“Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!”



Kurt Tucholsky in Paris, 1928 (Bildquelle: Sonja Thomassen via Wikimedia Commons)

Kurt Tucholsky

(*09.01.1890, Berlin-Moabit † 21. 12. 1935, Hindas)

Zum Leben:

Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 als ältester Sohn des jüdischen Kaufmanns Alex Tucholsky und Doris Tucholskys in Berlin-Moabit geboren. Da der Vater 1905 früh stirbt, hinterließ er der Familie ein beträchtliches Erbe. Das ermöglichte Tucholsky eine gute Schulausbildung ohne finanzielle Sorgen. Schön früh veröffentlichte er satirische Texte in der Satirezeitschrift Ulk. Nach dem Abitur begann er ein Jura-Studium in Berlin und vertiefte sein Interesse an der Schriftstellerei.

1912 veröffentlichte Kurt Tucholsky seine erste Erzählung “Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte”, die er zusammen mit einem Freund auf dem Berliner Kudamm verkaufte. Zum Buch reichte er einen Schnaps – das zeigte schon früh seinen besonderen Humor. Im Jahr 1913 brach er seine juristische Ausbildung ab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sein Engagement bei der Theaterzeitschrift “Die Schaubühne” (später “Die Weltbühne”) sollte ab diesem Zeitpunkt sein ganzes Leben fortdauern, obwohl er die Promotion später noch nachholte.

Seine Erfahrungen als Alarmierungsoldat an der Ostfront im Ersten Weltkrieg prägten sein journalistisches Engagement und machten ihn zum überzeugten Pazifisten und Militarismus-Gegner. In dieser Zeit trat er zum protestantischen Glauben über, nachdem er vorher aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten war.

Als politischer Autor veröffentlichte er nach der Rückkehr aus dem Krieg unter mehreren berühmten Pseudonymen zahlreiche Beiträge zu verschiedensten Themen als Chefredakteur der Satirezeitschrift “Ulk”, sowie in der “Weltbühne”. In dieser Zeit heiratet er seine erste Ehefrau, die Ärztin Else Weil, von der er 1924 wieder geschieden wurde. Nach schwerer Depression und aus finanziellen Gründen wendete er sich von der Schriftstellerei ab und ging in die Wirtschaft. Wenige Monate nach seiner Scheidung heiratet er seine Kriegbekanntschaft Mary Gerold, mit der er einige Jahre im französischen Ausland lebt. Als kritischer Autor und Journalist bemüht er sich um das Verhältnis von Deutschland und Frankreich, während er besorgt von außen die Entwicklungen in seiner deutschen Heimat beobachtet und kommentiert.

1928 trennt er sich nach vielen Belastungen von seiner zweiten Frau und geht mit Lisa Matthias, die er vorher schon kennenlernte, nach Schweden. Hier verbringt er die letzten Jahre seines Lebens im Exil auf Gripsholm und wendet sich mehr und mehr von der Schriftstellerei ab. Er hatte versucht gegen das Hitler-Deutschland anzuschreiben, mit dem Ergebnis, dass 1933 seine Bücher in Deutschland verboten wurden und ihm die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Daher bemühte er sich am Ende seines Lebens um die schwedische Staatsbürgerschaft, die er nicht mehr erlangen sollte: Im Winter 1935 starb er an einer Überdosis Schlaftabletten in Hindas (Schweden).

Zum Werk:

Kurt Tucholsky widmete sich als politischer Schriftsteller und Zeitzeuge der Weimarer Republik folgenden Hauptthemen: einem wilhelminischen Ungeist und der Kriegsverherrlichung der meisten Offiziere, den politischen Morden an linken und linksliberalen Politikern und Publizisten wie Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Walther Rathenau, sowie einer Unfähigkeit mancher demokratischer Politiker, die Weimarer Republik gegen ihre Feinde zu verteidigen. Er veröffentlichte unter den Pseudonymen Ignaz Wrobel, Peter Panter, Theobald Tiger und Kaspar Hauser zahlreiche regelmäßige Beiträge in der “Schaubühne” und dem “Ulk”.

Neben diesen journalistischen und essayistischen Texten verfasste er Kabarett-, Liedtexte und 1919 die Gedichtesammlung “Fromme Gesänge”. Während seiner Auslandsaufenthalte entstanden Reisebeschreibungen wie “Ein Pyrenäenbuch” und die Textesammlung “Mit 5 PS”, sowie “Das Lächeln der Mona Lisa”. Seine heiteren Erfahrungen während des Sommers 1929 auf Schloss Gripsholm spiegeln sich im gleichnamigen, bekannten Kurzroman “Schloss Gripsholm” wieder. Im gleichen Jahr veröffentlichte er jedoch sein gesellschaftskritisches Werk “Deutschland, Deutschland über alles”, worin er, mit scharfer Zunge, der Wut auf seine Heimat freien Lauf lässt.

Nach diesen beiden Veröffentlichungen zog sich Kurt Tucholsky resigniert und enttäuscht über die politischen Entwicklungen in Deutschland bis zu seinem Tode aus der Schriftstellerei zurück.

Weitere Links zu Kurt Tucholsky:

–> die Kurt-Tucholsky-Gesellschaft

–> der Kurt-Tucholsky-Blog

–> das Kurt-Tucholsky-Museum

Bild: Kurt Tucholsky in Paris, 1928 (Quelle: Sonja Thomassen via Wikimedia Commons)