“Mit den Lebensjahren beginnen die frühen Erinnerungen langsam zu verblassen, wenn es keine Gespräche im Familienkreise mehr gibt und keine gemütliche Beschaulichkeit in der warmen, dämmrigen Stube, wo die Alten den Jungen und den Allerjüngsten in der blauen Stunde aus ihrem Leben erzählen.”

 

Dieter Rendschmidt

(*22. Mai 1938)

Berlin BlockadeDieter Rendschmidt wird 1938 in Berlin geboren.
Bis 1942 lebt er in Müggelheim, dann zieht seine Familie angesichts des immer bedrohlicher werdenden Bombenkrieges zu den Großeltern nach Ostpreußen in das Dorf Gumbinnen. 1944 flieht die Familie vor der nahenden Ostfront weiter ins Sudetenland nach Ritschka. Im gleichen Jahr wird Rendschmidt eingeschult. Nach Ende des Krieges kehrt Familie Rendschmidt zu Fuß nach Berlin zurück. Dort ziehen sie zunächst bei den Eltern seines Vaters in der Müggelheimer Straße in Köpenick ein, bis sie sich wieder in Müggelheim niederlassen.

Dieter besucht die Müggelheimer Grundschule. 1946 kehrt sein Vater aus britischer Kriegsgefangenschaft heim. Während der Berlin-Blockade 1948 schmuggelt Dieter Lebensmittel aus der sowjetischen Besatzungszone zu Verwandten. 1949 stirbt sein jüngerer Bruder Günter an Scharlach. 1953 wechselt Dieter Rendschmidt dann an die Eichendorff-Oberschule.

1957 wird sein Vater wegen Verdacht auf Spionagetätigkeiten von der Stasi verhaftet und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, was die Familie in finanzielle Nöte bringt. Im gleichen Jahr besteht Rendschmidt sein Abitur und bewirbt sich für ein Studium, wird aber aufgrund der Haft seines Vaters abgelehnt.

Flucht nach West-Berlin

Dieter Rendschmidt flieht mit Mutter und Bruder nach West-Berlin. Zunächst kommt die Familie im Flüchtlingslager Marienfelde unter.
Dieter muss am Goethe-Gymnasium Wilmersdorf ein dreizehntes Schuljahr absolvieren, damit sein Ost-Abitur anerkannt wird.
Er zieht in eine Gemeinschaftswohnung in die Holsteinische Straße in Berlin-Friedenau. 1958 wird Rendschmidts Ost-Abitur anerkannt und er nimmt das Studium der Betriebswirtschaft an der Freien Universität Berlin auf.
Nebenbei absolviert er ein Praktikum bei Siemens, trägt Zeitungen aus, arbeitet als Aushilfe in einer Cafeteria und in einem Feinkostladen, außerdem jobbt er als Lieferant.
1960 verlobt er sich mit seiner langjährigen Freundin Charly, der er am Tag des Mauerbaus 1961 gerade noch zur Flucht nach West-Berlin verhelfen kann. 1962 ziehen die beiden nach Berlin-Charlottenburg in die Uhlandstraße 51.

Zwei Jahre später schließt Rendschmidt sein Studium als Diplom-Betriebswirt ab. 1965 tritt er eine Stelle bei der Berliner Gemeinnützigen Wohnungswirtschaft an.
1967 heiratet Dieter Rendschmidt seine Verlobte. Von 1971 bis 1986 sitzt er im Vorstand des Beamten-Wohnungs-Verein Berlin.
2001 geht er in den Ruhestand.
Er schreibt seine Kindheits- und Jugenderinnerungen auf, die 2003 unter dem Titel Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf erscheinen. 2008 erscheint ein weiterer Erinnerungsbericht mit dem Titel Fluchtpunkt Wilmersdorf.

Dieter Renschmidt lebt in Berlin-Kladow.

 

Zum Werk:

Dieter Rendschmidt hat zwei autobiographische Erfahrungsberichte geschrieben. In dem Buch Zwischen Müggelheim und Wilmersdorf  erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in Berlin von 1941 bis 1961. Zeitgeschichtliche Ereignisse wie Flucht, Nachkriegsnot, Alltag in der Nachkriegszeit und beginnende Einschränkungen der DDR werden anhand der Schilderung des eigenen Lebens greifbar. Der zweite Band Fluchtpunkt Wilmersdorf  knüpft 1961 mit dem Bau der Mauer an. Hier wird anhand der persönlichen Schilderungen deutlich, wie sich die deutsche Teilung auf eine ganz normale Familie auswirkte.
Rendscheidt hat mit seinen Werken wichtige historische Zeugnisse des geteilten Berlins geschaffen.

 

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