Zeitzeugen TV

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 4. March 2012

Zeitzeugen TV1989 wurde Zeitzeugen TV von Thomas Grimm gegründet und stellt bis heute Zeitzeugen aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Literatur vor die Kamera. Zeitzeugen TV hat vorrangig Filme für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wie ARD, rbb, MDR, FAB und ORB, aber auch für Spiegel TV produziert.

Thomas Grimm und seine Arbeit bei “Zeitzeugen TV”

Mit etwa 2000 Menschen hat Thomas Grimm bei seiner Arbeit für “Zeitzeugen TV” gesprochen. Als Zeitzeugen hat er u.a. Willy Brandt, Jürgen Kuczynski, Käthe Reichel und Stefan Heym interviewt. Wenn verstorbene Zeitzeugen nicht mehr persönlich befragt werden konnten, griff er bisher im Interview für “Zeitzeugen TV” auf Personen zurück, die in Beziehung zum Zeitzeugen standen. Seine Art zu interviewen nennt er lächelnd “Biografie total”, da er nicht nur die historisch ereignisreichsten Situationen im Leben eines Menschen, sondern den gesamten Lebenslauf des Zeitzeugen nachvollziehen möchte. Thomas Grimm hat, um “Zeitzeugen TV” einen Sendeplatz im deutschen Fernsehen zu sichern, den Sender “Fernsehen aus Berlin” (FAB) mitgegründet. Von 1990 bis 2004 hat er auf dem FAB jede Woche seine Zeitzeugeninterviews gesendet.

Das Biografieportal von “Zeitzeugen TV”

Die Zeitzeugenreihe hat sich parallel zur Filmarbeit bei “Zeitzeugen TV” entwickelt. Es wurden mehr als 3.000 Stunden Zeitzeugengespräche des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Zeitzeugen TV BiografieportalDieses riesige Archiv mit über 1000 Interviews und Selbstaussagen, sowie Lesungen ist im Internet leicht erreichbar. Es ermöglicht besonders leicht das Recherchieren bestimmter Persönlichkeiten.

Ein Teil des Portals ist kostenlos nutzbar, jedoch muss für den größten Teil der Zeitzeugnisse bei “Zeitzeugen TV” eine Nutzungsgebühr bezahlt werden. Jeder Film ist für 1,5 Minuten unentgeltlich verfügbar. Für weitere Ausschnitte ist der Erwerb eines Zeitkontingents notwendig (3 Euro für 120 Minuten bis 89 Euro für 12-mal 120 Minuten, optional ein Pauschalbetrag). Vollständig kostenlos verfügbar sind bei “Zeitzeugen TV” zudem alle Videos im Livestream und sieben Filme im “Aktuellen Programm”, die regelmäßig aktualisiert werden.

Jeder Zeitzeuge wird anhand einer eigenen, audiovisuellen Biografie porträtiert. Features der Seite sind, dass sie Webplayer-, Lexikon-, Recherche- und Shopfunktion umfasst. Zur Recherche lässt sich mithilfe einer Volltextsuche, zusätzlich über ein Personenverzeichnis (“Personen von A-Z”) und ein Sachregister (“Themen von A-Z”), nach Zeitzeugen und Themen suchen.

Zeitzeugen TV wird in Zukunft hoffentlich weitere wertvolle Beiträge zum Thema Zeitzeugen der deutschen Geschichte und dem Biografieportal liefern.

 

Foto 1: http://heatherbuckley.co.uk von flickr
Foto 2: me’nthedogs von flickr

Fernsehzeitzeugen

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 6. January 2012

Fernsehzeitzeugen sind ein grundlegendes Element jeder historischen Dokumentation im deutschen Fernsehen. Sie sind glaubhaft, sie sind real und sie machen die Dokumentation erst attraktiv für den Zuschauer. Sind Fernsehzeitzeugen also nur eine mediale Inszenierung, um die Einschaltquoten zu erhöhen? Diesen Verdacht äußert Wulf Kansteiner in einem in der Zeit erschienenen Artikel (02.01.12).

