Erinnerung Tschernobyl

Der 25. Jahrestag des Reaktorunglücks im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 2011 gab vielen Zeitzeugen Anlass zur Rückbesinnung auf den bis dahin schwersten Unfall in der Geschichte der Atomenergie. Auf einer Konferenz der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) kurz vor dem Jahrestag in Berlin erinnert sich Zeitzeugin Svetlana Kabanzova an die ersten Tage direkt nach dem Super-GAU, als sie mit dem Auto durch die Gegend fuhr und die Kinder auf den Wiesen spielten, während die Bauern auf den Feldern arbeiteten. Die Gefahren der Strahlung konnte keiner vorhersehen, weil sie eine nicht unmittelbar spürbare Gefahr darstellte, die man riechen, schmecken oder sehen konnte. Am schlimmsten war für sie als Lehrerin, dass die Menschen so wenig informiert wurden und nicht wussten, wie sie sich verhalten sollten.

Tschernobyl und Fukushima – schlimmer als Krieg

Vladimir Anatolevich Gudov war damals als Aufräumarbeiter und Liquidator eingesetzt worden und berichtet in Berlin über die “gigantischen” und “titanischen” Aufräumarbeiten, die er mit zahlreichen Kollegen über 206 Tage und Nächte ertragen musste, ohne zu wissen, wie die Strahlung sich auf seine Gesundheit auswirken könnte. Die Ärztin Valentina Smolnikova behandelte viele Patienten mit Strahlenschäden in der Region Gomel und kann von zahlreichem Leid berichten, dass das Atomunglück den Menschen in der Region Tschernobyl damals und bis heute noch brachte: Die Geburtenrate sei damals gesunken und die Sterblichkeit gestiegen. Viele Kinder wurden zu Waisen oder kamen mit Miss- und Fehlbildungen auf die Welt. Die Folgen der Strahlungen wirken heute noch nach, sodass die Ärztin auch aus aktuellem Anlass sicher weiß, dass Tschernobyl und Fukushima schlimmer als der Krieg seien. Die damalige Regierung reagierte hilflos auf die Geschehnisse und entschädigte bis heute die Opfer und deren Familien nicht angemessen. Im Gegenteil – derzeit werden zwei neue Atomkraftwerke geplant. Auch der jüngste Atomunfall im japanischen Fukushima, dessen Folgen noch lange nicht abzusehen sind, wird daran wohl nichts ändern können.

Aus der Erinnerung lernen

Um die Erinnerung an die schlimmen Ereignisse in Tschernobyl lebendig zu erhalten und die Politik zum verantwortungsvollen Umgang mit unserer Zukunft zu bewegen, lassen zahlreiche Ausstellungen und Internet-Aktionen Zeitzeugen zu Wort kommen. Die Umweltorganisation Greenpeace informiert auf einer eigenen Homepage der Greenpeace-Gruppe Berlin über die Ereignisse in Tschernobyl und stellt die damaligen Zeitungsmeldungen der einzelnen Tage während der Katastrophe ins Netz. Auf Facebook kann man sich der Gruppe “25 Jahre nach Tschernobyl” anschließen, die durch mehrere Institutionen und Nichtregierungsorganisationen ins Leben gerufen wurde.

 

Bild: Atomkraftwerk Tschernobyl (Quelle: Andrzej Karoń, ChNPP, Wikipedia)