Zeitzeugenpreis

Gestern Abend war es soweit: Die Gewinner des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg wurden im “Großen Saal des Roten Rathauses Berlin” gekürt. Die gut besuchte Festveranstaltung wurde von allen Teilnehmern und Gästen mit Spannung verfolgt.

Nach einer Vorauswahl von elf Teilnehmern, die alle in einer Anthologie des Frieling Verlages Berlin veröffentlicht sein werden, und engagiert geführten Debatten der Jury in der Endauswahl, wurde letztlich einstimmig für die Autorin Krystyna Reemer votiert, die unter dem Pseudonym Krysia Sar veröffentlicht.

Krystyna Reemer erhielt gestern Abend als Gewinnerin des “Schreibwettbewerbs des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg 2011″ die Skulptur “Buch der Erinnerung” des Metallkünstlers Achim Kühn zur Auszeichnung, die sie “sehr dankbar” entgegennahm. Damit hatte sich die Jury für das Werk mit dem Titel “Evas Freund, der Leonard oder Eine russische Seele in Berlin” entschieden. Die Autorin betonte nachdrücklich, dass es ihr einerseits zwar um das Schreiben selbst, den eigenen Ausdruck und das Festhalten von Erinnerungen gehe, sie jedoch ehrlich dankbar sei, wenn solches dann in der Öffentlichkeit Anerkennung finde und in ihrem Fall mit besonderer Würdigung empfangen werde. Ihr ist es gelungen, die Geschichte “Leonards” und damit die Geschichte “eine(r) russische(n) Seele im Exil” mit einem ambivalenten Verhältnis zu seiner neuen Heimat Berlin festzuhalten. Zu seiner “Flucht in die Freiheit” war der jüdische Russe durch den Antisemitismus gezwungen worden und er blickt sehnsüchtig in die alte Heimat zurück. Dabei kann er jedoch nicht auch einigen Stolz auf seine neue Heimat immer ganz verbergen. Besondere Reflektion erfährt das Werk durch die Perspektive Evas, die den Weg und die Gedanken Leonards zum Teil kritisch betrachtet.

Den zweiten Platz belegte Klaus J. Rothbarth mit seinem Zeitzeugnis “Brückenbeziehungen”. Der Verfasser hält durch seinen prämierten Text Erinnerungen an die Zeit während und nach der Wiedervereinigung fest. Neugierig und interessiert an der ostdeutschen Kunstszene berichtet er über erste Begegnungen, Freundschaften und seinen Versuch, als West-Berliner in seiner neuen Heimat Brandenburg anzukommen.

Die ursprünglich aus Nicaragua stammende Astrid Schnipkoweit erreichte den dritten Platz. Die junge Autorin, deren unbetitelter Text intern als Text 52 verhandelt wurde, wie der Laudator zugab, fand auch deshalb besondere Anerkennung beim Publikum, da sie mit ihrem deutschsprachigen Text nicht in ihrer Muttersprache geschrieben hatte und dennoch ein bemerkenswertes Zeugnis Berliner Zeitgeschichte zu schaffen wusste. Mit Astrid Schnipkoweit kann man sich auf eine Reise unter die Stadt begeben. Beeindruckt vom “Gedärm” der Berliner U-Bahn taucht der Leser aber immer wieder mit ihr auf, um Stadt und Menschen auch unter freien Himmel zu begegnen. Ihr Talent zu differenzierter Betrachtung und treffenden Beschreibungen sicherte ihr den dritten Platz.

Der Abend wurde nach den aufmerksam verfolgten Lesungen der Siegerbeiträge beschlossen, wobei es noch genug Zeit und Raum zum Austausch mit den prämierten Autoren, sowie den anderen teilnehmenden Schriftstellern im Anschluss gab.

Die Jury des Zeitzeugenpreises Berlin-Brandenburg bildeten im Jahr 2011:
- Manfred Füger und Rolf Schütte, die Protokollchefs der Landesregierungen mit
- Thessi Aselmeier von der Zeitzeugenbörse
- Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance
- Kathrin Kowarsch vom Frieling-Verlag
- Dr. Andreas Ludwig vom Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
- Dr. Martina Weinland von der Stiftung Stadtmuseum Berlin
- Dr. Martina Weyrauch von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung
- Henry Lohmar (Märkische Allgemeine Zeitung) und Ulli Zelle (rbb)

Bilder und Eindrücke zum Zeitzeugenpreis gibt es auf YouTube:

http://www.youtube.com/watch?v=XLR5mi7lipw

http://www.youtube.com/watch?v=zzjHkyh9TL8