Dies ist der sechste und vorletzte Teil des Zeitzeugenberichts “Fontane sagte nichts dazu”.
Obwohl die Geschichte langsam ihr Ende erreicht, hat Silvia Friedrich es geschafft, ihr Zeitzeugnis in unverkennbar spannender Manier zu verschriftlichen.
Als Zeitzeugin erlebte sie viel in den Jahren der Deutschen Teilung und genau darüber wird hier berichtet. Als damals junges Mädchen und heutige Zeitzeugin berichtet sie in “Fontane sagte nichts dazu” über das, was sie erlebte und was ihr Leben prägte.

Der sechste Teil des Zeitzeugenberichts “Fontane sagte nichts dazu” wird an dieser Stelle veröffentlicht. Wer gerne noch einmal den Anfang lesen möchte, kann dies unter dem Reiter “Zeitzeugenberichte” tun. Den letzten Teil finden Sie direkt hier: Zeitzeugenbericht Teil 5

Ein weiteres Mal viel Freude beim Lesen
wünscht ZeitzeugenBerlin.de

“Fontane sagte nichts dazu”

“Und als ich so dastand und zum Schinkelgebäude blickte, dessen Fassade man endlich dem alten Vorbild angemessen rekonstruiert hatte, da wünschte ich mir, dass man eines fernen Tages hier einfach wieder hinfahren dürfte. So ganz ohne Männer in Uniformen mit grauen Zähnen. So ganz ohne Kontrollen, Zollerklärungen und immer dem Verdacht ausgesetzt, Devisen und andere Dinge schmuggeln zu wollen. All die potentiellen Täter, die diese Grenze tagtäglich von West nach Ost überschritten, um aus der Sicht des sozialistischen Staates und seiner Bürger dem richtigen Deutschland nur Schaden zuzufügen. All diese Täter dürften einfach nur wieder Menschen sein, die in ein Konzert wollen oder in ein Restaurant nach Friedrichshain, weil es dort besonders gut schmeckt. Die Verwandte besuchen, ohne vorher eine Zollerklärung ausfüllen zu müssen. Einfach nur so, sich in Neukölln oder Dahlem ins Auto setzen oder in die U-Bahn und hier ankommen in einer Stadt, die wieder allen gehört, die keine Spuren mehr von Teilung zeigt und uns endlich aufwachen lässt, nach dem Nachkriegskoma, in das wir alle zwangsläufig gestoßen wurden.
Und als ich da so stand und die Fassade des berühmten Schauspielhauses emporblickte, da wurde ich auf einmal ganz ganz traurig.”

Der Wunsch des Mädchens sollte ihr nicht verwehrt werden. Einige Jahre später war die Durchreise für sie und hunderte andere Zeitzeugen wieder möglich. Doch für den Moment wird die Berliner Mauer in der Erzählung auch weiterhin geschlossen bleiben.
Der schöne, wenn auch etwas wehmütige, letzte Abschnitt des Textes wird in den nächsten Tagen hier bei ZeitzeugenBerlin.de fortgeführt.

Hier geht’s direkt weiter zum siebten Teil des Zeitzeugenberichts!

Der Zeitzeugenbericht “Fontane sagte nichts dazu” erschien in:
Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten
Hrsg. Bettina Buske und Patricia Koelle
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-08-1
180 Seiten
30 Farbfotos