Der Bruderkuss ist das berühmteste Gemälde der East Side Gallery

Das 1,3 Kilometer lange Stück Mauer an der Mühlenstraße in Berlin wurde nach der Wende zur East Side Gallery, auf der Künstler insgesamt 106 Gemälde gemalt haben. Der Bruderkuss von Honecker und Breschnew ist das bekannteste von ihnen. Der Künstler Dimitri Vrubel malte es nach der Vorlage eines Fotos, das der französische Pressefotograf Régis Bossu vom Bruderkuss im Jahr 1979 aufnahm.

Zur Geschichte des Bruderkusses

Unter Staatsmännern des sogenannten Ostblocks war der sozialistische Bruderkuss eine besondere Form der Ehrerbietung. Der Bruderkuss sollte eine besondere Verbundenheit zwischen den sozialistischen Staaten zum Ausdruck bringen. Dies geht auf ein bekanntes Ritual der russisch-orthodoxen Kirche zurück. Der Bruderkuss soll Gleichheit und Brüderlichkeit zum Ausdruck bringen und ein Ausdruck der Freude sein. Es ist eine Umarmung und ein gegenseitiger Kuss auf die Wangen oder seltener auf den Mund. Der Bruderkuss erlangte durch Erich Honecker und Leonid Breschnew besondere Berühmtheit. Seit 1989 wird der Begriff des Bruderkusses in vielfältigen Zusammenhängen verwendet, die nichts mit seiner historischen Entstehung oder mit der Begrüßung sozialistischer Staatsmänner zu tun hat. So wurden z. B. Begegnungen zwischen Arafat und dem hessischen Ministerpräsidenten Eichel oder zwischen dem Sportler Butch Reynolds und einem sportlichen Gegner als Bruderkuss bezeichnet.

Der Bruderkuss im Jahr 1979

Im Oktober 1979 kam Leonid Breschnew zu den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der DDR nach Ostberlin. Nach seiner Rede nahm er die Brille ab, umarmte Erich Honecker und küsste ihn auf den Mund. Dieser Bruderkuss wurde vom Régis Bossu festgehalten. Später wurde das Bild von der französischen Fotoagentur ‘Le Baiser’ genannt.

Mehr als zehn Jahre später hatte der russische Maler Dimitr Vrubel Liebeskummer und musste sich zwischen zwei Frauen entscheiden. Deshalb schrieb er unter sein Gemälde vom Bruderkuss: “Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben”.

 

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls kam Dimitri Vrubel wieder nach Berlin und malte einen neuen Bruderkuss an das berühmte Stück Mauer, wo das Gemälde weiterhin von Touristen aus aller Welt bewundert werden kann.