Der Begriff Wirtschaftswunder beschreibt das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, welches schneller verlief und länger anhielt, als alle erwartet hatten. Als Ausgangspunkt des Wirtschaftswunders wird die Reform der Währung im Jahre 1948 gesehen. Als Ende betrachtet man einmal die Jahre 1957/58. Damals endete ein Konjunkturzyklus und die Einbindung Deutschlands in die Weltwirtschaft fand zunächst ihren Abschluss mit der Erschaffung der EWG. Zudem werden die Jahre 1966/67 als Ende vom Wirtschaftswunder angesehen, da damals die erste folgenreiche Rezession der Nachkriegsjahre eintrat.

Das Wirtschaftswunder und dessen Ursachen

Die Ankopplung an den Westen durch die Politik, sowie die Verknüpfung mit der Weltwirtschaft vereinfachten den schnellen Aufstieg Deutschlands in den 50ern und ermöglichten das Wirtschaftswunder. Die Zahlen der Produktion und der Exporte schnellten während dem Wirtschaftswunder in die Höhe, während sich die Zahl der Arbeitslosen 1961 unter der Ein-Prozent-Marke befand. Weite Teile der Deutschen erfuhren somit eine Verbesserung der Lebensumstände, da die Löhne deutlich stiegen und die Sozialpolitik von Seiten des Staates verstärkt betrieben wurde. In der Konsequenz wandelten sich Alltag und Konsumverhalten stark.

Das Wirtschaftswunder und seine Folgen

Während die Erwachsenen die neu gewonnene Prosperität genossen, suchte die Jugend den Protest und wählte den Rock ‘n’ Roll als Leitmotiv. Mit den erhöhten Geldmitteln, die zur Verfügung standen, änderten sich auch die Lebensgewohnheiten der Käufer. Einige Luxusgüter wurden nun bezahlbar. Viele Familien wünschen sich elektrische Haushaltsgeräte oder ein Kraftfahrzeug. Auch Urlaubsreisen waren nun bezahlbar, zunächst innerhalb der Bundesrepublik. Durch die Verbreitung von Personenkraftwägen wurden später auch weiter entfernte Ziele angesteuert. Die Jugend kritisierte dieses Verhalten dagegen und orientierte sich an Coca-Cola, Jeans und Rock ‘n’ Roll. Es bildete sich eine neue Jugendkultur, die von den USA beeinflusst war. Jedoch blieben soziale Randgruppen, sowie Familien mit vielen Kindern und Rentner, anfangs von den Wirtschaftswunder Vorteilen ausgeschlossen. Dank spezieller Gesetze und Sozialreformen wurde es letztlich auch ihnen ermöglicht, von dem Einkommensaufschwung zu profitieren. Viele Beschäftigte verließen die Landwirtschaft, dies konnte jedoch durch eine Effizienzsteigerung abgefangen werden. Obwohl das Bild der Frau als Hausfrau und Mutter immer noch gepriesen wurde, betätigten sich viele Frauen als gering bezahlte Hilfsarbeiterinnen. Nach und nach wurde während des Wirtschaftswunders die rechtliche Diskriminierung der Frau auf dem Arbeitsmarkt jedoch zurückgenommen.