Von Oral History zu Fernsehzeitzeugen

Interview im Jahrhundertbus

Interview im Jahrhundertbus

Zeitzeugen erscheinen in der Geschichtsforschung zu einem relativ späten Zeitpunkt, in den 80er  und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, unter der Methode der Oral History. Anfänglich gelten Zeitzeugen  als unwissenschaftlich. Eine Interview-Methode muss erst noch entwickelt werden. Als Fernsehzeitzeugen haben sie es in das Fernsehprogramm erst durch die Etablierung der Oral History geschafft. Für die Filmproduzenten sind die Fernsehzeitzeugen zu einer zentralen Informationsquelle und einem stilistischen Mittel geworden.
Die Fernsehzeitzeugen haben mit den Zeitzeugen von Oral-History-Projekten wenig gemein.

Unterschied der Fernsehzeitzeugen zur Oral History

Im Vordergrund der TV-Dokumentationen steht der reine Unterhaltungsaspekt der Zeitzeugen. Die Geschichte soll spannend erzählt werden, um sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Die Filmemacher müssen die Aussagen der Fernsehzeitzeugen und die historischen Tatsachen auf einen Nenner bringen. Dabei arbeitet der Fernsehzeitzeuge als Vermittler zwischen Fernsehzuschauer und Filmemacher, indem er die historischen Ereignisse anschaulich beschreibt. Im Gegensatz zur Forschung greifen die Filmemacher öfters in die Überlegungen der Fernsehzeitzeugen ein und provozieren sie teilweise, um zu dramatischen Aussagen zu gelangen. Zudem steht im Zentrum der Interviews das weltbewegende Ereignis selbst und nicht die Lebensgeschichte des Fernsehzeitzeugen, dessen Aussagen an passender Stelle eingeblendet werden.

Fernsehzeitzeugen: reine Inszenierung?

Lässt sich also von einem “Missbrauch” der Oral History in den Massenmedien sprechen?

Bis zu einem gewissen Grad kann von einer bewussten Inszenierung der Fernsehzeitzeugen für die Zuschauer ausgegangen werden. Entertainment-Fernsehen prägt das Bild der privaten und mittlerweile auch öffentlich-rechtlichen Sender.

Jedoch wird oft vernachlässigt, dass Dokumentationen einen bedeutenden Beitrag zur Suche nach Zeitzeugen und Material leisten können. Mitunter werden Zeitzeugen durch das Fernsehen überhaupt erst befragt oder bisher unentdeckte Dokumente stehen von da an der Forschung zur Verfügung. Damit lassen sich Fernsehzeitzeugen nicht nur als reine Medienfiguren betrachten, sondern sie können einen Beitrag zur Klärung der Geschichte liefern.

Bildquelle: www.pragenturhamburg.de

Zeitzeugen im Deutschlandfunk

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 6. January 2012
Zeitzeugen im Deutschlandfunk

Quelle: @Deutschlandradio (01.04.09)

Die Interviews der Zeitzeugen im Deutschlandfunk stellen eine angenehme, auditive Möglichkeit dar, gelebte Geschichte nachzuvollziehen und persönliche Einblicke zu erleben. Bereits seit einigen Jahren bietet der Deutschlandfunk mit “Zeitzeugen im Gespräch” diese besonders interessante Interview-Reihe seinen Hörern an.
Im Deutschlandfunk stehen Zeitzeugen u.a. aus Politik, Wirtschaft und Literatur vor dem Mikrophon. Als DDR-Zeitzeugen sind bereits Freya Klier, Rainer Eppelmann und Hans Modrow im Gespräch gewesen. Jeden letzten Donnerstag im Monat wird die neuste Folge um 19.15 Uhr vom Deutschlandfunk bundesweit gesendet. “Zeitzeugen im Gespräch” des Deutschlandfunks ist auf der Homepage im Archiv sowohl als Audiodatei, als auch als schriftliche Version verfügbar.

Aktuelles Zeitzeugen-Interview mit Christa Luft im Deutschlandfunk

Deutschlandradio - Ü-Wagen

Quelle: @Deutschlandradio (01.04.09)

Im aktuellen Zeitzeugen-Interview steht die frühere DDR-Wirtschaftsministerin und PDS-Bundestagsabgeordnete Christa Luft zur Verfügung. 1971 habilitierte sie als ordentliche Professorin für sozialistische Außenwirtschaft an der Hochschule für Ökonomie zu Berlin. 1958 in die SED eingetreten, ist sie 1989 als stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Teil der Übergangsregierung von Hans Modrow geworden. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gewann sie 1994 und 1998 ein PDS-Mandat bei der Bundestagswahl.

