Viele Forscher haben sich bereits mit der Oral History Kritik beschäftigt. Obwohl sich die Zeitzeugenforschung zunehmender Beliebtheit erfreut, existieren grundsätzlich unterschiedliche Formen der Oral History Kritik. Die Oral History Kritik bezieht sich vorrangig auf die Probleme, die Interviews mit Zeitzeugen und deren Erinnerungen mit sich bringen.

Oral History KritikOral History Kritik – Entwicklung

Mittlerweile ist die Oral History Kritik weitgehend diskutiert worden. Die Methode hat sich den diskutierten Schwachpunkten der Oral History Kritik bereits angenommen. Heute werden die gewonnenen neuen Erkenntnisse vorerst mit anderen Quellen verglichen und einer umgehenden Überprüfung unterzogen.

Oral History Kritik – Pro-Argumente

Die Oral History Kritik vernachlässigt oftmals, dass erst durch Erinnerungen historische Zusammenhänge erschlossen werden können, wenn Dokumente und schriftliche Aufzeichnungen fehlen. Auch können Zeitzeugen als bedeutende Quelle dienen, wenn beispielsweise die offiziellen Darstellungen von einer Diktatur stammen. Denn auch schriftliche Dokumente können nicht als wertfrei und objektiv angesehen werden.

Oral History Kritik – Contra-Argumente

Die Oral History Kritik umfasst sehr unterschiedliche Aspekte, das sie die Schwachpunkte der Arbeit mit Erinnerungen aufnimmt:

  1. Das Gedächtnis ist keine vollständig zuverlässige Informationsquelle, so die Oral History Kritik. Die Erinnerungen sind außerordentlich selektiv und wertend. Inhalte können ausgeblendet werden, unabhängige Sachverhalte in einen Zusammenhang gestellt oder einzelne Erinnerungen abstrahiert werden.
  2. Fragt man mehrere Zeitzeugen zu einem Thema, stellt sich schnell heraus, dass sie zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
  3. Die Befragten können durch den Interviewpartner beeinflusst werden. Der Interviewer kann unbewusst einen normativen Druck ausüben, sodass es zur Verfälschung der Aussagen kommt.
  4. Der Zeitpunkt der Erzählung findet häufig 30 Jahre oder 10 Jahre nach den Erlebnissen statt.
  5. Ein standardisierter Fragekatalog, wenn angewendet, und bestimmte Frageformulierungen schränken die Variabilität der Antworten sehr ein.
  6. Oral History Kritik MannDer Historiker ist selbst am Prozess der Produktion seiner eigenen Quellen beteiligt, sodass die objektive Überprüfbarkeit der Ergebnisse unsicher erscheinen muss.
  7. Der Kontakt zu den Zeitzeugen erfolgt meist indirekt. Dass er selbst den Kontakt zum Forscher sucht ist eher selten, was wiederum einen Aufschluss über dessen Persönlichkeit zulässt.
  8. Der hohe Aufwand für ein Gespräch lohnt sich mitunter nicht. Daher sollte vorher gut überlegt werden, wie relevant das Interview für die Hypothesen ist.

Insbesondere aus diesen Gründen ist es notwendig, dass Zeitzeugengespräche gründlich geplant werden, da von der erhofften Authentizität andernfalls nichts übrig bleibt. Die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema – das ist der Verdienst der Oral History Kritik.

Foto 1: Horia Varlan
Foto 2: Yandle