Zeitzeugen-Roman über DDR

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 15. December 2011

Zeitzeugen Roman T. SchmidtIm Auftrag des großen Bruders

Gründe des Niedergangs der DDR, ihre militärische Stellung im Warschauer Pakt (Warschauer Vertrag), die Hegemonie der ehemaligen Sowjetunion und damit verbundene Probleme in der Wirtschaft

Die Auswirkungen sind heute noch erkennbar. Die DDR war mit militärischen Standorten übersät und das MfS arbeitete auf Hochtouren. Wie kam es zur flächendeckenden Überwachung?
Verantwortlich für Vorbereitung und den Bau von Militärobjekten mit geringerer Geheimhaltung waren Dienststellen in 13 DDR-Bezirken (Kasernenobjekte, Unteroffiziersschulen, Lager etc.).
In diesem Roman ist auch die ehemalige Unterkunftsabteilung oder UKA Leipzig, Richterstraße 3, als mein ehemaliger Arbeitgeber genannt (Bauvorhaben nur im Bezirk Leipzig).
Atomare Schutzbauwerke wuchsen während des sogenannten Wettrüstens wie Trüffel. Sie waren Führungsobjekte im Kalten Krieg und wären es nach Beginn eines Kernwaffenschlages gewesen. Handlungsorte oder Gebiete mit diesen Bauvorhaben, genannt werden hier nur einige, sind: Tessin, Straußberg/Harnekop, Calau, Fürstenwalde oder Bunker Kossa. Investionen wurden noch 1990 getätigt. Dies war wohl der empfindlichste Schlag ins Kontor der DDR-Wirtschaft.
Zeitzeugen RomanKaum einer wusste von den verbauten Milliarden, zumal militärische Baumaßnahmen zum Teil unter die geheime Verschlusssache fielen und somit nur ein sehr kleiner Personenkreis informiert war. Aus Gründen der Geheimhaltung wurde die Anzahl der verantwortlichen Bearbeiter solcher Vorhaben so gering wie möglich gehalten. Auch Mauer und innerdeutsche Grenze dienten der Geheimhaltung. Die NVA-Dienststelle UKA-2 in Leipzig, mein letzter Arbeitgeber Militärbauwesen, war für die Vorbereitung von Schutzbauwerken bzw. deren Projektierung und Bau als Auftraggeber verantwortlich. Die Gruppe für die Vorbereitung bestand aus sechs Ingenieuren.
Auch volkseigene Betriebe waren in großem Umfang an NVA-Vorhaben bis 1990 eingesetzt. Industrieobjekte oder Sanierungen wurde zu deren Gunsten zurückgestellt.

Klappentext des Buches:
“Thomas Schmidt wird neben der Industrie auch in militärischen Vorhaben der DDR eingesetzt. Bedingung ist, dass keine Kontakte in die Bundesrepublik Deutschland bestehen. Von Abenteuerlust getrieben plant Schmidt, in die BRD auszuwandern. Er gerät in das Blickfeld der Staatssicherheit, doch sein häufiger Arbeitsstellenwechsel als hausgemachte Freiheit macht das Observieren fast unmöglich. Schmidt leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Bauwesen. Die Marschrichtung für seine Tätigkeit als Bauleiter legt der Staat fest. Das erste Objekt ist eines der Landesverteidigung. NVA NeidenIrgendwann erfolgt der Einsatz auf Vorhaben mit besonderer Geheimhaltung. Es handelt sich um die Führungs- und Atombunker der Nationalen Volksarmee. Was die Finanzierung dieser so bedeutsamen Spezialobjekte betrifft, ist sie für das Ende der DDR-Wirtschaft mitbestimmend – die vorhandenen Baukapazitäten werden zum großen Teil für militärische Vorhaben “verheizt”. Schmidt, Geheimnisträger, hängt seinen Job erneut an den Nagel. Somit greift die Staatssicherheit aktiv in sein Leben ein und der Wettlauf mit der Macht beginnt.

Ziel des Romans war es, die Grenze zur erzählerischen Fiktion nicht zu überschreiten. Um das Leben der Menschen in der DDR zu veranschaulichen, werden Fakten in Handlungen und Dialogen aufgezeigt.

