Kapitalismus beschreibt sowohl eine konkrete Form der Wirtschaft und Gesellschaft, als auch eine Epoche der Wirtschaftsgeschichte. Welche Eigenschaften den Kapitalismus konkret ausmachen ist aufgrund des geschichtlichen Wandels und der vielen im Umlauf befindlichen Definitionen des Begriffes, wie auch der Abweichungen in verschiedenen Weltanschauungen schwierig zu sagen. Kapitalismus wird als Ordnungsform der Wirtschaft und Gesellschaft verstanden, welche darauf fußt, dass Privatleute die Produktionsmittel besitzen und der Markt Angebot und Nachfrage regelt. Ein weiteres Kennzeichen ist wohl die Vermehrung des erwirtschafteten Kapitals durch Reinvestition und auch die Bemühung um Gewinne in einem Unternehmen. Die Epoche der Wirtschaftsgeschichte sieht Kapitalismus als einen wirtschaftsgeschichtlichen Abschnitt an, welcher nach dem Feudalismus und dem Merkantilismus kam und bis heute besteht. Aus historischen Blickwinkeln ist eine Trennung dieser Epoche des Kapitalismus in verschiedene Abschnitte gegeben.

Wie wird Kapitalismus gesehen?Kapitalismus

Das Konzept ist zu Recht umstritten. Es gibt daher verschiedene Varianten der Rezeption des Begriffes. Die markteuphorische Wahrnehmung platziert ihn auf dem gleichen Level wie die Marktwirtschaft. Der Begriff Kapitalismus sei somit redundant und nur ein Überbleibsel des sozialistischen Wortschatzes. Die mentalitätskritische Wahrnehmung sieht ihn dagegen als Denkweise an, die an einer kapitalistischen Rationalität entlang gleitet. Diese Art zu denken strebt nach Profit und der bestmöglichen Nutzung der verwendeten Produktionsmittel. In diesem Prozess werden Konzepte wie Nachhaltigkeit, Ethik oder Achtung der sozialen Elemente völlig außer Acht gelassen. Die sozialkritische Wahrnehmung dagegen fokussiert sich auf die Hochphase des Kapitalismus. Seine Verbreitung sorgte für große Veränderungen in der Struktur von Wirtschaft und Gesellschaft. Zudem sorgte sie für einen Wandel in den Bedingungen des Lebens und der Arbeit. Darauf entwickelte sich der Gegensatz zwischen den Kapitalbesitzern und den Menschen, die keines besaßen, den Proletariern. Aufgrund der großen Anzahl an Proletariern mussten diese geringe Gehälter und finanzielle Unsicherheit akzeptieren. Löhne, die gerade so das Existenzminimum abdeckten, waren üblich. Aus diesem Grund waren Ehefrau und Kinder meist ebenfalls genötigt zu arbeiten. Da immer mehr Leute in die Städte zogen und die Arbeitszeiten so hoch waren, sank die Lebenserwartung im Kontext des Kapitalismus sehr stark.