Jugendweihe

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 19. October 2012

Jugendweihe ist die Bezeichnung für ein Einweihungsfest, welches markiert, dass die Jugendlichen nun Erwachsene sind. In der DDR hatte die SED-Leitung sich im Februar 1950 dagegen entschieden, dass die Partei, Gewerkschaften und FDJ sich an Jugendfeiern beteiligten. Nichtsdestotrotz gab es zahlreiche Jugendweihen nach Art der Freidenker, welche zahlreiche Parteimitglieder und Staatsvertreter besuchten. Die spätere Erhebung der Jugendweihe zur Feier des sozialistischen Staates kam aus Moskau. Im Mai 1953 beschloss das Politbüro der KPdSU Aktionen, welche die politische Lage in der DDR verbessern sollten. Die Jugendweihe sah man in dieser Beziehung als sozialistische Feier anstatt der Konfirmation. Unter Zwang führte man die Jugendweihe später als Alternative zu Konfirmation und Firmung ein. Die Jugendweihe sollte zumindest zusätzlich stattfinden. Mit ihr wurde die Jugend nach SED-Prinzipien erzogen. Nach 1958 mussten die Jugendlichen, wegen neuer Regelungen unter Walter Ulbricht, quasi an ihr teilnehmen, wenn sie nicht massiv benachteiligt werden wollten. Nachteile in Studium und Beruf, sowie andere Formen der Unterdrückung, waren die Folge einer Nichtteilnahme. Auch die Eltern wurden unter Druck gesetzt.

Verlauf der Jugendweihe

Vor der Feier nahm die Mehrzahl der Jugendlichen, oft als Klasse, für ein Jahr einmal im Monat an „Jugendstunden“ teil, welche Betriebserkundungen, Vorträge über Sexualität und Politik oder Tanzunterricht beinhalteten. Die Feier, welche in einem größeren Raum oder Theater durchgeführt wurde, fand mit sämtlichen Verwandten statt. Es gab verschiedene offizielle Reden und ein Bekenntnis der Jugendlichen zum sozialistischen Staat. Häufig brachten ihnen dann Jungpioniere Blumen. Zudem bekamen sie eine Urkunde und ein Buch. Zunächst war dies ein Buch, das Allgemeinwissen und Ideologie enthielt. Ab 1974 erhielten sie dann ein ausschließlich propagandistisches Werk. Nach dem Festakt beschäftigten sich die Jugendlichen den Tag über mit ihren Verwandten oder zusammen mit den Verwandten von Schulkameraden. Nach der Jugendweihe, diesem feierlichen Übergang in das Erwachsenenalter mit 14 Jahren, wurden die Jugendlichen gesiezt und nicht mehr geduzt.

Bildquelle: Köhne, Bundesarchiv, Bild 183-58541-0001; Wikimedia Commons

Perestroika

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 11. October 2012

Vorgeschichte der Perestroika

Perestroika bedeutet auf Deutsch Umbau, Umgestaltung, Umstrukturierung. Perestroika ist der Name eines Modernisierungsprozesses in der Sowjetunion. Als 1985 das Amt des KPdSU-Generalsekretärs an Michail Gorbatschow überging, befand sich die sowjetische Wirtschaft in einem desolaten Zustand. Während Breschnew an der Macht gewesen war, hatte die Sowjetunion sich kaum weiterentwickelt. In vielen Wirtschaftssektoren nahm die Zahl der produzierten Waren vor Beginn der Perestroika ab. Zudem besaßen die Waren meist nicht die global geforderte Qualität. Infolgedessen gedieh eine Schattenwirtschaft voller Ineffizienz, die schlecht zu überblicken war. Hinzu kam, dass die Landwirtschaft nicht genügend Nahrungsmittel erzeugen konnte. Die bereits mager ausfallenden Erträge wurden zudem durch ein mangelhaft ausgereiftes Transport- und Lagersystem noch mehr gemindert. Die Tatsache, dass Kolchosebauern noch Privatparzellen zusätzlich nutzen konnten, verbesserte die Situation nicht merklich.