Als Zeitzeugin beschreibt sie im Deutschlandfunk sehr eingehend ihre Erfahrungen als Professorin für sozialistische Außenwirtschaft an der Hochschule für Ökonomie und aus ihrer Zeit als Wirtschaftsministerin der DDR. Besonders interessant sind ihre Schilderungen im Zusammenhang mit dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) während ihrer Promotion an der Hochschule für Ökonomie.

Weitere Zeitzeugen-Interviews

Deutschlandradio-Studioszene

Quelle: @Deutschlandfunk-Bettina Straub (03.04.09)

Das Gespräch mit Christa Luft ist nur ein Beispiel für ein Zeitzeugnis und schildert die Geschichte aus ihrer Perspektive. Gerade für die jüngere Generation bieten die Gespräche mit den Zeitzeugen im Deutschlandfunk jedoch eine wunderbare Möglichkeit, Geschichte zu erleben und nicht nur aus dem Lehrbuch zu erfahren. Besonders empfehlenswert ist das Online-Archiv, wo die Beiträge aufbewahrt und verfügbar sind.

Wir freuen uns auf die kommenden Folgen der Interview-Reihe “Zeitzeugen im Gespräch” im Deutschlandfunk und sind gespannt auf die neuen Einblicke in das Zeitgeschehen.

Mehr Informationen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/?select=z&

Alliierten-Museum Berlin

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 22. December 2011

Das Alliierten-Museum bietet spannende Veranstaltungen mit Zeitzeugen und stellt wichtige Zeitdokumente aus.

Alliierten-Museum BerlinIn der Spannung zwischen Westmächten und Sowjetunion präsentiert sich das Alliierten-Museum als interessanter Ort der kulturellen Erinnerung. Das Ende des zweiten Weltkrieges, die Nachkriegszeit (ab 1948/1949 kann die Sowjetunion nicht mehr zu den Allierten gezählt werden) und die Zeit des Kalten Krieges sind hier ständige Themen, die das Alliierten-Museum mit Veranstaltungen und Ausstellungen würdigt.

Zudem werden im Berliner Allierten-Museum Zeitdokumente aufbewahrt, wie Akten, amtliche Drucksachen, Ausweise, Fotos – meist amerikanischer Herkunft der 70er-90er Jahre – Tagebücher und Briefe, sowie Dias und Fotos, Mützen, Uniformen, Orden und Abzeichen (Militaria).

Als einmaliges Zeitzeugnis ist im Alliierten-Museum die Mitschrift eines politischen Seminars zu besichtigen. Dieses Zeitzeugnis bietet Einblick in die Köpfe hochrangiger politischer Akteure der damaligen Zeit. Die Zeitzeugen sind gleichzeitig historische Persönlichkeiten.

Wer sich für die Zeit des Mauerbaus interessiert, dem sei die Veranstaltung “Wie ein Pulverfass! Berlin-Krise und Mauerbau” nahegelegt, welche das Alliierten-Museum am Sonntag, den 8.01.2012 in Berlin-Zehlendorf stattfinden lässt. Diese Sonderausstellung des Alliierten-Museums (Eintritt frei – Anmeldung nicht erforderlich) befasst sich auch mit den Strategien, die für den militärischen Ernstfall vorgesehen waren. Raketenköpfe, Teile des früheren Wachhauses am Checkpoint Charlie und sowjetische Propaganda-Plakate geben einen Eindruck von der Zeit und veranschaulichen die Vergangenheit.

Die Kuratorenführung des Allierten-Museums wird geleitet von Florian Weiß.

Foto: Magan2002 (Wikipedia)

Charles de Gaulle

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 19. November 2011

Charles de Gaulle

Charles de Gaulle war ein französischer Staatsmann, der im Zweiten Weltkrieg den Widerstand des ‘Freien Frankreich’ gegen die deutsche Besatzung führte. Die französische Politik wurde durch die, auf Charles de Gaulle zurückgehende, Ideologie des Gaullismus beeinflusst.

