Der deutsch-französische Kulturkanal Arte startete am 12. Oktober die Zeitzeugen-Dokumentationsreihe “Schattenkampf”‘. Wie vielseitig die Ausdrucksformen des Widerstands waren, zeigt der Autor Bernard George in dieser Reihe, in welcher letzte Zeitzeugen zu Wort kommen.

Von Zeitzeugen beschriebene Ausdrucksformen des Widerstands

Ein polnischer Zeitzeuge erinnert sich an seine Mutter, die sich weigert, kurz nach der Besetzung durch die Deutschen, öffentlich verteiltes Brot anzunehmen, weil sie entdeckt, dass eine Wochenschaukamera auf sie gerichtet ist, die eine scheinbare Wohltat der deutschen Besatzer festhalten soll. Widerstand ist hier eine Sensibilität für Symbolik und nicht eine Frage der Waffen. Ein Zeitzeuge berichtete: “Wir hatten keine Waffen.” Hatten die Menschen überhaupt eine Chance zu schnellem Widerstand?

In Dänemark war das ganz anders, weiß der Zeitzeuge Jorgen Kieler. Die Deutschen marschierten ein und das schwache Militär der Dänen kapitulierte innerhalb von vier Stunden. Für diesen Zeitzeugen ist es unverständlich, dass man die Kapitulation einfach so, ohne Widerstand hingenommen hat. Zeitzeugen berichten vom Beginn des Widerstands in Frankreich und Belgien als ein Eindruck öffentlicher Verunsicherung und privater Entschlossenheit. Ein französischer Zeitzeuge empfindet das, unter General Petain eingerichtete, Vichy-Regime als eine Schande. Eine ganz andere Form des Widerstand schildern zwei griechische Zeitzeugen, die nachts die Hakenkreuzfahne auf der Akropolis nieder rissen und, statt gefürchteter Schelte, von ihrer Mutter dafür umarmt wurden. Widerstand entsteht durch eine spontane und nicht durch eine philosophisch-politische Haltung. Dies ist die durchgängige Botschaft des Films.

Für den Zeitzeugen Wladyslaw Bartoszewski beginnt der Zweite Weltkrieg wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Seine Stimme zittert heute noch, wenn er beschreibt, wie ihn seine Mutter weckte und er bei einem Blick aus dem Fenster Zeuge wird, wie der Warschauer Flughafen samt Umgebung von deutschen Sturzkampfbombern zerstört wird. Diese Szene eröffnete den ersten Teil der Zeitzeugen-Dokureihe ‘Schattenkampf’, die an drei Abenden in Doppelfolgen von je 52 Minuten ausgestrahlt wird. Zu finden ist diese Dokumentation in der Mediathek von Arte.

Man darf auf die weiteren Folgen dieser Zeitzeugen-Dokumentation gespannt sein, in welchen erörtert wird, wie der Widerstand aus spontanen Anfängen zu einer Macht heranwächst.