Sanierung der UdSSR durch Perestroika Perestroika

Des Weiteren waren auch Wissenschaft und Technologie vor der Perestroika nicht auf dem neusten Stand. Stattdessen gab die Sowjetunion viel für Militär und Rüstung aus, was die bereits problematische Lage von Wirtschaft und Forschung verschlimmerte. Der Krieg zwischen der Sowjetunion und Afghanistan tat sein Übriges dazu. Da es seit langem keiner Führung mehr gelungen war, die Korruption und die Schattenwirtschaft zu beenden, besaßen Bürokratie und Führung nicht die notwendigen Kompetenzen, um das Land zu regieren und die Wirtschaft zu sanieren. Verlässliche Zahlen zum Zustand der Sowjetunion waren kaum vorhanden. Gorbatschow und seinen Leuten war dieser schlechte Zustand bewusst und ihnen war klar, dass sie umgehend etwas unternehmen mussten. Mit den reformwilligen Parteigenossen machte er sich daran, Partei, Staat und Wirtschaft unter dem Begriff der Perestroika zu reformieren.

Inhalte des Reformprogramms

Der Begriff benennt die Maßnahmen zur Veränderung und Modernisierung der Sowjetunion, welche Michael Gorbatschow ab Beginn des Jahres 1986 in die Wege geleitet hatte. Die Maßnahmen beinhalteten Veränderungen im Aufbau von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft der UdSSR. Diese Maßnahmen waren eng daran gekoppelt, dass die Restriktion der Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit in der UdSSR unter dem Begriff Glasnost abgeschafft wurden. Die Perestroika äußerte sich zunächst in weniger strikten Vorgaben der Partei zur Zentralverwaltungswirtschaft. Nach 1987 durften Betriebe nach eigenem Ermessen Entscheidungen fällen. Dieser Schritt war sehr bedeutsam, da somit im Rahmen der Perestroika eine marktwirtschaftliche Komponente Einzug in den Sozialismus fand.

Bildquelle: sowjetische Briefmarke 1988; Wikipedia

Prager Frühling

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 9. October 2012

Prager FrühlingPrager Frühling nennt man die Versuche der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei im Frühling 1968, unter Vorsitz von Alexander Dubček, Programmpunkte umzusetzen, welche die Regierungsweise liberalisierten und demokratisierten. Der Begriff Prager Frühling schließt besonders mit ein, dass die Öffentlichkeit Kritik übte und das immer mehr tat, was die Reformversuche intensivierte. Der Prager Frühling kombinierte jedoch zwei entgegengerichtete Prozesse: Zum einen wollte man mit dem Prager Frühling versuchen, den Sozialismus menschlicher zu machen. Zum anderen endete dieses Vorhaben mit der Beendigung dieses Versuches durch den Einsatz von Gewalt. Am 21. August 1968 geschah dies durch Truppen des Warschauer Paktes, die in Prag einmarschierten. Den Namen „Prager Frühling“ gaben den Ereignissen die westlichen Berichterstatter. Der Begriff knüpft an den Ausdruck „Tauwetter-Periode“ an, der sich wiederum aus dem Titel „Tauwetter“ des Autoren Ilja Ehrenburg ergab. Heutzutage bezeichnet Prager Frühling auch ein Musikfestival, welches seit 1946 einmal im Jahr im Frühling viele Besucher nach Prag lockt.

Prager Frühling: Zielsetzungen

Der Prager Frühling lässt sich nicht klar umreißen und auch seine Ziele sind nicht eindeutig nennbar. Die Mehrzahl der Bürger Prags war damals dem Sozialismus nicht völlig abgeneigt. Sie wollte nur eine veränderte Form des Sozialismus, die mehr demokratische Elemente aufwies. Die meisten Tschechoslowaken begrüßten die Regierung Dubčeks, welcher seine Regierungsweise als Sozialismus der humaner sei präsentierte. Der Mensch sollte das Wichtigste sein und starre Bürokratie sollte flexibler werden. Man wollte weg von einer Regierung, die sich selbst legitimierte, hin zu einer Verfassung, die nach den Bedingungen in der ČSSR verändert wurde und nicht einfach ein Duplikat des Moskauischen Entwurfes darstellte. Die KPČ war das Zugpferd der Bewegung, umso mehr, als der externe Druck immer mehr anstieg. Jedoch ist anzumerken, dass im Prager Frühling eine große Lücke zwischen dem, was die Bürger der Tschechoslowakei und kommunistisch Engagierte gerne hätten, und dem Vorhaben der Funktionäre, die Reformen planten, klaffte.

