Als Erinnerungskultur bezeichnet man die Umgangsformen einer Gesellschaft oder Gruppe damit, Teile der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten. Es wird zwischen einer privaten und öffentlichen Erinnerungskultur unterschieden.

Wie drückt sich eine Erinnerungskultur aus?

Die Erinnerungskultur drückt sich weniger in der Darstellung objektiven historischen Wissens, als vielmehr durch kollektive und subjektive Wahrnehmungen historischer Zusammenhänge aus. Gesellschaftliche Zusammenhänge und Probleme haben einen Einfluss auf die Erinnerungskultur. Familienalben und Ahnenforschung sind ein Beispiel für eine private Erinnerungskultur. Von der Politik wird sie oft instrumentalisiert. Hier wird zum Beispiel bei einem Regimewechsel die Deutung historischer Ereignisse verändert.
Eine weiterer Bereich sind die Rekonstruktion, Konservierung und Restaurierung von Gebäuden und historischen Objekten. Internationale Förderung wird hier vom Weltkulturerbe der UNESCO betrieben.

Beispiele der Erinnerungskultur

In vielen Ländern, wie Österreich und Deutschland, stellen Völkermorde einen zentralen Aspekt der Erinnerungskultur dar.
Die Erinnerungen an die Kulturrevolution, der Sino-Japanische Krieg und die Neuerfindung des Konfuzianismus sind drei Beispiele Chinesischer Erinnerungskultur. Die Revolution 1789 in Frankreich ist ein weiteres Beispiel.
Für Deutschland ist die Zeit der Deutschen Teilung sehr wichtig, weshalb an diese Zeit auch immer wieder erinnert werden soll.

Zusammenhang zwischen Zeitzeugen und Erinnerungskultur

Zur Formung eines kollektiven Gedächtnisses und zur Identitätsbildung kommt den Zeitzeugen in der Erinnerungskultur eine große Bedeutung zu. Die Frage ist, wie werden Bildungseinrichtungen vorgehen, wenn die Zeitzeugen nicht mehr zur Verfügung stehen? Wie wird man der dritten Generation von Nachgeborenen eine angemessene Erinnerungskultur bieten? Die Aufzeichnung von Zeitzeugeninterviews hilft hier. Auch das Internet und die fortschreitende Digitalisierung kann Geschichte in neuer Form begreifbar machen. Zeitzeugen wurde in den letzten Jahren ein beachtliches mediales Interesse entgegengebracht.

Erinnerungskultur auf internationaler Ebene

Der Politisierung kann durch den Aufbau einer gemeinsamen internationalen Erinnerungskultur entgegengewirkt werden. Die Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland stellt hier ein gutes Beispiel dar. In beiden Ländern muss eine schmerzhafte gemeinsame Vergangenheit aufgearbeitet werden, um die heutigen Beziehungen zu festigen.