Im Auftrag des großen Bruders, ISBN 9783862545513, Autobiografie, AAVAA-Verlag, Berlin

Der Text stammt vom Autor und wurde nur geringfügig geändert.
Die Fotos stammen von Zeitzeuge Thomas Schmidt. Die Rechte am Buch-Cover liegen beim AAVAA-Verlag Berlin – es zeigt den Autor im Alter von etwas über 20 Jahren.

Zeitzeugen-Anthologie

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 9. December 2011

Zeitzeugen-Anthologien sind eine gute Möglichkeit, Zeitzeugnisse einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Zeitzeugen AnthologieEine Zeitzeugen-Anthologie ist ein Sammelwerk, dass die Beiträge mehrerer verschiedener Zeitzeugen in einem Buch oder in einem anderen Medium zusammenfasst.

Das Sammelwerk “Kapitulation und Neubeginn in Deutschland – Persönliche Erinnerungen an die Jahre 1945 bis 1949″ ist eine solche Zeitzeugen-Anthologie, welche die Themen Kriegsende, Beginn des Kalten Kriegs und die Teilung Deutschlands fokussiert. Es werden Beiträge von 15 Zeitzeugen vorgestellt,
die ihre eigenen Eindrücke aus dieser Zeit und ihr persönliches Erleben der allgemeinen Umstände dieser Zeit mitteilen und durch die Veröffentlichung in einer Zeitzeugen-Anthologie konservieren.

Aufgrund der historischen Umwälzungen – Ende der Nazi-Diktatur, der “verlorene” Krieg, Demokratisierung des einen und Sowjetisierung des anderen Teils von Deutschland und der Wiederaufbau – können diese Zeitzeugen die stattfindenden Entwicklungen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und sie erlebbar machen. Es wird nicht immer Zeitzeugen aus dieser Epoche geben, weshalb es wichtig ist, ihre Erinnerungen und Erlebnisse, ihre Empfindungen und Erfahrungen aus jener Zeit festzuhalten und sie der Nachwelt zugänglich zu machen, um sich ein eindringlicheres Bild bestimmter Epochen zu bilden. Da häufig “große Männer” oder “Nationen” und “Institutionen” ein eingeschränktes Bild historischer Wirklichkeit vermitteln, kann eine Zeitzeugen-Anthologie, gerade auch wegen der Vielfalt der Zeugnisse und ihrer Subjektivität, das Bild ergänzen und Sachverhalte und Strukturen veranschaulichen und teilweise erfahrbar machen.

Mit ihren Beiträgen, seien es Erinnerungen, Erlebnisberichte, Betrachtungen, Reflektionen oder der Auszug aus einer Erzählung, haben die Autorinnen und Autoren dieses Bandes dazu beigetragen, ein lebendiges, vielfältiges und zugleich individuelles Mosaik dieser Zeit zu schaffen.

Johann-Friedrich Huffmann (Hrsg.):
Kapitulation und Neubeginn in Deutschland
Persönliche Erinnerungen an die Jahre 1945 bis 1949
Reihe: Anthologien
144 Seiten, Taschenbuch (Paperback)
EUR 10,00 ISBN 978-3-8280-2989-7

Diese Zeitzeugen-Anthologie ist im Frieling-Verlag erschienen.

Roman zur Stasi und DDR

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 4. December 2011

Stasi Roman1“Die Stasi weiß, was ich nicht weiß” ist ein Buch von Felix Reid, welches auch das Thema Zeitzeugenschaft aufgreift. Der Autor hat hierzu  Zeitzeugeninterviews geführt und diese in seinem Roman festgehalten. Insbesondere die Erinnerungen eines Zeitzeugen sind die Grundlage dieses Romans zur DDR Zeit.

Ein solcher Zeitzeugenroman veranschaulicht sehr gut, weshalb Zeitzeugen und ihre Zeugnisse so wichtig sind: weil sie authentisch und aus einer persönlichen Sicht festhalten, wie es zu einer bestimmten Zeit war. Das persönliche Erleben bereichert dabei Fakten und Strukturen und hilft dem Leser, sich in eine bestimmte Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit hineinzuversetzen, wie es ohne die “Methode” der Zeitzeugnisse kaum möglich wäre:

Der wirtschaftskriegerisch motivierte Prozess vor dem Obersten Gericht der DDR gegen Herbert F. Latinsky, einem erfolgreichen Hamburger Kaufmann, hatte nicht viel mit einem Strafprozess im üblichen Sinn gemein. Das ganz besondere Interesse an dieser Art der Schauprozesse und ihrer politischen Instrumentalisierung wird bereits an der Tatsache deutlich, dass der Generalstaatsanwalt der DDR am 06.10.1967 unmittelbar an Erich Honnecker berichtete und die Urteile dann propagandistisch verwertet wurden.