 

Bildquelle: image from the Romanian National Archives; Wikimedia Commons

Planwirtschaft

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 5. September 2012

Planwirtschaft wird auch Zentralverwaltungswirtschaft oder Zentralplanwirtschaft genannt. Planwirtschaft beschreibt eine Wirtschaftsordnung. In der Planwirtschaft entscheidet eine zentrale Kraft über die wichtigen oder über alle Situationen, in denen begrenzte Ressourcen wie Arbeit, Kapital oder Land verteilt werden müssen, damit Waren produziert werden können. Diese Ansätze namens Planwirtschaft, welche seit dem 18. Jahrhundert vorhanden sind, bilden einen Gegensatz zur Marktwirtschaft, welche die Entscheidungen den Akteuren des Marktes überlässt.

Kennzeichen der Planwirtschaft

Die perfekte Zentralverwaltungswirtschaft besitzt einen Wirtschaftsablauf, sprich die Erschaffung und Nutzung von Produkten, welcher komplett durch einen Akteur gesteuert wird. In der perfekten Marktwirtschaft wird dagegen die Wirtschaft über die Akteure des Marktes gesteuert; Angebot und Nachfrage regelt hier der Preismechanismus. Planwirtschaft ist jedoch ein unklarer Begriff, da auch die Marktwirtschaft „Geplantes“ beinhaltet. Beispielhaft ist hier die Unternehmensplanung zu nennen. Aus diesem Grund wurde der Ausdruck „Zentralverwaltungswirtschaft“ geprägt. Abhängig davon, ob dem Staat oder Privatleuten die Produktionsmittel gehören, differenziert man zwischen sozialistischer und kapitalistischer Planwirtschaft. Zudem gibt es diese noch mit Privateigentum, zum Beispiel die Kriegsökonomie oder mit Gesellschaftseigentum, beispielsweise die Rätedemokratie. Auch eine Form mit Staatsbesitz existiert, die staatssozialistische nämlich. Faktisch verkörpern Volkswirtschaften aber keinen Idealtyp. Man kann sie somit einer Wirtschaftsform nur grob zuordnen.

Eine Marktwirtschaft sieht vor, dass der Staat verschieden stark die Markt-Mechanismen beeinflusst, beispielsweise indem er subventioniert. Sind diese Manipulationen sehr ausgeprägt, nennt man das gelenkte Volkswirtschaft. Auch Planwirtschaft besitzt mitunter marktwirtschaftliche Aspekte. Als Beispiel lässt sich die Neue Ökonomische Politik der UdSSR aus den 1920ern anführen.

Ein Beispiel für Planwirtschaft

Der Realsozialismus in der UdSSR ist ein Beispiel der Planwirtschaft. Die Wirtschaft der UdSSR wurde von einer Stelle aus geregelt. Hauptkennzeichen dieser Wirtschaft waren folgende Eigenschaften: Produktionsmittel und Unternehmen waren in Staatsbesitz, die Wirtschaft wurde von einem Punkt aus gesteuert, Preise und Löhne wurden diktiert und nur der Staat konnte mit dem Ausland Handel treiben. Basierend auf Abschätzungen der gesellschaftlichen Bedürfnisse für ein Jahr wurde ein Plan erstellt, der festlegte, wie viel Firmen in der Planwirtschaft in einem Jahr produzieren dürfen.

 

Wirtschaftswunder

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 3. September 2012

Der Begriff Wirtschaftswunder beschreibt das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, welches schneller verlief und länger anhielt, als alle erwartet hatten. Als Ausgangspunkt des Wirtschaftswunders wird die Reform der Währung im Jahre 1948 gesehen. Als Ende betrachtet man einmal die Jahre 1957/58. Damals endete ein Konjunkturzyklus und die Einbindung Deutschlands in die Weltwirtschaft fand zunächst ihren Abschluss mit der Erschaffung der EWG. Zudem werden die Jahre 1966/67 als Ende vom Wirtschaftswunder angesehen, da damals die erste folgenreiche Rezession der Nachkriegsjahre eintrat.

Das Wirtschaftswunder und dessen Ursachen

Die Ankopplung an den Westen durch die Politik, sowie die Verknüpfung mit der Weltwirtschaft vereinfachten den schnellen Aufstieg Deutschlands in den 50ern und ermöglichten das Wirtschaftswunder. Die Zahlen der Produktion und der Exporte schnellten während dem Wirtschaftswunder in die Höhe, während sich die Zahl der Arbeitslosen 1961 unter der Ein-Prozent-Marke befand. Weite Teile der Deutschen erfuhren somit eine Verbesserung der Lebensumstände, da die Löhne deutlich stiegen und die Sozialpolitik von Seiten des Staates verstärkt betrieben wurde. In der Konsequenz wandelten sich Alltag und Konsumverhalten stark.