Die Herkunft Charles de Gaulles

Charles de Gaulle wuchs in Lille auf. Er wurde am 22. November 1890 dort geboren. Sein Elternhaus war katholisch-konservativ, jedoch gleichzeitig sozial fortschrittlich und intellektuell. Sein Vater war Lehrer an verschiedenen Privatschulen. Die Familie unterstützte den, aus antisemitischen Gründen verurteilten, Alfred Dreyfus und distanzierte sich von reaktionär-nationalistischen Kreisen. Ab 1908 besuche Charles de Gaulle die Militärschule Saint-Cyr, die er 1912 mit Diplom und Ernennung zum Leutnant verließ. Er trat der französischen Armee bei.

Charles de Gaulle im Ersten Weltkrieg

Charles de Gaulle wurde im Ersten Weltkrieg zweimal verwundet und in der Schlacht um Verdun in deutsche Kriegsgefangenschaft genommen. Charles de Gaulles fünf Fluchtversuche scheiterten aufgrund seiner, für damalige Verhältnisse außergewöhnlichen, Körpergröße von 1,95 Metern und er wurde nach Waffenstillstand im November 1918 entlassen.

Charles de Gaulle im Zweiten Weltkrieg

Als Oberst im Zweiten Weltkrieg war Charles de Gaulle der erste und einzige befehlshabende Offizier, dem es gelang, bei der deutschen Invasion die Deutschen zu einem Rückzug zu zwingen. Von den meisten Franzosen wurde die Vichy-Regierung akzeptiert. Charles de Gaulles ‘Freies Frankreich’ eroberte jedoch das Vichy-Regime erfolgreich und bildete einen Freiwilligenverband von 20.000 Mann. Dies machte damals einen erheblichen Teil des Truppenkontingents aus. De Gaulle fasste 1943 in Algier Fuß und schuf das französische Komitee für die nationale Befreiung (CFLN). 1944 nahm das CFLN den Namen Gouvernement provisoire de la République Francaise (GPRF) an. Am 25. August 1944 zog das GPRF in das befreite Paris ein.

Charles de Gaulle als Präsident der Republik

Am 21. Dezember 1958 wurde Charles de Gaulle mit 78 % der Stimmen in indirekter Wahl zum Präsidenten der Republik gewählt. Er übernahm das Amt am 8. Januar 1959 und ergriff einschneidende Maßnahmen, das Land zu revitalisieren, nicht zu Letzt mit der Einführung des neuen Franc, der 100 alten Francs entsprach. Charles de Gaulle trat am 28. April 1969 von seinem Amt zurück und starb am 9. November 1970 in Colombey-les-Deux-Eglises.

Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F015892-0010 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA, Wikipedia

Winston Churchill

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 13. November 2011

Winston Churchill

Sir Winston Churchill wurde am 30. November 1874 in Woodstock (England) geboren. Er war zweimal Premierminister von Großbritannien und führte das Land durch den Zweiten Weltkrieg. Er gilt als der bedeutendste britische Politiker des 20. Jahrhunderts.

Die frühen Jahre Winston Churchills

Winston Churchill wurde im Schloss seines Großvaters, Blenheim Palace, geboren. Seine Eltern waren ein britischer Politiker und eine amerikanische Militärstochter. Winston Churchill besuchte von 1881 bis 1892 die englischen Eliteschulen in Ascot, Harrow und Brighton. Nach der Schulzeit ging er zur Armee, wo er sich jedoch nicht wohlfühlte. Er erwarb ohne besondere Schulbildung profunde literarische Bildung und sollte Zeit seines Lebens als Buchautor und Journalist tätig sein, was Winston Churchill letztendlich den Nobelpreis für Literatur einbrachte.

Die politische Karriere von Winston Churchill

Nach seiner Rückkehr aus dem Burenkrieg im Jahr 1899 zog Winston Churchill als Konservativer (Tory) ins britische Parlament ein und trat 1904 zu den Liberalen über. Im Ersten Weltkrieg bestimmte Winston Churchill als Marineminister die Politik Großbritanniens entscheidend mit.

Winston Churchill und der Zweite Weltkrieg

Am 10. Mai 1940 wurde Winston Churchill Premierminister von Großbritannien und bildete ein Allparteiensystem. Seine erste große Herausforderung bewältigte er, indem er das geschlagene britische Expeditionskorps aus Dünkirchen abzog und eine deutsche Invasion verhinderte. Im Januar 1943 traf sich Winston Churchill mit Roosevelt auf der Konferenz von Casablanca und legte mit dem amerikanischen Präsidenten eine gemeinsame Kriegsstrategie fest, in welcher die Niederwerfung Deutschlands Vorrang vor dem Krieg gegen Japan haben sollte.