So wird das Buch “Die Stasi weiß, was ich nicht weiß” vorgestellt. Die Fakten dienen dabei als Rahmen und dieser Prozess, der in den 60er Jahren Aufsehen erregte, ist  Kern dieses Buches, dessen Aufgabe nicht die juristische Nachlieferung von Antworten auf die Frage, was denn nun die Wahrheit gewesen sei, liefern soll. Vielmehr stehen die bemerkenswerten Erlebnisse eines Mannes im Vordergrund, der in das Räderwerk der Untersuchungsorgane der DDR geriet. Felix Reid schildert aus langen Gesprächen die Erinnerungen des 91-jährigen an die Verhöre, die Behandlung in den verschiedenen Haftanstalten, die Auseinandersetzungen mit den Stasioffizieren. Dagegen setzt er, ohne weitere Kommentierung, Auszüge aus den Akten zu Gerichtsverfahren, aus den Stasiakten und weitere Dokumente.

Dieses Buch ist damit nicht nur ein einzigartiges Zeitzeugnis der Stasiverhöre, der politischen Justiz, sowie der Haftbedingungen, sondern auch der deutsch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen der 50iger und 60iger Jahre. Neben den menschlichen Aspekten solcher Verhöre und dem Zerstören jeglicher Perspektive des Opfers, wird auch der Aufstieg des Herbert Latinsky zu einem erfolgreichen Kaufmann im Rückblick geschildert, seine Vernetzung in die Hamburger Gesellschaft und seine Kontakte zu dem Kaffee-Unternehmer Darboven, dem Flugzeugproduzenten Bölkow und anderen Wirtschaftsgrößen der 50iger und 60iger Jahre.

Felix Reid ist Kommunikationswissenschaftler und Autor aus Hamburg, der mit seinen 32 Jahren die Zeit nicht selbst erlebt, aber den Fall gut recherchiert hat. Er schafft es durch die unaufdringliche Wiedergabe des Sprechstils von Herbert Latinsky mit seinen authentischen Reflektionen, Wiederholungen, aber auch Ungereimtheiten und menschliche Unzulänglichkeiten, ein eindrucksvolles Bild von Menschen, Situationen und dem System zu zeichnen – eine Kombination aus Innensicht und Rahmenbedingungen. Ein Werk, das also sowohl wichtig ist für die Aufarbeitung der Vergangenheit, als auch für die Information der jüngeren Generation, die diese Zeit nicht aus unmittelbarem Erleben kennt.

Biografie-Wettbewerb mit Zeitzeugen

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 20. November 2011

Biografie-Wettbewerb mit Zeitzeugen

Nicht nur die Lebensgeschichten von Berühmtheiten sind es wert, dokumentiert zu werden. Auch sogenannte Normalbürger sind Vorreiter oder Vorbilder. Sie sind Zeitzeugen und haben oft abenteuerliche und für die Geschichtsbücher wertvolle Ereignisse erlebt und es ist wichtig, dies festzuhalten.

Was für ein Leben” – Der Biografie-Wettbewerb mit Zeitzeugen

Der bundesweite Biografie-Wettbewerb will Aufmerksamkeit für Zeitzeugen schaffen. Deshalb wird er vom Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin unterstützt. Außerdem wird das Zeitzeugen Projekt von ad.eo Filmbiografien, dem MDR und von Generali Zukunftsfonds gefördert. Es werden vor allem engagierte und starke Zeitzeugen-Persönlichkeiten mit bemerkenswerten Biografien gesucht.

Wie können Zeitzeugen am Wettbewerb teilnehmen?

Im Internet kann man unter was-fuer-ein-leben.de die Teilnehmerbedingungen lesen und einen Teilnahmeantrag herunterladen. Auf Anfrage kann man sich auch per Post einen Teilnahmeantrag zuschicken lassen. Es gibt außer der Zeitzeugen-Kategorie auch die Themen ‘Persönlichkeit’ und ‘Engagement’. In der Kategorie ‘Zeitzeuge’ soll die Biografie mit Entwicklungen und Ereignissen der deutschen Geschichte verknüpft sein. Es wird darauf Wert gelegt, dass die Biografie differenziert und authentisch erzählt und reflektiert wird. Am Sonntag, den 23. Oktober 2011 wurden im DHM die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs vorgestellt.