Das Wirtschaftswunder und seine Folgen

Während die Erwachsenen die neu gewonnene Prosperität genossen, suchte die Jugend den Protest und wählte den Rock ‘n’ Roll als Leitmotiv. Mit den erhöhten Geldmitteln, die zur Verfügung standen, änderten sich auch die Lebensgewohnheiten der Käufer. Einige Luxusgüter wurden nun bezahlbar. Viele Familien wünschen sich elektrische Haushaltsgeräte oder ein Kraftfahrzeug. Auch Urlaubsreisen waren nun bezahlbar, zunächst innerhalb der Bundesrepublik. Durch die Verbreitung von Personenkraftwägen wurden später auch weiter entfernte Ziele angesteuert. Die Jugend kritisierte dieses Verhalten dagegen und orientierte sich an Coca-Cola, Jeans und Rock ‘n’ Roll. Es bildete sich eine neue Jugendkultur, die von den USA beeinflusst war. Jedoch blieben soziale Randgruppen, sowie Familien mit vielen Kindern und Rentner, anfangs von den Wirtschaftswunder Vorteilen ausgeschlossen. Dank spezieller Gesetze und Sozialreformen wurde es letztlich auch ihnen ermöglicht, von dem Einkommensaufschwung zu profitieren. Viele Beschäftigte verließen die Landwirtschaft, dies konnte jedoch durch eine Effizienzsteigerung abgefangen werden. Obwohl das Bild der Frau als Hausfrau und Mutter immer noch gepriesen wurde, betätigten sich viele Frauen als gering bezahlte Hilfsarbeiterinnen. Nach und nach wurde während des Wirtschaftswunders die rechtliche Diskriminierung der Frau auf dem Arbeitsmarkt jedoch zurückgenommen.

Sozialismus

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 31. August 2012

Sozialismus bezeichnet eine Ideologie umfassender politischer Natur, welche gemeinsam mit dem Liberalismus und dem Konservatismus im 19. Jahrhundert aufkam. Zu keinem Zeitpunkt gab es eine eindeutige Definition für Sozialismus. Im Kontext des Sozialismus gab es Strömungen, welche Anarchismus, Parlamentarismus und Demokratie gleichermaßen zuließen und nach sozialdemokratischen Maßstäben reformieren wollten. Sozialismus beinhaltet aber auch kommunistische, autoritäre oder totalitäre Systeme, die in einer Revolution aufkamen. Vertreter des Sozialismus heben die Basiswerte Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität hervor. Ihnen ist es wichtig, dass soziale Bewegungen und theoretische Kritik an der Gesellschaft eng verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen. Gemeinsam sollen sie zu einer Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft werden, welche sich durch soziale Gerechtigkeit auszeichnet.

Der klassische SozialismusSozialismus

Die theoretischen Schriften des klassischen Sozialismus besagen, dass Kapitaleigner aus Wunsch nach Profit die Produktionsmengen nicht an die Nachfrage anpassen. Das Interesse am Profit sorgt für eine Anhäufung des privaten Kapitals bei ein paar Leuten. Diese finanzielle Oligarchie entgleitet der Kontrolle durch die demokratische Gesellschaft. In der Konsequenz muss man die Produktionsmittel verstaatlichen und den Kapitalisten abnehmen. Güter soll nicht der Markt, sondern der Staat oder eine Räteverwaltung, die aus Arbeitern besteht, verteilen. Anders als der Liberalismus will der Sozialismus nicht nur, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, er will auch, dass der Reichtum der Gesellschaft gleich distribuiert wird. Das Idealziel des Sozialismus ist dabei die klassenlose Gesellschaft. Freiheit bedeutet, dass man sich emanzipieren kann, was nur geht, wenn alle Menschen passend in die Gesellschaft eingebunden werden.

Sozialismus im Wandel der Zeit

Nach der Aufklärung und industriellen Revolution formierte sich zwischen Ende des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts eine Bewegung sozialistischer Natur. Zwischen ihr und dem Aufkommen der Arbeiterbewegung bestand ein starker Zusammenhang. Sozialismus hatte in der Vergangenheit viele Gesichter. Anfangs fand er sich in Überlegungen der Frühsozialisten, dann hatte der Sozialismus Einzug in politische, parteiähnliche Zusammenschlüsse sozialdemokratischer, sozialistischer Natur, welche sich später zu kommunistischen Parteien entwickelten.

