wulf Kansteiner in einem in der Zeit erschienenen Artikel (02.01.12).

Von Oral History zu Fernsehzeitzeugen

Interview im Jahrhundertbus

Interview im Jahrhundertbus

Zeitzeugen erscheinen in der Geschichtsforschung zu einem relativ späten Zeitpunkt, in den 80er  und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, unter der Methode der Oral History. Anfänglich gelten Zeitzeugen  als unwissenschaftlich. Eine Interview-Methode muss erst noch entwickelt werden. Als Fernsehzeitzeugen haben sie es in das Fernsehprogramm erst durch die Etablierung der Oral History geschafft. Für die Filmproduzenten sind die Fernsehzeitzeugen zu einer zentralen Informationsquelle und einem stilistischen Mittel geworden.
Die Fernsehzeitzeugen haben mit den Zeitzeugen von Oral-History-Projekten wenig gemein.

Unterschied der Fernsehzeitzeugen zur Oral History

Im Vordergrund der TV-Dokumentationen steht der reine Unterhaltungsaspekt der Zeitzeugen. Die Geschichte soll spannend erzählt werden, um sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Die Filmemacher müssen die Aussagen der Fernsehzeitzeugen und die historischen Tatsachen auf einen Nenner bringen. Dabei arbeitet der Fernsehzeitzeuge als Vermittler zwischen Fernsehzuschauer und Filmemacher, indem er die historischen Ereignisse anschaulich beschreibt. Im Gegensatz zur Forschung greifen die Filmemacher öfters in die Überlegungen der Fernsehzeitzeugen ein und provozieren sie teilweise, um zu dramatischen Aussagen zu gelangen. Zudem steht im Zentrum der Interviews das weltbewegende Ereignis selbst und nicht die Lebensgeschichte des Fernsehzeitzeugen, dessen Aussagen an passender Stelle eingeblendet werden.

Fernsehzeitzeugen: reine Inszenierung?

Lässt sich also von einem “Missbrauch” der Oral History in den Massenmedien sprechen?

Bis zu einem gewissen Grad kann von einer bewussten Inszenierung der Fernsehzeitzeugen für die Zuschauer ausgegangen werden. Entertainment-Fernsehen prägt das Bild der privaten und mittlerweile auch öffentlich-rechtlichen Sender.

Jedoch wird oft vernachlässigt, dass Dokumentationen einen bedeutenden Beitrag zur Suche nach Zeitzeugen und Material leisten können. Mitunter werden Zeitzeugen durch das Fernsehen überhaupt erst befragt oder bisher unentdeckte Dokumente stehen von da an der Forschung zur Verfügung. Damit lassen sich Fernsehzeitzeugen nicht nur als reine Medienfiguren betrachten, sondern sie können einen Beitrag zur Klärung der Geschichte liefern.

Bildquelle: www.pragenturhamburg.de

Geschichte einer DDR-Flucht

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 23. November 2011

Peter Keup sprach im Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Herne vor 80 Schülern über sein Leben und seine DDR Flucht. Die Schüler hören dem Zeitzeugen gebannt zu, der Stasi-Gefangener war und dessen DDR Flucht scheiterte.

Geschichte einer DDR-Flucht

Die DDR Flucht von Peter Keup

Das Interesse an der Teilnahme des Zeitzeugen-Gesprächs war enorm. Es mussten 80 Schüler ausgelost werden, weil das Interesse so groß war und der Unterrichtsraum zu klein. Peter Keup bereitete seine DDR Flucht vor, indem er sich 80 D-Mark in die Kleidung einnähte, um dann über die Tschechoslowakei und Ungarn nach Österreich zu reisen. Auf Fragen der Schüler, wie viele Leuten er in seinen DDR Flucht Plan eingeweiht hätte, gab Herr Keup an, dass es nur seine Mutter und seine Freundin wussten. Er konnte es sonst niemanden sagen, weil sie alle wegen Mitwisserschaft an einer DDR Flucht dran gewesen wären.