Winston Churchills Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg

Auf der Potsdamer Konferenz am 17. Juli 1945 besprach Winston Churchill mit Harry S. Truman und Stalin das weitere Vorgehen in Deutschland und die noch andauernden Kämpfe gegen Japan. Während der Potsdamer Konferenz wurde Winston Churchill vom bisherigen Stellvertreter Clement Attlee als Premierminister abgelöst. Von 1951 bis 1955 wurde er noch einmal zum Premierminister gewählt, jedoch verlief diese zweite Amtszeit weitgehend unspektakulär. Nach seinem Rücktritt im Jahr 1955 lebte Winston Churchill noch zehn Jahre in Zurückgezogenheit. Er starb am 24. Januar 1965 im Alter von 91 Jahren.

Michail Gorbatschow

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 2. November 2011

Michail Gorbatschow ist ein russischer Politiker. Er leitete durch seine Politik von Perestroika (Umbau) und Glasnost (Offenheit) das Ende des Kalten Kriegs ein. Im Jahr 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Die jungen Jahre des Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje in der russischen Region Stawropol geboren. Seine Eltern waren Bauern in einer Kolchose und sein erster Beruf war Mähdrescher-Mechaniker. Im Jahr 1952 trat Michail Gorbatschow im Alter von 21 Jahren in die Kommunistische Partei der Sowjetunion KPdSU ein und war dort Apparatschik im heimatlichen Stawropol. Nachdem er mit 35 Jahren seinen Abschluss als Agrarbetriebswirt am Landwirtschaftlichen Institut machte, ging es mit seiner politischen Karriere steil bergauf. Im Jahr 1972 wurde Michail Gorbatschow Mitglied des Zentralkomitees und 1974 Repräsentant des Obersten Sowjets. Im Jahr 1980 wurde er Vollmitglied des Politbüros.

Die Auslandsreisen des Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschows politische und soziale Ansichten wurden durch seine Reisen ins westliche Ausland stark beeinflusst. Die BRD besuchte er Michail Gorbatschowmit einer Delegation zum ersten Mal im Jahr 1975. 1983 traf er sich in Kanada mit Pierre Trudeau, dem damaligen Premierminister und Mitgliedern des kanadischen Parlaments. Margaret Thatcher, die Michail Gorbatschow im Jahr 1984 in Großbritannien traf, erkannte seinen neuen Politikstil und empfahl ihn dem misstrauischen US-Präsidenten Ronald Reagan mit den Worten: “Ich mag Herrn Gorbatschow. Wir können zusammen Geschäfte machen.”

Michail Gorbatschow und die Öffnung zum Westen

1985 wurde Michail Gorbatschow mit 54 Jahren zum zweitjüngsten Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt. Er führte die Konzepte Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) in seiner politischen Arbeit ein. Im Jahr 1988 ermöglichte er es den Ländern des Warschauer Pakts, ihre Staatsform selbst bestimmen zu können, indem er sich von der sogenannten Breschnew-Doktrin distanzierte. Dies beendete den Kalten Krieg, führte zu einer weitgehend friedlichen Revolution in Osteuropa und ermöglichte die Deutsche Wiedervereinigung. Michail Gorbatschow erhielt dafür den Friedensnobelpreis.

Michail Gorbatschows letzte Jahre in der Politik

Im Jahr 1990 wurde Michail Gorbatschow zum sowjetischen Präsidenten gewählt. 1991 trat er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von diesem Amt zurück. Seit dem Tod seiner Frau Raissa lebt Michail Gorbatschow nahe seiner Tochter bei Moskau.

 

Bildquelle: RIA Novosti archive, image #359290 / Yuryi Abramochkin / CC-BY-SA 3.0, Wikipedia

 

Erich Honecker

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 28. October 2011

Erich Honecker war ein deutscher Politiker. Er war Kommunist und bis kurz vor dem Zusammenbruch der DDR Staatsratsvorsitzender.