Kapitalismus

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 23. August 2012

Kapitalismus beschreibt sowohl eine konkrete Form der Wirtschaft und Gesellschaft, als auch eine Epoche der Wirtschaftsgeschichte. Welche Eigenschaften den Kapitalismus konkret ausmachen ist aufgrund des geschichtlichen Wandels und der vielen im Umlauf befindlichen Definitionen des Begriffes, wie auch der Abweichungen in verschiedenen Weltanschauungen schwierig zu sagen. Kapitalismus wird als Ordnungsform der Wirtschaft und Gesellschaft verstanden, welche darauf fußt, dass Privatleute die Produktionsmittel besitzen und der Markt Angebot und Nachfrage regelt. Ein weiteres Kennzeichen ist wohl die Vermehrung des erwirtschafteten Kapitals durch Reinvestition und auch die Bemühung um Gewinne in einem Unternehmen. Die Epoche der Wirtschaftsgeschichte sieht Kapitalismus als einen wirtschaftsgeschichtlichen Abschnitt an, welcher nach dem Feudalismus und dem Merkantilismus kam und bis heute besteht. Aus historischen Blickwinkeln ist eine Trennung dieser Epoche des Kapitalismus in verschiedene Abschnitte gegeben.

Wie wird Kapitalismus gesehen?Kapitalismus

Das Konzept ist zu Recht umstritten. Es gibt daher verschiedene Varianten der Rezeption des Begriffes. Die markteuphorische Wahrnehmung platziert ihn auf dem gleichen Level wie die Marktwirtschaft. Der Begriff Kapitalismus sei somit redundant und nur ein Überbleibsel des sozialistischen Wortschatzes. Die mentalitätskritische Wahrnehmung sieht ihn dagegen als Denkweise an, die an einer kapitalistischen Rationalität entlang gleitet. Diese Art zu denken strebt nach Profit und der bestmöglichen Nutzung der verwendeten Produktionsmittel. In diesem Prozess werden Konzepte wie Nachhaltigkeit, Ethik oder Achtung der sozialen Elemente völlig außer Acht gelassen. Die sozialkritische Wahrnehmung dagegen fokussiert sich auf die Hochphase des Kapitalismus. Seine Verbreitung sorgte für große Veränderungen in der Struktur von Wirtschaft und Gesellschaft. Zudem sorgte sie für einen Wandel in den Bedingungen des Lebens und der Arbeit. Darauf entwickelte sich der Gegensatz zwischen den Kapitalbesitzern und den Menschen, die keines besaßen, den Proletariern. Aufgrund der großen Anzahl an Proletariern mussten diese geringe Gehälter und finanzielle Unsicherheit akzeptieren. Löhne, die gerade so das Existenzminimum abdeckten, waren üblich. Aus diesem Grund waren Ehefrau und Kinder meist ebenfalls genötigt zu arbeiten. Da immer mehr Leute in die Städte zogen und die Arbeitszeiten so hoch waren, sank die Lebenserwartung im Kontext des Kapitalismus sehr stark.

 

Glasnost

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 13. August 2012

Zum Begriff „Glasnost“Glasnost

1985 konstatierte KPdSU-Generalsekretär Michael Gorbatschow in einer Rede im März, dass kein Weg daran vorbeiführe, in der UdSSR massive Veränderungen der Gesellschaft in die Wege zu leiten. Im Folgemonat ging Gorbatschow genauer auf Glasnost, das nötige Weiterarbeiten an der sozialistischen Demokratie und die Verwaltung des Volkes durch sich selbst ein. Im Mai redete er in Smolny und Leningrad nochmals über die Reformideen. Im Rahmen des 27. Parteitags der KPdSU im Februar 1986 nannte Gorbatschow dann zum ersten Mal den Ausdruck Glasnost. Er argumentierte, dass Glasnost die notwendige Bedingung für Demokratie sei und ohne Unterbrechungen funktionieren müsse. Glasnost müsse in der Regierung, aber auch im Alltag und in der Arbeitswelt der Menschen umgesetzt werden. Somit sorgte der Generalsekretär dafür, dass die Freiheit von Rede, Meinung und Presse in der UdSSR gelockert wurde. Der Westen fasste das Wort wegen seiner Ähnlichkeit zu dem Wort „Glas“ aus dem Deutschen und Englischen als Politik der Transparenz auf; faktisch bedeutet Glasnost aber Stimme. Glasnost benennt zwei Maßnahmen: zum einen transparente, detaillierte Information bezüglich Maßnahmen, die für die Gesellschaft wichtig sind, zum anderen die Einführung der Option, diese unbeschränkt und intensiv zu diskutieren. Glasnost beinhaltete somit auch das Demokratie-Element der Meinungsfreiheit. Gorbatschow hatte durch Glasnost vor, die Menschen dazu zu bringen, die Krise der UdSSR-Wirtschaft offen zu problematisieren. Dies sollte dazu führen, dass die Bevölkerung das 1987 begonnene Reformprogramm „Perestroika“ mehrheitlich akzeptierte.