Wie es zur DDR Flucht von Peter Keup kam

Heute ist Peter Keup 53 Jahre alt. Vom Mauerbau hatte er als Kind wenig wahrgenommen, aber er hat viel von seiner Jugend in der DDR in Radebeul bei Dresden zu berichten. Er sprach von seinem Schulalltag und dem Jeans-Verbot. Vor allem schilderte er, wie er das ganze System immer weniger aushalten konnte und von einer DDR Flucht träumte, zu der er sich letztendlich entschloss. Peter Keup war damals Profitänzer in der Nationalmannschaft der DDR. Der Staat ließ ihn nicht dort tanzen, wo er wollte. Als ihm eine Teilnahme an einem Turnier in Österreich untersagt wurde, war für ihn die DDR Flucht eine unumgängliche Sache.

Das Scheitern der DDR Flucht

Peter Keup wurde an der Grenze zur Tschechoslowakei festgenommen. Zwei Tage lang wurde er von der Stasi verhört. Die Vernehmung wurde so unerträglich, dass Keup schließlich die DDR Flucht gestand. Er saß neun Monate in Haft, teilweise auch isoliert. Letztlich kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland für 40 000 Mark frei. Peter Keup wurde 1982 aus dem Gefängnis entlassen und konnte in die BRD nach Essen ausreisen. Das war das Ende einer DDR Flucht, die eine interessante Geschichte für einen Film hätte bieten können.

Zeitzeugen befragen

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 16. November 2011

Zeitzeugen befragen

Zeitzeugen sehen ein Ereignis aus ihrem subjektiven Blickwinkel. Viele wichtige Einzelheiten werden vergessen. Deshalb sollte man nach einem Interview mit einem Zeitzeugen das Material immer mit dem von anderen Befragten und Informationen aus Büchern und dem Internet vergleichen. Das Befragen von Zeitzeugen ist eine anspruchsvolle Aufgabe und hier sind einige Tipps, wie man am besten dabei vorgeht. Es gibt nichts Interessanteres als von Zeitzeugen lebendig erzählte Geschichte. Ein Mensch, der bei einem bestimmten Ereignis dabei war, kann viel spannender berichten, als das beste Buch es vermag.

Tipps zur Befragung von Zeitzeugen

Das Gespräch mit einem Zeitzeugen sollte nach Möglichkeit in dessen Wohnung stattfinden, da es Menschen in ihrer vertrauten Umgebung leichter fällt, sich zu äußern. Man sollte im Thema fit sein und sich vorher gut informiert haben. Am Anfang des Treffens mit dem Zeitzeugen steht eine freundliche Begrüßung und die Frage, ob es erlaubt sei, ein Foto zu machen und ein Aufnahmegerät mitlaufen zu lassen.

Auswertung des Zeitzeugen-Interviews

Zunächst sollte man die Ereignisse sortieren und alles zusammenschreiben, was der Zeitzeuge zu einem bestimmten Punkt gesagt hat. Nun empfiehlt es sich, die Antworten mit Informationen aus Büchern und dem Internet zu vergleichen und auch mit den Antworten anderer Zeitzeugen. Das Ergebnis kann dann zum Beispiel in Form einer PDF-Datei mit einem Foto aufbereitet und in Umlauf gebracht werden.

Mögliche Themenbereiche und Fragen für Zeitzeugen

  • Das Ende des Zweiten Weltkriegs: Wie wurde die Vertreibung aus dem Osten erlebt?
  • Die 1950er Jahre in der Schule: Wurde man wirklich von Lehrern geschlagen?
  • Der Bau der Berliner Mauer: Konnten Sie danach noch Kontakt zu Ihren Verwandten in der DDR halten?
  • Die Deutsche Wiedervereinigung: An welchem Ort hielten Sie sich am 9. November 1989 auf?

Dies sind Beispiele zu interessanten Fragen, die man an einem Zeitzeugen stellen kann. Es empfiehlt sich, einen detaillierten Fragebogen zu entwerfen.

Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F081096-0027 / Wienke, Ulrich / CC-BY-SA, Wikipedia


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