Ab sofort können sich Zeitzeugen aus ganz Deutschland bewerben!

Die Teilnehmer müssen ein Teilnahmeformular ausfüllen und eine maximal fünfseitige Zusammenfassung ihrer Lebensgeschichte beilegen. Als Einsendeschluss ist der 29. Februar 2012 vorgesehen. Aus den Einsendungen wird ein Team aus Historikern und Biografie-Experten Lebensgeschichten auswählen, die dann dokumentarisch verfilmt werden. Die Filme werden dann im Oktober 2012 im Kino des DHM vorgestellt und anschließend an Zeitzeugenarchive weitergeleitet.

Zeitzeugen als Stars in ihrer verfilmten Biografie

Der Biografie-Wettbewerb fand auch in diesem Jahr statt und einige der spannenden Lebenswege, die verfilmt wurden, sind die Biografien der Zeitzeugen Claus Fritzsche und Margot Kowaljowa. Ihr Leben war von einer lebenslangen Liebe zu russischen Menschen geprägt. In der DDR brachte ihnen das, entgegen der offiziellen Propaganda, viele Schikanen ein. Am Sonntag, den 23. Oktober 2011 wurden im DHM die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs vorgestellt.

Bildquelle: Dr. Marcus Gossler, Wikipedia

Besuch bei Zeitzeuge Dr. Brigitte Marquardt

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 21. October 2011

In der Sendung Heimatjournal vom rrb werden regelmäßig Kieze in Berlin, Landschaften in Brandenburg und deren Bewohner und Zeitzeugen vorgestellt. In der nächsten Sendung besuchen die rbb-Journalisten die Frieling-Autorin und Zeitzeugin Brigitte Marquardt.

Zeitzeugen-Spurensuche in der Meisenstraße in Berlin-Dahlem

“Berlin-Dahlem, Meisenstraße, Leute hier und nebenan” wird die Sendung am 22. Oktober 2011 heißen und diesen Berliner Bezirk in Augenschein nehmen. Es werden in der Sendung besondere Orte und interessante Persönlichkeiten vorgestellt. Die Jounalistin Carla Kniestedt wird mit der Kunsthistorikerin, Zeitzeugin und Autorin Dr. Brigitte Marquardt sprechen. Der Zeitzeugenbericht von Frau Marquardt, welcher im Frieling-Verlag Berlin erschien, heißt “Berlin-Dahlem Meisenstraße”. Er gab der Sendung ihren Namen.

Ein Zeitzeugen-Bericht aus dem vornehmen Bezirk Dahlem

Die Zeitzeugin Brigitte Marquardt verbringt eine glückliche Kindheit im großbürgerlichen Elternhaus in der Meisenstraße in Dahlem. In der Nazizeit wird diese Idylle abrupt beendet. Wegen ihrer Äußerungen zum versuchten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird gegen sie ein Hochverratsverfahren angestrengt. Nach der entscheidenden Schlacht um Berlin wurde das elterliche Haus erst von  der russischen und danach von der amerikanischen Militärverwaltung in Beschlag genommen. In dem spannenden Zeitzeugenbericht beschreibt sie das Zusammenleben mit  der Familie und amerikanischen Besatzungsoffizieren. Brigitte Marquardt gründete selbst eine Familie. Ihr Mann arbeitete sich zu einer bedeutenden Position in einem deutschen Unternehmen empor. Die Memoiren Brigitte Marquardts sind ein bewegendes Zeitzeugen-Dokument einer starken jungen Berlinerin.

Prof. Ingo von Münch über den interessanten Zeitzeugen-Bericht

Was das Buch zu etwas Besonderem macht, ist – abgesehen von dem originalen Tagebuch vom Frühjahr 1945, das die Besetzung Dahlems durch die Russen schildert – der Bericht von dem Hochverratsverfahren, das sich das junge Mädchen durch unbedachte Äußerungen nach dem Attentat auf Hitler zuzieht. Durch Bestechung gelingt es den Eltern, den zuständigen Gestapo-Beamten zur Beendigung des Verfahrens zu veranlassen. Auch die Requirierung des elterlichen Hauses durch die Amerikaner, sowie das jahrelange Zusammenleben mit fünf amerikanischen Offizieren sind farbig und interessant dargestellt.”

