Ein Zeitzeuge ist eine Person, die an einem bestimmten, meist historischen Ereignis persönlich teilgenommen hat.

Der Zeitzeuge aus der Sicht der Geschichtswissenschaft

Von der Geschichtswissenschaft wird der Zeitzeuge als wichtige historische Quelle angesehen.
Wie jede andere Quelle wird auch der Zeitzeuge, kritisch, nur im Zusammenhang mit anderen
Quellen ausgewertet.
Eine Methode, die auf dem Sprechen lassen von Zeitzeugen basiert, nennt sich Oral History.
Der Zeitzeuge soll hier möglichst wenig vom Historiker beeinflusst werden und Inhalte auf seine
Art und Weise wiedergeben. Gerade Personen aus unteren Gesellschaftsschichten, aber nicht nur diese
sollen so ihre Lebenswelt und Sichtweisen für die Nachwelt darstellen. Die Methode beinhaltet das freie Sprechen des Zeitzeugen und nicht, wie oft fälschlicherweise behauptet, das Gespräch mit ihm.

Die Glaubwürdigkeit des Zeitzeugen

Wie bei Zeugen allgemein, ist die Glaubwürdigkeit des Zeitzeugen von seiner zeitlichen und räumlichen Nähe zum Vorgang abhängig. Es stellt sich die Frage: War der Zeitzeuge unmittelbar am Tatort oder wurden ihm Kenntnisse nur vermittelt? Außerdem ist sein sachliches Verständnis und sein Interesse an einer bestimmten Interpretation des Ereignisses von Wichtigkeit.
Paradoxer Weise heißt es, Aussagen, die dem Interesse des Zeitzeugen widersprechen, sind eher glaubwürdig als solche, die das eigene Interesse legitimieren. So wären negative Aussagen des Zeitzeugen über einen Freund eher glaubwürdig, ebenso wie positive über einen Gegner.

Der Zeitzeuge in der Kritik

Es muss auch auf die Schwierigkeiten der Methode mündlicher autobiographischer Erzählungen von Zeitzeugen für die historische Rekonstruktion hingewiesen werden. Oft beeinflusst das Selbstbild älterer Zeitzeugen die Erinnerung so stark, dass sie objektiv Falsches selbst glauben. Die Historiker Lutz Niethammer und Harald Welzer sind der Meinung, dass sowohl ehemalige KZ-Häftlinge, als auch Weltkriegsteilnehmer in dieser Hinsicht sehr kritisch wahrgenommen werden müssen.
Die Zeitzeugenschaft soll jedoch gar keine reine Faktenaufzählung sein, wie sie zum Beispiel in Geschichtsbüchern gewollt ist. Menschen sollen über Ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse berichten.

Es ist wichtig, Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, um ein Stück Erinnerungskultur zu schaffen. Nur so bekommt unsere Geschichte die Möglichkeit, außerhalb der sachlichen Geschichtsbücher, lebendig und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet zu werden.