Zeitzeugenforschung

Zeitzeugenforschung meint in der Fachsprache Oral History. Die Zeitzeugenforschung steht für eine Erarbeitung   der Geschichte durch Zeitzeugen. Somit stehen in der Zeitzeugenforschung insbesondere ältere Menschen im    Fokus, die sich an geschichtsträchtige Ereignisse der Vergangenheit erinnern können, weil sie diese direkt   miterlebt haben. In der Zeitzeugenforschung tritt der Zeitzeuge mit einem Interviewer in den Dialog. Dieser bereitet sich professionell auf das Gespräch vor, zeichnet während des Interviews die gesprochenen Worte auf und interpretiert im Anschluss die Erlebnisse mit Hilfe von ergänzenden Quellen.

 Fortwährende Problemfelder der Zeitzeugenforschung

Insbesondere durch die Medien und einer Vielzahl von Zeitzeugenberichten besteht für die Zeitzeugenforschung die       Gefahr eines “kollektiven Gedächtnisses”. Dabei vermischen sich Erlebnisse und Erinnerungen von Zeitzeugen mit anderen Zeitzeugenberichten. Das kann die Aussagekraft dieser Quellen für die Zeitzeugenforschung stark gefährden. Zudem wird das Erlebte auch durch den Dialog mit dem Interviewer geformt. Zeigt der Interviewer der Zeitzeugenforschung zum Beispiel zu viel oder zu wenig Mitgefühl, so kann es dazu führen, dass der Zeitzeuge noch emotionaler von seinen Erlebnis berichtet, Fakten hinzu dichtet oder Wichtiges weg lässt. Generell ist diese Forschungsmethode vielen Kritiken unterworfen, zum Beispiel, dass Zeitzeugenberichte keine richtigen Quellen seien. Dennoch stellen Zeitzeugen nach wie vor wichtige Quellen zur Rekonstruktion historischer Ereignisse dar.

Projekte der Zeitzeugenforschung

Die Shoah Foundation entstammt der Feder Steven Spielbergs. Sie dient der Erinnerung an die Shoah – im Deutschen auch als Holocaust bekannt – durch eine Sammlung von möglichst vielen Zeitzeugenberichten. Das Projekt ist somit als Archivierung der Erlebnisse von Zeitzeugen zu betrachten.
Das Projekt Archimob (Archives de la mobilisation) ist ebenfalls ein Projekt in Bezug auf den zweiten Weltkrieg. Der gleichnamige Verein sammelte zwischen 1991-2001 Zeugnisse über die Schweiz während des Krieges. Insgesamt wurden es 555 Videointerviews. In der Schweiz stellt es das größte Projekt der Zeitzeugenforschung dar.

Bildquelle: flickr, architekt2