Zeitzeugen im rrb-Heimatjournal

Die Sendung ‘Berlin-Dahlem, Meisenstraße, Leute hier und nebenan’ wird am Samstag, den 22. Oktober 2011 um 19:00 Uhr ausgestrahlt.

 

 

Zeitzeugenbericht Teil 6

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 15. September 2011

Dies ist der sechste und vorletzte Teil des Zeitzeugenberichts “Fontane sagte nichts dazu”.
Obwohl die Geschichte langsam ihr Ende erreicht, hat Silvia Friedrich es geschafft, ihr Zeitzeugnis in unverkennbar spannender Manier zu verschriftlichen.
Als Zeitzeugin erlebte sie viel in den Jahren der Deutschen Teilung und genau darüber wird hier berichtet. Als damals junges Mädchen und heutige Zeitzeugin berichtet sie in “Fontane sagte nichts dazu” über das, was sie erlebte und was ihr Leben prägte.

Der sechste Teil des Zeitzeugenberichts “Fontane sagte nichts dazu” wird an dieser Stelle veröffentlicht. Wer gerne noch einmal den Anfang lesen möchte, kann dies unter dem Reiter “Zeitzeugenberichte” tun. Den letzten Teil finden Sie direkt hier: Zeitzeugenbericht Teil 5

Ein weiteres Mal viel Freude beim Lesen
wünscht ZeitzeugenBerlin.de

“Fontane sagte nichts dazu”

“Und als ich so dastand und zum Schinkelgebäude blickte, dessen Fassade man endlich dem alten Vorbild angemessen rekonstruiert hatte, da wünschte ich mir, dass man eines fernen Tages hier einfach wieder hinfahren dürfte. So ganz ohne Männer in Uniformen mit grauen Zähnen. So ganz ohne Kontrollen, Zollerklärungen und immer dem Verdacht ausgesetzt, Devisen und andere Dinge schmuggeln zu wollen. All die potentiellen Täter, die diese Grenze tagtäglich von West nach Ost überschritten, um aus der Sicht des sozialistischen Staates und seiner Bürger dem richtigen Deutschland nur Schaden zuzufügen. All diese Täter dürften einfach nur wieder Menschen sein, die in ein Konzert wollen oder in ein Restaurant nach Friedrichshain, weil es dort besonders gut schmeckt. Die Verwandte besuchen, ohne vorher eine Zollerklärung ausfüllen zu müssen. Einfach nur so, sich in Neukölln oder Dahlem ins Auto setzen oder in die U-Bahn und hier ankommen in einer Stadt, die wieder allen gehört, die keine Spuren mehr von Teilung zeigt und uns endlich aufwachen lässt, nach dem Nachkriegskoma, in das wir alle zwangsläufig gestoßen wurden.
Und als ich da so stand und die Fassade des berühmten Schauspielhauses emporblickte, da wurde ich auf einmal ganz ganz traurig.”

Der Wunsch des Mädchens sollte ihr nicht verwehrt werden. Einige Jahre später war die Durchreise für sie und hunderte andere Zeitzeugen wieder möglich. Doch für den Moment wird die Berliner Mauer in der Erzählung auch weiterhin geschlossen bleiben.
Der schöne, wenn auch etwas wehmütige, letzte Abschnitt des Textes wird in den nächsten Tagen hier bei ZeitzeugenBerlin.de fortgeführt.

Hier geht’s direkt weiter zum siebten Teil des Zeitzeugenberichts!

Der Zeitzeugenbericht “Fontane sagte nichts dazu” erschien in:
Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten
Hrsg. Bettina Buske und Patricia Koelle
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-08-1
180 Seiten
30 Farbfotos

Zeitzeugenbericht Teil 5

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 12. September 2011

Der Zeitzeugenbericht “Fontane sagte nichts dazu” von Sylvia Friedrich geht langsam dem Ende entgegen. Die spannende Passage erzählt von dem geteilten Land und den Empfindungen einer jungen Zeitzeugin.
Doch um nichts vorweg zu nehmen und die Zeitzeugin sprechen zu lassen, kommt hier der nächste Teil.
Zum letzte Kapitel des Berichts kommen Sie durch einen Klick auf “Zeitzeugenbericht Teil 4” und alle anderen Abschnitte des Textes finden Sie hier: “Zeitzeugenberichte“.

