“Kalt vor Heimweh nach dem Land aus dem sie weggehen wollte.”

 

Uwe Johnson

Uwe Johnson

(*20.07.1934; †23.02.1984)


Leben:

Uwe Johnson wird am 20. Juli 1934 als Sohn eines Landwirts und späteren Angestellten des Greifswalder Tierschutzamtes in Cammin (heute Kamien Pomorski, Polen) in Vorpommern geboren.
1945 fliehen er, seine Mutter und die Schwester vor der Roten Armee über Recknitz nach Güstrow in Mecklenburg. Der Vater stirbt im sowjetischen Internierungslager.

Studium und Umsiedelung nach West-Berlin

Nach dem Abitur beginnt Johnson 1952 ein Germanistikstudium in Rostock. Im Frühjahr 1953 soll er sich an einer Kampagne gegen die evangelische “Junge Gemeinde” beteiligen, die staatlich organisiert und angeordnet wird. Er weigert sich und wird daraufhin exmatrikuliert. Demonstrativ tritt er daraufhin aus der “Freien Deutschen Jugend” (FDJ) aus.
Er geht nach Leipzig und nimmt dort das Germanistikstudium wieder auf.
1956 macht er sein Diplom bei Hans Mayer, dem prominentesten Literaturwissenschaftler in der DDR und vollendet im selben Jahr seinen ersten Roman “Ingrid Babendererde”. Vergeblich bietet er das Manuskript verschiedenen Verlagen an und auch in der BRD wird er abgelehnt. Der Roman erscheint erst nach seinem Tod.
1959 verlegt der Suhrkamp-Verlag seinen aufsehenerregenden Roman “Mutmaßungen über Jakob”. Johnson siedelt nach West-Berlin um und lebt fortan bis 1974 in Berlin-Friedenau. Im Jahr nach dem Erscheinen seines Buches erhält er den Theodor-Fontane-Preis der Stadt Berlin. 1961 folgt der Roman “Das dritte Buch über Achim”. Auch dieser hat wieder “die Teilung, die Grenze, der Unterschied” als Generalthema.
1962 heiraten Uwe Johnson und Elisabeth Schmidt, im selben Jahr wird ihre Tochter Katharina geboren.

New York und Umsiedelung nach England

Von 1966 bis 1968 lebt die Familie Johnson in New York. Er arbeitet dort als Schulbuchlektor. 1968 beginnt er mit der Arbeit an seinem beachtlichem Hauptwerk, dem vierbändigen Roman “Jahrestage”. Im Jahr danach wird er Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik und der Akademie der Künste in Berlin (West). Die ersten drei Bücher der Jahrestage-Reihe erscheinen 1970, 1971 und 1973. Er wird 1971 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und ein Jahr später Vizepräsident der Akademie der Künste zu West-Berlin.
1974 siedelt Johnson nach Sheerness on Sea auf der Themse-Insel Sheppey in England um. Mitte der 70er Jahre ist sein Leben von einer “schweren persönlichen Krise” geprägt, die dadurch bedingt ist, dass Johnson überzeugt ist, dass seine Frau für Prager und Ost-Berliner Geheimdienste gegen ihn arbeitet. Es fällt ihm sehr schwer zu schreiben, weswegen der letzte Band der Jahrestage-Reihe auch erst 1983 erscheint.
Johnson ist ab 1977 für zwei Jahre Mitglied Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und arbeitet ab 1979 als Poetik-Dozent an der Universität in Frankfurt/Main. Die Vorlesungen veröffentlicht er ein Jahr später unter dem Titel “Begleitumstände”. 1983 vollendet er die Romanreihe “Jahrestage” und wird mit dem Literaturpreis der Stadt Köln geehrt.
Uwe Johnson stirbt in der Nacht vom 23. zum 24. Februar in seinem Haus in Sheerness an Herzversagen.

Zum Werk:

Uwe Johnson beschäftigt sich in seinem Werk hauptsächlich mit der Thematik des geteilten Deutschlands. Die Kritiker bezeichnen ihn als “Dichter beider Deutschland”. Das Thema beherrscht nicht nur seinen letzten und größten Roman mit dem Titel “Jahrestage”. In seinem Werk “Die Geschichte der Gesine Cresspahl”wird ihr fiktives Leben mit Johnsons Erinnerungen an seine Zeit in Mecklenburg verwoben. Auch die Werke “Mutmassungen über Jakob” oder “Das dritte Buch über Achim” handeln vom Leben in und mit dem geteilten Deutschland und dem Kalten Krieg zwischen den beiden Staaten. Johnson verwendet in seinen Werken eine komplexe Erzählstruktur, die er in einer meisterhaften Stilistik umsetzt. Der 1985 posthum veröffentlichte Roman “Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953″ handelt von der gesellschaftlichen Realität in der DDR der 1950er Jahre. In der BRD werden seine Romane von den Kritikern geliebt und gelobt, in der DDR sorgen sie für Missfallen.

Weitere Links zu Uwe Johnson:

* Uwe Johnson bei Suhrkamp
* Homepage des Uwe Johnson Literaturhauses
* Homepage der Uwe Johnson-Gesellschaft

Bild: Detail der Skulptur Uwe Johnsons von Wieland Förster vor dem John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow  (Quelle: Schiwago, Wikipedia)