Die frühen Jahre des Erich Honecker

Erich Honecker wurde 1912 in Neunkirchen an der Saar geboren. Er wurde schon im Alter von zehn Jahren Mitglied der Kommunistischen Kindergruppe in Wiebelskirchen. Nach der Schulzeit fand Erich Honecker nicht sofort einen Ausbildungsplatz und arbeitete zwei Jahre lang bei einem Bauern in Pommern. Seine anschließend begonnene Lehre als Dachdecker brach er aber, als er vom KJVD zum Studium an der Internationalen Lenin-Schule der Kommunistischen Jugendinternationale nach Moskau gerufen wurde.

Erich Honecker und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Als das Saargebiet 1935 dem Deutschen Reich angeschlossen wurde, floh der Anschlussgegner Erich Honecker zunächst nach Frankreich. Er kam jedoch kurz darauf unter dem Decknamen ‘Marten Tjaden’ wieder nach Berlin zurück. Er arbeitete im Widerstand mit dem KPD-Funktionär Herbert Wehner zusammen. Erich Honecker wurde im Dezember 1935 von der Gestapo verhaftet, im Gefängnis Moabit in Untersuchungshaft festgehalten und 1937 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 6. März 1945 gelang Erich Honecker bei einem Bombenangriff die Flucht.

Nachkriegszeit und Karriere in der DDR

Nach dem Krieg folgte Erich Honecker der Gruppe Ulbricht und wurde im Jahr 1946, nach dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD, Mitglied der SED. Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen in Verbindung mit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 schlug sich Erich Honecker offen auf die Seite von Walter Ulbricht, den die Mehrheit des Politbüros zu stürzen versuchte. Er wurde Sicherheitssekretär und war maßgeblich am Bau der Berliner Mauer beteiligt. Als Walter Ulbricht von Leonid Breschnew zum Rücktritt gezwungen wurde, trat Erich Honecker am 3. Mai 1971 dessen Nachfolge an. Als die größten außenpolitischen und diplomatischen Erfolge Erich Honeckers gelten die Aufnahme der DDR als Vollmitglied in die UNO und der Grundlagenvertrag mit der BRD. Obwohl die DDR in den 80er Jahren mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte, genoss Erich Honecker vermehrt internationale Anerkennung, insbesondere durch seinen Besuch in der BRD am 7. September 1987.

Krankheit und Rücktritt Erich Honeckers

Erich Honecker war mit der Perestroika Politik Gorbatschows und der Öffnung zum Westen hin nicht einverstanden. Außerdem plagte ihn ein vermeintliches Krebsleiden. Das Politbüro versuchte, ihn zum Rücktritt zu bewegen. Im Oktober 1989 wurde dann öffentlich der Rücktritt Erich Honeckers aus gesundheitlichen Gründen verkündet.

Erich Honecker starb 1994 im Exil in Chile, wohin er floh, nachdem er per Haftbefehl wegen des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze gesucht wurde.

 

 

Walter Ulbricht

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 19. October 2011

Zum Leben Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war von Beruf Tischler und trat schon im Jahr 1908 dem Arbeiterjugendbildungsverein Alt-Leipzig bei. 1912 wurde er Mitglied der SPD. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und diente an der Ost- und Westfront. Nach dem Ende des Krieges kehrte Walter Ulbricht nach Leipzig zurück und nahm 1919 an der Gründung der KPD teil. Für diese Partei saß er in den Jahren 1926 bis 1929 im sächsischen Landtag. Ab 1929 war er politischer Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark. Während des Dritten Reichs führte Walter Ulbricht die Arbeit in der KPD in der Illegalität weiter, weswegen er nach Paris flüchten musste, da er steckbrieflich gesucht wurde. Er unterstützte jedoch nicht den Widerstand. Statt dem ‘englischen Imperialismus’, wie er es nannte, zum Sieg zu verhelfen, verteidigte er den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Nach einer Station in Paris zog Walter Ulbricht 1938 nach Moskau, wo er ab 1941 für das deutschsprachige Programm bei Radio Moskau arbeitete. Bei seiner Betreuung im Kriegsgefangenenlager versuchte er, deutsche Soldaten für den Aufbau eines deutschen Staates im Sinne der KPD zu gewinnen. In Stalingrad forderte Walter Ulbricht deutsche Soldaten über ein Megaphon zur Kapitulation auf.