Ein interessantes Leseerlebnis wünscht
die ZeitzeugenBerlin Redaktion.

“Fontane sagte nichts dazu”

“Ich suchte das unschuldige Deutschland.
Warum ausgerechnet hier, kann ich nicht genau sagen. Kudamm und Fehrbelliner Platz boten wenig Raum für Träume dieser Art. Vielleicht deswegen. Vielleicht, weil sich hier das Zentrum befand, weil Zille hier in den Kneipen gemalt hatte und Gerhart Hauptmann im Adlon seinen Fünfzigsten feierte. Weil Claire Waldoff in den Spelunken ihre Gassenhauer schmetterte und Marlene Dietrich sich im Adlon bei Joseph Sternberg vorstellte. Weil Einstein eine Stelle in der Preußischen Akademie der Wissenschaften hatte und Max Liebermann Präsident der Akademie der Künste gewesen war. Weil ein Magnus Hirschfeld das erste Institut für Sexualforschung im Tiergarten gegründet hatte und Max Planck die Physik revolutionierte. Was für eine Stadt, was für ein Land musste das gewesen sein? Auch mein Land, von dem jetzt nur noch zwei Teile übrig waren. Ein Land so zerrissen wie das Volk.
Ich suchte etwas, das es einmal lange vor diesem Krieg gegeben haben musste, in dem man nicht nach der Weltanschauung, der Religion beurteilt wurde und nicht nach der Herkunft. Die Heimat Friedrichs des Großen, der seine Bewohner nach ihrer Fasson selig werden ließ. Ein Deutschland, so wie es war, bevor die Nazis die Welt in den Abgrund stürzten.
Die DDR hatte ihre Republik zum richtigen und unschuldigen Nachfolgedeutschland erklärt, aber glauben konnte ich ihnen nicht. Ich wollte auf eigene Faust die Spuren unserer gemeinsamen Vergangenheit finden. Aufspüren, was noch da war von diesem Deutschland der Wissenschaft und Literatur, einem Land, auf das man hätte stolz sein können.
Das war der Grund, die Demütigungen an der Grenze auszuhalten.”

 

Wenn Sie gleich weiter lesen möchten, dann kommen Sie direkt zum nächsten Teil:
“Zeitzeugenbericht Teil 6″

Die Geschichte “Fontane sagte nichts dazu” erschien in:
Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten
Hrsg. Bettina Buske und Patricia Koelle
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-08-1
180 Seiten
30 Farbfotos

Anthologie zum Zeitzeugenpreis jetzt erhältlich

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 8. September 2011

Veröffentlichung der Texte des Zeitzeugenpreises

Die Preisträger des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg 2011 standen schon im Juni fest; jetzt ist es endlich so weit: Die Anthologie “Ich bin (k)ein Berliner/Brandenburger”, in welcher die besten Texte des Zeitzeugenpreises abgedruckt sind, ist jetzt veröffentlicht und für jeden erhältlich.

Das Thema des Zeitzeugenpreises 2011

Zum Schreibwettbewerb des diesjährigen Zeitzeugenpreises haben über 100 Autoren ihre Erfahrungen zum Thema “Ich bin (k)ein Berliner/Brandenburger” in Papierform gebracht. Das Thema sollte die verschiedenen Erfahrungen vom Leben und Ankommen in der Region Berlin/Brandenburg einfangen. Frei konnte jeder Autor über Interpretation des Themas und Wahl des Schreibstils verfügen. So sind viele bemerkenswerte Texte entstanden und ein Stück Erinnerungskultur wurde geschaffen.

Wer sich für das Zeitzeugnis der Gewinnerin des Zeitzeugenpreises 2011 und für die vielen anderen wunderbaren Zeitzeugnisse interessiert, der kann im Frieling Verlag Berlin die Anthologie bestellen. Auf www.frieling.de ist das Buch jetzt für jeden erhältlich.

Zeitzeugenbericht Teil 4

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 8. September 2011

Wieder gibt es einen neuen Abschnitt von Silvia Friedrichs Zeitzeugenbericht “Fontane sagte nichts dazu” zu lesen.
Die Erlebnisse des jungen Mädchens, welches immer wieder über die Grenze zu ihren Verwandten ging, sind ein ganz besonderes Zeitzeugnis.
Wer den Anfang des Zeitzeugenberichts nachlesen möchte, der kann alle Teile unter “Zeitzeugenberichte” finden. Den vorherigen Teil finden Sie hier: Zeitzeugenbericht Teil 3

In diesem Sinne wünscht ZeitzeugenBerlin.de viel Spaß beim Lesen des Zeitzeugenberichts “Fontane sagte nichts dazu”.

