Zuckertütenfest wird das Fest genannt, mit dem man den Übergang von Kindern vom Kindergarten zur Schule feiert. Das Zuckertütenfest wird überwiegend in östlichen Regionen Deutschlands gefeiert und besteht seit über 50 Jahren. Den Bürgern der ehemaligen DDR sollte diese Tradition also bekannt sein. Der Name entstand durch die Zuckertüte, die die Kinder erhalten, denn die Zuckertüte wird vor allem mit Süßigkeiten gefüllt, um den Kindern den Schulanfang zu ‘versüßen’. Am Tag des Zuckertütenfests werden viele Spiele gespielt und Lieder gesungen, um das Ende des alten Lebensabschnitts zu feiern und den neuen zu begrüßen. Außerdem bekommen Kinder so die Möglichkeit um sich von den Betreuern des Kindergartens richtig zu verabschieden. Eine Erinnerung, die auch Schriftsteller wie Erich Kästner niemals vergaßen, denn in seinem autobiographischen Roman ‘Als ich ein kleiner Junge war‘ schreibt er: “Ich stieg, die Zuckertüte mit der seidnen Schleife vorm Gesicht, die Ladenstufe hinauf, stolperte, da ich vor lauter Schleife und Tüte nichts sehen konnte (…). Das war im Jahre 1906 in Dresden.

 Vorbereitung auf das Zuckertütenfest

Um die Freude der Kinder auf das Zuckertütenfest zu steigern, bereiten die Eltern und die Erzieher die Kinder darauf vor, indem sie ihnen in den Tagen davor von dem Zuckertütenbaum erzählen, an dem die Zuckertüten wachsen. Wenn die Zuckertüten reif sind, sind auch die Kinder bereit, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und den alten hinter sich zu lassen. Am Tag des Zuckertütenfests werden die Tüten dann zusammen mit den Kindern vom Baum gepflügt.

 Zuckertüte/ Schultüte

Die Zuckertüte ist jedoch kein Ersatz für die Schultüte, die die Kinder zum Schulanfang bekommen. Die Schultüte bekommen die Kinder zur Einschulung in die Schule. Das Zuckertütenfest stellt einen Abschied dar, denn sie werden einen Großteil der Kinder aus dem Kindergarten nicht mehr wiedersehen, wenn sie auf unterschiedliche Schulen kommen sollten.

Später entstand auch in einigen Einrichtungen, angelehnt an das Zuckertütenfest, der Brauch, dass bereits jüngere Kinder, die von der Krippe in den Kindergarten kommen, eine kleine Zuckertüte erhalten.

 Psychologischer Gedanke

Der Gedanke der hinter diesem Fest steht ist wahrscheinlich, die Kinder schonend auf Veränderungen, die das Leben ständig bietet, vorzubereiten. Denn für Kinder ist Trennungsschmerz schwieriger zu überwinden, als für Erwachsene.

Das Zuckertütenfest ist also ein schöner Brauch, den es bereits zu Zeiten der DDR, aber auch davor gab und den die Kinder mit Sicherheit damals schon zu schätzen wussten.

Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 194-0557-15A / Lachmann, Hans / CC-BY-SA; Wikipedia