Zum Leben Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war von Beruf Tischler und trat schon im Jahr 1908 dem Arbeiterjugendbildungsverein Alt-Leipzig bei. 1912 wurde er Mitglied der SPD. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und diente an der Ost- und Westfront. Nach dem Ende des Krieges kehrte Walter Ulbricht nach Leipzig zurück und nahm 1919 an der Gründung der KPD teil. Für diese Partei saß er in den Jahren 1926 bis 1929 im sächsischen Landtag. Ab 1929 war er politischer Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark. Während des Dritten Reichs führte Walter Ulbricht die Arbeit in der KPD in der Illegalität weiter, weswegen er nach Paris flüchten musste, da er steckbrieflich gesucht wurde. Er unterstützte jedoch nicht den Widerstand. Statt dem ‘englischen Imperialismus’, wie er es nannte, zum Sieg zu verhelfen, verteidigte er den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Nach einer Station in Paris zog Walter Ulbricht 1938 nach Moskau, wo er ab 1941 für das deutschsprachige Programm bei Radio Moskau arbeitete. Bei seiner Betreuung im Kriegsgefangenenlager versuchte er, deutsche Soldaten für den Aufbau eines deutschen Staates im Sinne der KPD zu gewinnen. In Stalingrad forderte Walter Ulbricht deutsche Soldaten über ein Megaphon zur Kapitulation auf.

Walter Ulbricht und der Aufbau der DDR

Walter Ulbricht kehrte Ende April 1945 ins zerstörte Deutschland zurück. Er war nun Chef der Gruppe ‘Ulbricht’ und organisierte die Gründung der KPD neu. Außerdem organisierte er den ‘Vereinigungsparteitag’ von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone. Im Jahr 1950 wurde Walter Ulbricht zum Generalsekretär des ZK der SED ernannt und wurde in dieser Position 1953 zum Ersten Sekretär des ZK der SED umbenannt. Walter Ulbricht galt als der Prototyp des Stalinisten. Nach dem Tode Stalins war seine Position jedoch zeitweise stark gefährdet. Nichtsdestotrotz festigte sich seine Position und er wurde im Jahr 1960, nach dem Tode Wilhelm Piecks, Präsident der DDR. Dem Historiker Stefan Alisch zufolge besaß Walter Ulbricht die Machtfülle eines Diktators.

Die Entmachtung Walter Ulbrichts

Walter Ulbricht erhoffte sich von einer Entspannungspolitik mit der BRD wirtschaftliche Vorteile für die DDR. Die Mehrheit der Mitglieder des Politbüros teilte diese Meinung nicht und daher wurde Ulbrichts Position geschwächt. Da er die DDR als ein Vorbild für die Verwirklichung des Sozialismus für andere Ostblockstaaten sah, wurde er von der Sowjetführung stark kritisiert. Bei einem letzten Besuch in Moskau zum 24. Parteitag der KPdSU machte ihm Breschnew klar, dass er mit keiner Unterstützung von sowjetischer Seite mehr rechnen könne. Er legte einen Rücktritt nahe. Dies tat Walter Ulbricht dann auch am 3. Mai 1971 aus ‘gesundheitlichen Gründen’. Sein Nachfolger wurde Erich Honecker. Walter Ulbricht starb 1973 während der 10. Weltfestspiele der Jugend im Gästehaus der Regierung der DDR am Döllnsee.