“Fontane sagte nichts dazu”

“Seine Gestalt, die vorher wie ein Teil des Mauerwerkes am Steinpfosten des Zaunes klebte, löste sich ruckartig, begann schnellen Fußes auf mich zuzuschreiten, forderte meinen Ausweis und verschwand damit. Er hatte sich in die Botschaft verzogen und ward nicht mehr gesehen. Und ich stand da. Ohne Ausweis und Ausreisepapiere. Auf einmal eingesperrt.
Würde er wiederkommen?
Wie lange müsste ich hier stehen bleiben?
Warum das Ganze?
Nach einer endlosen Weile des Hin- und Hergehens auf eineinhalb Quadratmetern Pflastersteinen, denn weg konnte ich ja nicht, kam er wieder. Wortlos gab er mir die begehrten Papiere zurück. Keine Silbe der Erklärung, keine Entschuldigung für das lange Warten, kein Lächeln. Mit eingezogenem Kopf schlich ich von dannen.
Warum nur trieb es mich immer wieder in diesen Überwachungsstaat?
Doch so absurd die Vorstellung auch war, sich freiwillig in so eine Umgebung voller Demütigungen zu begeben. Leicht hätte ich jedem, der mich danach fragte, eine Antwort geben können.
Es war die Neugier auf das Deutschland von vorher und das alte, ehemalige Berlin. Die unbändige Sehnsucht, etwas von dem Glanz der Zwanziger Jahre zu erhaschen, der Metropole nahe rücken zu dürfen, die einmal der bedeutendste Zwischenstopp auf dem Weg von Moskau nach Paris war. Ein wenig Potsdamer Platz erahnen, von dem nichts mehr übrig war, das Haus Vaterland, der Potsdamer Bahnhof, die erste Ampelanlage der Welt. Ein wenig sich Schloss und Hohenzollernprunk vorzustellen, Lustgarten und das, was davon übrig war. Der Dom, die Friedrichstraße, der Gendarmenmarkt, den man nun frech einen Platz der Akademie nannte. Welcher Akademie, fragte ich mich beim Überschreiten dieser gepflasterten Ebene, die den Charme einer Vorstadtplattenbausiedlung verströmte. Einer der ehemals schönsten Plätze Europas, auf dem man nach den Barrikadenkämpfen die Toten der 1848er Revolution aufgebahrt hatte, wirkte tot auf mich. Da halfen auch die baulichen Bemühungen zu Berlins 750 Jahr Feier im Jahre 1987 wenig. Einzig das Schauspielhaus ließ ein wenig Raum für Erinnerungen. Das Schinkelsche Genie schien unzerstörbar.”

Wer den Abschnitt der Geschichte spannend fand, der kann direkt unter Zeitzeugenbericht Teil 5 die Geschichte weiter verfolgen.

 

Die Geschichte “Fontane sagte nichts dazu” erschien in:
Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten
Hrsg. Bettina Buske und Patricia Koelle
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-08-1
180 Seiten
30 Farbfotos

Zeitzeugenbericht: 17. Juni 1953 (Teil 2/2)

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 6. September 2011

17. Juni 1953 – Ein Ausnahmezustand

Der Ausruf des Ausnahmezustands in Ost-Berlin war nur eine Folge des Aufstands am 17. Juni 1953. Joachim Rudolph erlebte den Aufstand mit und berichtet als Zeitzeuge in “Meine Erinnerungen an den 17. Juni 1953″ über Geschehnisse rund um den 17. Juni 1953.
Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, kann das hier nachholen.

“Meine Erinnerungen an den Aufstand des 17. Juni 1953″

Am späten Vormittag erreichten wir den Marx-Engels-Platz (ehemaliger Schlossplatz) – ein großer Platz, auf dem an besonderen Feiertagen (1, Mai, 7. Oktober als Gründungstag der DDR etc.) die Bevölkerung an einer großen Holztribüne vorbeiziehen musste, auf der sich die Regierungs- und Politbüromitglieder der SED feiern ließen. Der Platz war gefüllt mit Tausenden von Menschen. Großer Jubel brach aus, als sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete, die Arbeiter des Stahlwerks Henningsdorf (DDR) würden über den kürzeren Weg durch West-Berlin bald durch das Brandenburger Tor kommen.