Walter Ulbricht und der Aufbau der DDR

Walter Ulbricht kehrte Ende April 1945 ins zerstörte Deutschland zurück. Er war nun Chef der Gruppe ‘Ulbricht’ und organisierte die Gründung der KPD neu. Außerdem organisierte er den ‘Vereinigungsparteitag’ von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone. Im Jahr 1950 wurde Walter Ulbricht zum Generalsekretär des ZK der SED ernannt und wurde in dieser Position 1953 zum Ersten Sekretär des ZK der SED umbenannt. Walter Ulbricht galt als der Prototyp des Stalinisten. Nach dem Tode Stalins war seine Position jedoch zeitweise stark gefährdet. Nichtsdestotrotz festigte sich seine Position und er wurde im Jahr 1960, nach dem Tode Wilhelm Piecks, Präsident der DDR. Dem Historiker Stefan Alisch zufolge besaß Walter Ulbricht die Machtfülle eines Diktators.

Die Entmachtung Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht erhoffte sich von einer Entspannungspolitik mit der BRD wirtschaftliche Vorteile für die DDR. Die Mehrheit der Mitglieder des Politbüros teilte diese Meinung nicht und daher wurde Ulbrichts Position geschwächt. Da er die DDR als ein Vorbild für die Verwirklichung des Sozialismus für andere Ostblockstaaten sah, wurde er von der Sowjetführung stark kritisiert. Bei einem letzten Besuch in Moskau zum 24. Parteitag der KPdSU machte ihm Breschnew klar, dass er mit keiner Unterstützung von sowjetischer Seite mehr rechnen könne. Er legte einen Rücktritt nahe. Dies tat Walter Ulbricht dann auch am 3. Mai 1971 aus ‘gesundheitlichen Gründen’. Sein Nachfolger wurde Erich Honecker. Walter Ulbricht starb 1973 während der 10. Weltfestspiele der Jugend im Gästehaus der Regierung der DDR am Döllnsee.

 

“Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!”

Veröffentlicht von zeitzeugenberlin am 22. August 2011

Die Mauer und ein amerikanischer Präsident

Ronald Reagan, der 40. Präsident der USA, stand am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor und sprach einen Satz über die Mauer, der im Gedächtnis blieb. Reagan forderte den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschof zu Folgendem auf:
“Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor – Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!”
In seiner Rede sprach der Präsident über die Mauer, die Teilung Deutschlands und das Niederlegen der Waffen. Reagan war der festen Überzeugung, dass es Zeit war für den Fall der Berliner Mauer und das Zusammenwachsen der beiden deutschen Hälften.
Und zweieinhalb Jahre später fiel die Mauer.

Wie es zur Rede an der Mauer kam

Eigentlich war Reagans Berlin-Besuch gar nicht geplant. 1987 sollte er während seiner Reise durch Europa nur in Bonn halt machen, nicht in Berlin und schon gar nicht direkt an der Mauer. Erst nachträglich wurde der Mauerbesuch des Präsidenten geplant und auch nachträglich entstand die unvergessliche Rede, geschrieben von Peter Robinson, einem engen Mitarbeiter Reagans. Ob die Rede tatsächlich gehalten werden sollte wurde noch kurz zuvor heiß diskutiert. Insbesondere der Satz über Gorbatschow und die Mauer wurde vom amerikanischen Security Council nicht gern gesehen. Doch am Morgen vor der Rede beschloss der Präsident, auch gegen den Willen des Councils, dass er über den Abriss der Mauer sprechen wollte.
Auf der Ostberliner Seite der Mauer, so wird gesagt, sollen über 300 Menschen versucht haben, an Reagans Rede teilzuhaben. Um zu unterbinden, dass diese etwas von den Worten hören konnten, wurde laute Militärmusik gespielt.

Angst vor der Mauerrede

Auch wenn die Berliner Mauer nur 2 ½ Jahre nach der Rede gefallen ist, so haben Kritiker gefürchtet, dass die Worte Reagans Schlimmes auslösen könnten. Die vielen Jahre der Trennung durch die Mauer hatten die Menschen dazu gebracht, jegliche Konfrontation mit dem Osten umgehen zu wollen. Einige dachten, dass diese offensive Ansprache einen erneuten Streit mit den sowjetischen Mächten auslösen könnte.
Doch nichts dergleichen geschah. Der Einfluss der Rede hatte nur eine geringe unmittelbare Wirkung. Die Grenze stand auch noch nach den Worten:
“Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!”


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