Glasnost: Folgen

Dank Glasnost konnten die Medien Veränderungen in Politik und Gesellschaft nun kritisch beleuchten. Intensive Diskussionen im Volksdeputiertenkongress sendete das Fernsehen beispielsweise in Echtzeit. Als die Menschen so erfuhren, in welchem Zustand sich die Sowjetunion wirklich befand und wie viele Listen zu Produktionsangaben manipuliert worden waren, waren sie sehr aufgebracht. Frühere Kritiker der Regierung wurden nun in die Freiheit entlassen, beziehungsweise durften in die Sowjetunion zurückkehren. Die Menschen konnten endlich gewaltfrei demonstrieren. Die Kirchen konnten wieder unbeschränkt agieren. Im Rahmen der Glasnost wurden die Sowjetunion sowie die anderen Länder des Ostblocks somit einer starken Demokratisierung unterzogen, welche Gorbatschow in dieser Größenordnung nicht geplant hatte. Glasnost sorgte letztendlich dafür, dass die Hegemonie der UdSSR bröckelte und letztlich in sich zusammenfiel.

 

 

Freie Marktwirtschaft

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 10. August 2012

Freie Marktwirtschaft: Begriff

Freie Marktwirtschaft bedeutet, dass es keine Vorgaben gibt, die regeln, was wie teuer und in welcher Qualität verkauft werden darf. Wenn die Ordnung der Wirtschaft auf der freien Marktwirtschaft basiert, finden die nachstehend genannten Basisregeln Anwendung: Menschen besitzen in einer freien Marktwirtschaft persönliches Eigentum. Anbieter und Nachfrager können auf diesem Markt ungehinderten Handel betreiben, da weder Politik noch Staat Einfluss üben. Dieses Konzept des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage im Rahmen der freien Marktwirtschaft findet sich meist in Staaten, die demokratisch regiert werden, da dort das Recht auf Freiheit in der Verfassung festgeschrieben ist.

Freie Marktwirtschaft und WirtschaftsliberalismusFreie Marktwirtschaft

Freie Marktwirtschaft ist ein Konzept im Rahmen des Wirtschaftsliberalismus. Der Markt, auf welchem die Regulation von Form, Preis und Menge der Sach- und Dienstleistungen durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage stattfindet, ermöglicht die optimale Verteilung der Ressourcen. Wenn ein einzelner Unternehmer aus egoistischen Motiven mehr produziert, tut er automatisch auch der Gesellschaft etwas Gutes. Eine Marktordnung soll den Markt nun instrumentalisieren, um Eigennutz und Gemeinwohl zu kombinieren. In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Ideen, die an der Verfassung oder an den Institutionen ansetzen und geeignete Regeln bezüglich der Rolle des Staates mit dem Ziel suchen, die Marktordnung zu perfektionieren. Das Saysche Theorem konstatiert diesbezüglich, dass das Marktgleichgewicht ohne die Intervention des Staates stets zustande kommt. Somit ist es Grundlage dessen, was der Wirtschaftsliberalismus über das Agieren auf dem Markt schreibt. In der Konsequenz regelt freier Wettbewerb die Wirtschaft somit am effizientesten. Interveniert der Staat in der Gestalt von Subventionen und Schutzzöllen, wird der Wettbewerb gebremst. Da auf diese Weise externale Effekte nicht internalisiert werden, ernten solche Maßnahmen Kritik. Im Bezug auf Entwicklungen in der Technologie und dem Schutz von Ideen auf Zeit, wie Patenten, unterstützt der liberale Ansatz die Restriktion des Wettbewerbs. Im Bezug auf Erziehungszölle gibt es dagegen keine einheitliche Position unter Vertretern vom Konzept „Freie Marktwirtschaft“.

 

Bildquelle: White shark, Wikimedia Commons

 


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