Plötzlich war ein lautes Brummen von Motoren zu hören, das immer stärker wurde. Und dann bog ein sowjetischer Panzer mit blauen Auspuffwolken um die Ecke, dem weitere folgten – eine gespenstische Szene. Die Arbeiter versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Meinem Freund und mir gelang es, die Holztribüne zu erreichen. Natürlich hatten wir große Angst und versuchten, schnellstmöglich nach Hause zu kommen.

Der Heimweg führte uns am Polizeipräsidium in der Königsstraße vorbei. Viele aufgebrachte Menschen standen vor dem Präsidium, die ihrem Unmut in Sprechchören Ausdruck gaben. Es war kein Durchkommen möglich. Plötzlich hörten wir laute Knallgeräusche. Waren es Schüsse aus Feuerwaffen? Wir flüchteten mit Anderen zusammen in einen Hausflur. Nachdem sich die Situation beruhigt hatte und wir wieder auf die Straße traten, sahen wir brennende Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium. Wahrscheinlich waren die Ursache der Geräusche die explodierenden Autoreifen.

Auf dem Heimweg, es war gegen 14 Uhr, sahen wir dann an allen Litfaßsäulen frisch geklebte Plakate: Der Ausnahmezustand war in Ost-Berlin verhängt worden! Damit war ab sofort verboten, dass sich Gruppen von mehr als 3 Personen auf öffentlichen Straßen zusammenfinden. Weiterhin war jeglicher Fußgänger- und Kraftfahrzeugverkehr von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens auf Straßen und Plätzen verboten. Und weiter hieß es: “Diejenigen, die gegen den Befehl verstoßen, werden nach den Kriegsgesetzen bestraft.” Unterzeichnet war dieser Befehl vom “Militärkommandant des Sowjetischen Sektors von Berlin, Generalmajor Dibrowa”.

Zu Hause angekommen warteten alle auf den Abend. Was wird passieren? Kurz nach 21 Uhr kamen weitere sowjetische Panzer und viele Mannschaftswagen mit sowjetischen Soldaten und Kriegsgerät in Richtung Innenstadt.

Am folgenden Tag waren alle großen Strassenkreuzungen und Plätze mit Panzern und/oder Mannschaftswagen besetzt. Sowjetische Soldaten saßen auf oder vor ihren Fahrzeugen. Sie hatten dort die Nacht zugebracht und wurden von ihren Kameraden verpflegt. Rauch stieg aus den Schornsteinrohren der Feldküchen. Der öffentliche Verkehr war zum Erliegen gekommen, und die Grenzen nach West-Berlin waren geschlossen. Nach ca. 10 Tagen wurde der Ausnahmezustand aufgehoben und die sowjetischen Soldaten wurden abgezogen. Die DDR- Regierung übernahm wieder die Staatsgewalt.

In den DDR-Medien wurde der Volksaufstand des 17. Juni 1953 als “konterrevolutionärer Putschversuch” deklariert. Die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen hätten durch ihr “entschlossenes Eingreifen” die “Absichten des Imperialismus” durchkreuzt. Die Mehrheit der “irregeleiteten” Werktätigen habe sich bald von den Putschisten abgewandt und begann zu erkennen, dass sie gegen ihre eigenen Interessen gehandelt habe.

Im Zusammenhang mit den Ereignissen des 17. Juni wurden in den folgenden Wochen mehrere tausend DDR-Bürger verhaftet und zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt. 22 Todesurteile wurden vollstreckt. Die “öffentliche Ordnung” war wieder hergestellt.
Damit endet “Meine Erinnerungen an den des 17. Juni 1953″ von Joachim Rudolph.
An dieser Stelle noch einmal großen Dank an ihn und seinen Bericht über den Aufstand des 17. Juni 1953.

Wer gerne noch mehr Zeitzeugenberichte lesen möchte, der kann andere Geschichten unter dem Reiter Zeitzeugenberichte  finden. Dort werden regelmäßig verschiedene Berichte über die Zeit vor, nach und während der Berliner Mauer veröffentlicht.
Auch wer über seine eigene Geschichte schreibt, kann diese gern an ZeitzeugenBerlin.de senden und vielen Anderen die eigenen Erlebnisse näher bringen.


NewGrunge |
bottom